Reiterin auf einem Weg รผber eine trockene Karstwiese, dahinter die Bergkette der Svilaja

Wanderritt in Dalmatien: Eine Woche durch den Karst Kroatiens

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Eine Woche im Karst Dalmatiens: sechs Reittage zwischen Split und dem Gebirge Svilaja, durch Kalkplateaus, an Stauseen entlang und รผber weite Wiesen, auf denen die Pferde einmal richtig laufen durften. Der Wanderritt in Kroatien war unsere erste mehrtรคgige Reitreise dieser Art โ€“ und bis heute eine der landschaftlich eindrรผcklichsten.

Der Ritt auf einen Blick

Ritt
Wanderritt in Dalmatien, Kroatien
Reisezeit
Juli 2016
Dauer
6 Reittage โ€“ ein Testritt und fรผnf Etappen
Reitzeit
tรคglich 5 bis 7 Stunden
Anreise
Flug von Hamburg nach Split, Abholung am Flughafen
Pferde
kroatische Mixe
Sรคttel
Wanderreitsรคttel und englische Sรคttel
Streckenfรผhrung
Rundritt ab Raduniฤ‡ bei Gornje Ogorje: Donji Biteliฤ‡ โ†’ Hrvace โ†’ Garjak โ†’ Otavice โ†’ zurรผck
Gelรคnde
Karstplateaus, Gebirgsanstiege, Flussquerungen, weite Wiesen
Unterkรผnfte
kleine Hotels und Gasthรคuser
Hรถchstgeschwindigkeit
59,65 km/h auf der groรŸen Wiese am vierten Tag
Veranstalter
Equestrian Club Split

Anreise nach Split

Am Juli 2016 sind wir von Hamburg nach Split geflogen. Nach etwas Verspรคtung kamen wir am Abend endlich an und wurden am Flughafen bereits erwartet. Eine Entschuldigung an dieser Stelle noch einmal an die anderen Gรคste, die wegen unserer Flugverspรคtung zusammen mit der Abholerin vier Stunden am Flughafen verbringen mussten โ€“ aber was will man machen.

Zum Abendessen haben wir es trotzdem pรผnktlich zum Ausgangspunkt geschafft und wurden sehr herzlich von Ivo empfangen. Nach dem reichhaltigen und guten Essen wurde uns ein bisschen zur Route erzรคhlt, wir wurden nach unserer Reiterfahrung gefragt, und jeder bekam ein Pferd zugeteilt โ€“ das wir allerdings erst am nรคchsten Morgen zum ersten Mal gesehen haben.

Wo wir geritten sind

Der Trail ist ein Rundritt: Er beginnt und endet am selben Stall bei Raduniฤ‡, einem Weiler bei Gornje Ogorje in der Gemeinde Muฤ‡. Von dort fรผhren die fรผnf Etappen in einer weiten Schleife nach Norden an den Peruฤ‡a-Stausee, weiter bis Garjak am Zufluss der Cetina, dann nach Westen bis in die Gespanschaft ล ibenik-Knin โ€“ und schlieรŸlich zurรผck zum Ausgangspunkt.

Grobe รœbersicht: S ist der Stall, an dem der Rundritt beginnt und endet, die Ziffern sind die vier รœbernachtungsorte in der Reihenfolge der Etappen. Die fรผnfte Nacht war wieder am Ausgangspunkt. Die gestrichelte Linie zeigt nur die Reihenfolge โ€“ es ist keine aufgezeichnete Route, fรผr diesen Ritt von 2016 gibt es keine GPS-Spur. Hรถhenangaben aus SRTM-Daten. Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende.

Der Testritt zum Svilaja

Am ersten Tag stand sozusagen ein Testritt an. Wir haben morgens die Pferde geholt und fertig gemacht und sind dann losgeritten. Es ging durch Dรถrfer und einen Weg auf den Berg hinauf. Nach etwa drei Stunden erreichten wir eine Hรผtte ungefรคhr auf halber Hรถhe am Svilaja, wo ein Mittagessen zubereitet wurde. Von hier hat man einen wirklich tollen Blick รผber die Region.

Nach einer ausgiebigen Pause ging es denselben Weg zurรผck, und kurz vor der Ranch stand der erste Galopp an. Der Sinn dieses Tages: Sollte ein Pferd nicht passen, hรคtte hier noch die Mรถglichkeit bestanden zu tauschen. Bei uns war das nicht nรถtig.

Bildstrecke vom Testritt: Karstplateau, die Hรผtte am Berg und die ersten Stunden mit dem eigenen Pferd.

