Lilley’s Spring → Woodland Park (Hochebene)
Hochplateau-Tag: Weite statt Wände. Raum zum Atmen, Platz für ein paar Galoppaden.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 4 – Lilley’s Spring über die Hochebene nach Woodland Park
- Datum
- August 2019
- Charakter
- Hochplateau-Tag: Weite statt Wände
- Gelände
- offene Mesa mit lichtem Ponderosa-Kiefernwald, Platz für Galoppaden
- In der Nacht
- ein Rudel Kojoten zog heulend in der Nähe vorbei
- Camp
- bei Woodland Park
- Grundsatz
- Feuer löschen, Spuren beseitigen – das Lager bleibt zurück, als wäre niemand da gewesen
Kojoten in der Nacht
In der Nacht wachten wir von einem Geräusch in der Ferne auf. Am Anfang konnten wir das nicht richtig zuordnen, dann war klar, dass es das Heulen und Kläffen einer Gruppe Kojoten war, die in der Nähe vorbeizog. Nach etwa 20 Minuten verschwand das Geräusch in der Ferne, und der Wald lag wieder ruhig im Mondschein. Und wir verschwanden wieder in unseren Zelten und konnten weiter schlafen.
Kojoten sind in der Gila Wilderness alltäglich, und für Menschen und Pferde sind sie ungefährlich. Beeindruckend ist trotzdem, wie viele es klingen: Ein einzelnes Tier kann durch schnelle Tonwechsel wie eine ganze Gruppe wirken, und die Hochebene wirft den Schall zurück. Unsere Pferde an der Highline haben kurz die Köpfe gehoben und dann weitergedöst – das beste Zeichen dafür, dass nichts los war.
Am Morgen kochten wir über dem Lagerfeuer Kaffee und frühstückten.
Am vierten Tag sitzt die Routine. Was am ersten Morgen noch eine Stunde gedauert hat – Feuer, Kaffee, Zelte, Highline, Packsattel –, geht jetzt fast nebenbei. Jeder weiß, welcher Beutel wohin gehört, und das Packpferd steht schon da, bevor jemand es holen muss.
Nachdem wir das Camp abgebaut, das Feuer gelöscht und alle Spuren beseitigt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Heute ritten wir den ganzen Tag über die Hochebene, die wir gestern erklommen hatten.
Weite statt Wände
Der Unterschied zu den ersten drei Tagen ist sofort spürbar. Unten im Canyon war das Sichtfeld selten weiter als fünfzig Meter; hier oben sieht man kilometerweit. Der Ponderosa-Kiefernwald steht licht genug, dass man zwischen den Stämmen hindurchblicken kann, und dazwischen liegen weite Grasflächen.
Für die Pferde heißt das zum ersten Mal seit dem Corral: Platz. Nach drei Tagen Schrittarbeit über Geröll und durch Furten sind ein paar Galoppaden über die Mesa das, worauf alle gewartet haben – Reiter wie Pferde. Man merkt an den Ohren, wann sie damit rechnen.
Trügerisch ist die Weite trotzdem. Was von oben wie eine ebene Grasfläche aussieht, ist von Frostaufbrüchen, Wurzeln und Löchern durchsetzt; die dünnen Böden über flachem Sediment frieren im Winter auf und werfen Kanten. Galoppiert wird deshalb dort, wo man den Boden auch wirklich sieht.
Ankunft in Woodland Park
Am späten Nachmittag erreichten wir Woodland Park und bauten ein letztes Mal unser Camp auf. Inzwischen waren die Packtaschen mit unseren Vorräten auch fast leer.
Das ist die stille Rechnung eines Wilderness-Ritts: Was am ersten Tag als Last aufgeladen wird, ist am vierten aufgegessen. Das Packpferd trägt am letzten Abend spürbar weniger als am ersten – und genau darauf ist so eine Tour geplant. Die schwersten Etappen liegen am Anfang, wenn Futter und Verpflegung noch vollständig dabei sind.
Kurz nach der Ankunft kam Regen auf. Der einzige während der gesamten Woche. Aber nach einer Stunde war es zum Glück auch schon wieder trocken.
Ende August ist in New Mexico Monsunzeit: Feuchte Luft aus dem Süden trifft auf die aufgeheizten Hochflächen, türmt sich am Nachmittag zu Wolken und entlädt sich in kurzen, heftigen Schauern. Eine Stunde Regen und danach wieder trockener Boden ist dafür typisch. Auf der offenen Mesa ist ein solches Gewitter allerdings etwas anderes als unten im Canyon – hier ist man selbst der höchste Punkt weit und breit, und ein Lagerplatz zwischen den Kiefern statt auf der freien Fläche ist keine Frage der Bequemlichkeit.