Die Svilaja und die Zagora

Die Svilaja ist ein Gebirgszug in der Zagora, dem dalmatinischen Hinterland in der Gespanschaft Split-Dalmatien. Sie zieht sich rund 30 Kilometer von Nordwesten nach Sรผdosten bei etwa 10 Kilometern Breite; hรถchster Gipfel ist der Bat mit 1.508 Metern nahe der Stadt Sinj.

Landschaftlich ist die Svilaja ein mehr oder weniger tief zerfurchtes Plateau. Nach Sรผdosten fรคllt sie in einer markanten Steilstufe zur Ebene von Sinj ab, nach Norden geht sie sanfter in die Dinariden รผber. Der Untergrund ist Karst โ€“ Kalkstein, den Wasser รผber Jahrmillionen gelรถst und ausgehรถhlt hat.

Fรผr Reiter bedeutet Karst zweierlei: Der Boden ist รผberwiegend steinig und verlangt trittsichere Pferde โ€“ aber er ist auch trocken und trittfest, weil Regenwasser sofort versickert. Wasser gibt es deshalb nicht รผberall, sondern an wenigen, dafรผr umso wichtigeren Stellen. Und im Juli ist es heiรŸ: Schatten spenden nur einzelne Baumgruppen.

Tag 1: auf die Route

Am nรคchsten Tag ging es dann auf die eigentliche Route. Die folgenden Tage sind von der Lรคnge her in etwa identisch โ€“ fรผnf bis sieben Stunden im Sattel, dazwischen eine lange Mittagspause im Schatten.

Der erste Tag fรผhrte nach Nordosten bis Donji Biteliฤ‡ am Ostufer des Peruฤ‡a-Stausees โ€“ durch hรผgeliges Weideland mit blรผhenden Wiesen, entlang von Hecken und รผber breite Wege. Wer im Juli in Dalmatien reitet, sieht die Landschaft in ihrem trockensten Zustand: Das Gras ist bereits hell, die Blรผten stehen zwischen den Steinen, und die Berge liegen im Dunst.

Bildstrecke vom ersten Tag auf der Route.

Tag 2: Berge und Wasser

Am zweiten Tag wird es gebirgig und geht hoch hinaus. Der Tag hat einen deutlich geringeren Galoppanteil, entschรคdigt dafรผr aber mit einer umso schรถneren Aussicht.

Landschaftlich ist es zugleich der Wassertag der Woche: Der Weg fรผhrt am Peruฤ‡a-Stausee entlang bis in die Gegend von Hrvace, รผber eine alte Steinbrรผcke und mehrfach durch flaches Wasser. Fรผr die Pferde ist das bei รผber 30 Grad der Hรถhepunkt des Tages โ€“ sie stehen bis zum Bauch im See und trinken, und man muss sie regelrecht รผberreden weiterzugehen.

Bildstrecke vom zweiten Tag: Stausee, Steinbrรผcke und Flussquerungen.

Der Peruฤ‡a-Stausee

Das Gewรคsser, an dem die Etappen zwei und drei entlangfรผhren, ist der Peruฤ‡a-Stausee (Peruฤ‡ko jezero). Er entstand 1958 durch einen Damm in der Cetina โ€“ 467 Meter lang und 67 Meter hoch. Mit rund 15 Quadratkilometern Flรคche, 20 Kilometern Lรคnge und bis zu 64 Metern Tiefe ist er der drittgrรถรŸte See Kroatiens.

Gestaut wird fรผr die Bewรคsserung der Felder um Sinj, fรผr Strom und fรผr Trinkwasser. Bei Garjak, wo wir die dritte Nacht verbracht haben, mรผndet die Cetina in den See.

Der See hat allerdings auch eine bittere Seite: Beim Aufstauen wurden mehrere Dรถrfer geflutet und den Bewohnern rund um Hrvace und Vrlika das Land meist ohne Entschรคdigung genommen. Bei Niedrigwasser tauchen die Reste wieder auf โ€“ Steinhรคuser, Mรผhlen und das versunkene Kloster Dragoviฤ‡.

Tag 3: durch die Zagora

Der dritte Tag fรผhrt am See weiter nach Norden bis Garjak, wo die Cetina in den Stausee mรผndet, und verlรคuft รผberwiegend in der Ebene. Hier muss auch mal der eine oder andere Fluss durchquert werden, und es bieten sich viele Mรถglichkeiten zum Galoppieren. Landschaftlich รคhneln sich diese Tage โ€“ aber sie sind trotzdem wunderschรถn, und die Karstlandschaft der Zagora wechselt stรคndig zwischen Steinfeldern, Wiesen und lichten Hainen.

Bildstrecke vom dritten Tag.

Tag 4: die groรŸe Wiese

Was den Galopp anging, war das Highlight der Woche mit Sicherheit die groรŸe Wiese am vierten Tag, wo wir die Pferde auch mal laufen lassen konnten โ€“ und es auf sensationelle 59,65 km/h Hรถchstgeschwindigkeit gebracht haben.

Die Etappe fรผhrte an diesem Tag westwรคrts bis in die Gegend von Otavice, schon in der Gespanschaft ล ibenik-Knin. Solche Galoppstrecken sind auf einem Wanderritt die Ausnahme, nicht die Regel: Man braucht eine groรŸe, ebene, einsehbare Flรคche ohne Lรถcher, Steine und Zรคune, und man braucht Pferde, die sich am Ende auch wieder durchparieren lassen. Beides war hier gegeben. Der Rest des Tages fรผhrte รผber das weite Hochplateau, vorbei an Rinderherden und einzelnen Kirchtรผrmen.

Bildstrecke vom vierten Tag: das weite Hochplateau und die groรŸe Wiese.

Tag 5: noch einmal hoch hinaus

Auch am fรผnften Tag wird es noch einmal gebirgig. Er ist der schรถnste der Woche: weniger Galopp, dafรผr lange Anstiege, Blicke รผber mehrere Bergketten hinweg und am Weg die verstreuten Steinhรคuser und kleinen Kirchen, die fรผr die Zagora typisch sind.

Die fรผnfte Etappe schlieรŸt den Kreis und fรผhrt zurรผck zum Stall bei Raduniฤ‡. Am Abend endete damit der Reitteil der Woche โ€“ und die Pferde durften auf die Weide.

Bildstrecke vom fรผnften Tag.

Zum Abschluss: Split

Den letzten Tag haben wir in Split verbracht. Nach einer Woche im Karst ist der Kontrast beachtlich: Aus leeren Steinfeldern werden Gassen voller Menschen, aus Hรผtten wird ein rรถmischer Kaiserpalast.

Bildstrecke aus Split: Peristyl, Sphinx, Glockenturm und die Gassen des Diokletianpalasts.

Der Diokletianpalast in Split

Die Altstadt von Split ist kein Stadtviertel mit einer Ruine darin, sondern eine Stadt in einem rรถmischen Palast. Kaiser Diokletian lieรŸ ihn zwischen etwa 295 und 305 n. Chr. als Alterssitz errichten, nachdem er freiwillig abgedankt hatte โ€“ in bemerkenswert kurzer Bauzeit und nahe seinem Geburtsort.

Die Anlage misst rund 30.000 Quadratmeter, etwa 215 mal 180 Meter, und verband Villa, Festung und Sakralbau: Wehrmauern und Ecktรผrme, aber eine offene, dem Meer zugewandte Sรผdfassade. Seit 1979 gehรถrt sie als Teil der historischen Altstadt von Split zum UNESCO-Welterbe.

Bewohnt ist der Palast bis heute. รœber die Jahrhunderte haben Mittelalter, Venezianer und ร–sterreich-Ungarn ihre Bauten hineingesetzt. Diokletians Mausoleum ist heute die Kathedrale des heiligen Domnius, der Jupitertempel ein Baptisterium โ€“ und der Peristyl, der Innenhof, ist der Platz, auf dem heute die Touristen sitzen.

Pferde, Unterkรผnfte und Verpflegung

Die Pferde waren super gepflegt, und der Veranstalter hat sich immer gut um die Tiere gekรผmmert. Geritten wurde in kroatischen Mixen, gesattelt teils mit Wanderreitsรคtteln, teils englisch.

Die Unterkรผnfte waren immer kleine Hotels oder Gasthรคuser โ€“ teilweise etwas rustikal, aber wir wurden รผberall sehr herzlich empfangen. Das Essen war reichlich und gut; die gemeinsamen Mahlzeiten am langen Tisch gehรถren zu den Bildern, die von so einer Woche hรคngen bleiben.

Fazit

Mir hat der Trail sehr gut gefallen. Die Landschaft ist einfach einmalig, die Rittfรผhrung hat den Trail gut gefรผhrt und uns sicher zur nรคchsten Unterkunft gebracht.