Dann folgte der letzte Abend am Lagerfeuer.
Vier Nächte im Zelt, vier Abende am selben Feuer mit denselben Leuten – und am nächsten Tag geht es zurück ins Tal. Auf einem Wanderritt ist der vorletzte Abend oft der schönste: Die Anstrengung liegt hinter einem, die Rückkehr noch nicht davor.
Woodland Park — Weite Wiesen, Ponderosa-Inseln, Himmel ohne Kante
„Woodland Park“ steht im Gila-Kontext für offenes Waldland: Grasmatten, durchsetzt mit Ponderosa-Kiefern, auf dünnen Böden über flach lagernden Sedimenten. Die Böden sind frostempfindlich – das erklärt die vielen Frostaufbrüche im Frühjahr und das schnelle Abkühlen in klaren Nächten.
Historisch nutzten Rancher solche Hochflächen als Sommerweiden, während Wildfeuer (natürlich und später auch kontrolliert) die Landschaft licht hielten. Für Reiter bedeutet das: langgezogene Linien, Trab- und Galoppfenster, aber auch plötzliche Wetterwechsel – Winddreher, Gewitteraufbau, Temperatursturz im Abend.
FAQ zum vierten Tag
Hört man in der Gila Wilderness Kojoten?
Ja. In unserer vierten Nacht zog ein Rudel heulend und kläffend in der Nähe vorbei. Nach etwa zwanzig Minuten verlor sich das Geräusch in der Ferne. Für Pferde und Menschen ist das ungefährlich – es ist nur ungewohnt laut.
Kann man auf der Hochebene galoppieren?
Ja, das ist der Unterschied zu den Canyontagen. Auf der Mesa steht lichter Ponderosa-Kiefernwald über weiten Grasflächen; dort gibt es Platz für ein paar Galoppaden, was in den engen Bachbetten der ersten Tage undenkbar wäre.
Was heißt „Spuren beseitigen" beim Aufbruch?
Feuer vollständig löschen, die Feuerstelle zurückbauen, Abfall restlos mitnehmen und den Lagerplatz so verlassen, dass man ihn nicht mehr als solchen erkennt. In einer Wilderness Area ist das nicht Kür, sondern Grundregel.
Wie hoch liegt die Hochebene?
Das High Country der Gila liegt großteils zwischen rund 2.000 und 2.400 Metern – deutlich höher als die Canyonsohlen, entsprechend kühler und mit deutlich weiterem Blick.
Warum klingen Kojoten nach viel mehr Tieren, als es sind?
Weil ein einzelnes Tier durch schnelle Tonwechsel wie eine ganze Gruppe wirken kann – und weil die offene Hochebene den Schall zurückwirft. Was sich nachts anhört wie ein Rudel von zwanzig, sind oft ein paar Tiere. Ein gutes Maß für die tatsächliche Lage sind die Pferde: Unsere haben an der Highline kurz die Köpfe gehoben und dann weitergedöst. Genau das ist das Zeichen, dass nichts los ist.
Was ist die Monsunzeit in New Mexico?
Der Sommerregen des Südwestens, und Ende August ist er noch aktiv. Feuchte Luft aus dem Süden trifft auf die aufgeheizten Hochflächen, türmt sich am Nachmittag zu Wolken und entlädt sich in kurzen, heftigen Schauern. Eine Stunde Regen und danach wieder trockener Boden ist typisch – bei uns war es der einzige Regen der ganzen Woche. Auf der offenen Mesa hat so ein Gewitter allerdings ein anderes Gewicht als unten im Canyon: Dort oben ist man selbst der höchste Punkt weit und breit. Der Lagerplatz zwischen den Kiefern statt auf der freien Fläche ist deshalb keine Frage der Bequemlichkeit.
Warum wird die Last des Packpferds von Tag zu Tag leichter?
Weil sie aufgegessen wird. Was am ersten Tag an Futter und Verpflegung aufgeladen wird, ist am vierten weg – und genau darauf ist so eine Tour geplant: Die schwersten Etappen liegen am Anfang, wenn noch alles dabei ist. Am letzten Abend trägt das Packpferd spürbar weniger als am ersten.
Kann man auf der Hochebene überall galoppieren?
Nein, und das täuscht. Was von oben wie eine ebene Grasfläche aussieht, ist von Frostaufbrüchen, Wurzeln und Löchern durchsetzt: Die dünnen Böden über flach lagerndem Sediment frieren im Winter auf und werfen Kanten. Galoppiert wird deshalb nur dort, wo man den Boden auch wirklich sieht. Nach drei Tagen Schrittarbeit durch Geröll und Furten ist das trotzdem der Moment, auf den alle gewartet haben – man merkt an den Ohren der Pferde, wann sie damit rechnen.

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