Ein Wermutstropfen: Die Rittfรผhrerin war eine Deutsche, die dort fรผr eine Saison arbeitete. Das hatte den Vorteil, dass man sich gut auf Deutsch unterhalten konnte โ€“ leider konnte sie aber nur sehr wenig รผber Land und Leute erzรคhlen, was ich persรถnlich ein bisschen schade fand. Fรผr mich gehรถrt der Kontakt zu Einheimischen zu einem Trail dazu.

Wer wechselnde Landschaften, trittsichere Pferde und lange Tage im Sattel mag, ist hier richtig. Wer Luxus erwartet oder tรคglich lange Galoppstrecken sucht, eher nicht โ€“ wobei die groรŸe Wiese am vierten Tag fรผr einiges entschรคdigt.

Die Filme vom Trail

Weil sich Landschaft schlecht beschreiben lรคsst, hier zum Schluss die Filme der Woche.

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FAQ zum Wanderritt in Dalmatien

Wie lange dauert der Wanderritt in Dalmatien?

Sechs Reittage: ein Testritt zum Kennenlernen der Pferde und fรผnf Etappen. Die tรคgliche Reitzeit liegt bei fรผnf bis sieben Stunden. Wir waren vom Juli 2016 unterwegs, der letzte Tag gehรถrte der Stadt Split.

Wozu dient der Testritt am ersten Tag?

Er ist die Gelegenheit, das zugeteilte Pferd kennenzulernen โ€“ und es zu tauschen, falls es nicht passt. Der Ritt fรผhrt in etwa drei Stunden zu einer Hรผtte auf halber Hรถhe am Svilaja, wo Mittag gekocht wird, und auf demselben Weg zurรผck.

Wie anspruchsvoll ist der Trail?

Die Tage sind mit fรผnf bis sieben Stunden lang, das Gelรคnde ist Karst โ€“ รผberwiegend steinig, mit Anstiegen an zwei Tagen. Trittsichere Pferde sind Voraussetzung, und man sollte Hitze vertragen: Im Juli gibt es kaum Schatten.

Kann man in Dalmatien galoppieren?

An den flacheren Tagen ja, und reichlich. Das Highlight war die groรŸe Wiese am vierten Tag, auf der wir die Pferde laufen lassen konnten โ€“ aufgezeichnete Hรถchstgeschwindigkeit 59,65 km/h. Die beiden Bergtage haben dagegen deutlich weniger Galoppanteil.

Ist der Wanderritt in Dalmatien ein Rundritt?

Ja. Start und Ziel ist derselbe Stall bei Raduniฤ‡, einem Weiler bei Gornje Ogorje in der Gemeinde Muฤ‡. Von dort fรผhren die fรผnf Etappen in einer Schleife รผber Donji Biteliฤ‡, Hrvace, Garjak und Otavice wieder zurรผck zum Ausgangspunkt.

An welchem See fรผhrt der Trail entlang?

Am Peruฤ‡a-Stausee, dem drittgrรถรŸten See Kroatiens. Er entstand 1958 durch einen Damm in der Cetina, ist rund 20 Kilometer lang, bis zu 64 Meter tief und bedeckt etwa 15 Quadratkilometer. Die Etappen zwei und drei fรผhren an ihm entlang; bei Garjak mรผndet die Cetina in den See.

Wo รผbernachtet man auf dem Trail?

In kleinen Hotels und Gasthรคusern, teilweise etwas rustikal, aber รผberall sehr gastfreundlich. Zelt oder Berghรผtte gibt es auf diesem Trail nicht.

Wie hoch ist die Svilaja?

Der hรถchste Gipfel heiรŸt Bat und misst 1.508 Meter. Der Gebirgszug zieht sich rund 30 Kilometer durch die Zagora, das dalmatinische Hinterland, und fรคllt nach Sรผdosten in einer Steilstufe zur Ebene von Sinj ab.

Lohnt sich ein Tag in Split?

Ja. Die Altstadt von Split ist der Diokletianpalast โ€“ ein rรถmischer Kaiserpalast von rund 30.000 Quadratmetern, erbaut zwischen 295 und 305 n. Chr. und seit 1979 UNESCO-Welterbe. Er ist bis heute bewohnt: Mausoleum und Jupitertempel sind Kathedrale und Baptisterium geworden.

Wie kommt man nach Dalmatien?

Per Flug nach Split; der Veranstalter holt die Gรคste am Flughafen ab. Es ist ein Sammeltransfer, das heiรŸt: Alle Anreisenden werden zusammen abgeholt, und eine Verspรคtung kostet die anderen Zeit.

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