Herde weißgrauer Maremmana-Rinder mit langen Hörnern auf einer Wiese, Blick zwischen den Ohren des eigenen Pferdes

Wanderritt Toskana – Tag 4

Tag 4: Latium, Eremo di Poggio Conte und Rindertreiben mit dem Buttero

Der Wanderritt Toskana geht weiter. Heute mit einem ganz besonderen Erlebnis

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 4 – nach Latium, zur Eremo di Poggio Conte und Rinder treiben
Charakter
Rundtour ohne Gepäck: abends zurück im selben Agriturismo
Grenze
über die Regionsgrenze von der Toskana nach Latium
Unterwegs
Furt durch den Fiora, Weiden mit Rindern, Olivenplantagen
Besichtigt
Eremo di Poggio Conte – eine in die Felswand gebaute Einsiedelei, wohl aus dem 13. Jahrhundert
Mittagsstopp
auf dem Hof, wo die Pferde übernachteten: Burger vom eigenen Maremmaner Rind
Höhepunkt
Rinder treiben gemeinsam mit dem Buttero, dem traditionellen Rinderhirten zu Pferd

Morgens ohne Gepäck – abends wieder im selben Bett

Nach einem sehr guten Frühstück ging es zurück zu den Pferden. Die Koffer konnten im Zimmer bleiben, denn heute würden wir abends wieder in dasselbe Agriturismo zurückkehren. Die Pferde hingegen hatten einen anderen Plan: Sie würden die Nacht auf einem Hof verbringen, der selbst keine Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste bot.

Die Gruppe reitet hintereinander auf einem schattigen Waldweg

Über die Regionsgrenze nach Latium und entlang des Fiora

Wir ritten los, überquerten im Laufe des Vormittags die Grenze von der Toskana in die Region Latium – jenen Teil Mittelitaliens, zu dem auch Rom gehört.

Erneut folgten wir dem Fluss Fiora, den wir schon vom zweiten Tag kannten. An einer Stelle ritten wir durch das flache Wasser und kamen am anderen Ufer auf einer Wiese heraus, auf der Kühe weideten. Die Tiere nahmen kaum Notiz von uns, nur eine einzelne Kuh kam neugierig etwas näher, drehte aber schnell wieder ab.

Ein Reiter auf der Weide, im Hintergrund eine Kuh unter dem Baum

Abstecher zur Eremo di Poggio Conte

Nachdem wir die Wiese verlassen hatten, banden wir die Pferde in einem kleinen Wäldchen an und gingen zu Fuß ein paar Minuten weiter zur Eremo di Poggio Conte.

Diese Einsiedelei liegt spektakulär in eine Felswand eingebettet und stammt wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert.
Der Zugang führt durch Wald, dann steht man plötzlich vor einer in den Fels integrierten Kapelle mit Gewölbedecke und verblassten Malereien. Ein stiller, etwas mystischer Ort – definitiv ein Besuch, der sich gelohnt hat.

Hinweistafel am Zugang mit der Bitte, den seit Jahrtausenden als heilig geltenden Ort zu respektieren

Weiden, Olivenbäume und ein besonderer Mittagsstopp

Zurück bei den Pferden ritten wir weiter über Weiden und durch eine Olivenplantage. Gegen Mittag erreichten wir den Hof, auf dem die Pferde übernachten sollten. Dort wartete nicht nur unser gewohntes Picknick, sondern zusätzlich selbstgemachte Burger vom eigenen Maremmaner Rind. Die Rinder standen unweit des Hofes auf den Weiden – regionaler geht es kaum.

Die Rasse Maremmana stammt aus der Region Maremma und ist für ihre Robustheit und die charakteristischen Hörner bekannt.

Rinder treiben mit dem Buttero

Nach dem Essen wurde es noch einmal richtig spannend: Gemeinsam mit dem Buttero des Hofes – dem traditionellen Rinderhirten zu Pferd – sollten wir die Herde von einer weiter entfernten Weide zurück zum Hof treiben.

Die Butteri gelten als „italienische Cowboys“ der Maremma: berittene Hirten, die Rinder (und teilweise auch Pferde oder Büffel) in offenem Gelände hüten.

Am Anfang mussten wir erst ein Gefühl dafür bekommen, wie die Rinder reagieren, wie dicht man heranreiten darf und wann man ihnen lieber Raum gibt. Mit etwas Anleitung klappte es aber erstaunlich gut, und wir brachten die Tiere sicher Richtung Hof.

Der zweite Teil der Aufgabe war kniffliger: Wir sollten die Muttertiere von den Jungtieren trennen. Kaum hatten wir ein Tier an der richtigen Stelle, nutzten andere die Gelegenheit und huschten wieder durch. Nach etwa einer halben Stunde mussten wir einsehen, dass uns da noch etwas Übung fehlt. Der Buttero erledigte die Aufgabe dann in ein paar Minuten – wenn man das jeden Tag macht, sieht alles sehr einfach aus.

Die Pferde verbrachten die Nacht auf dem Hof. Für uns ging es mit dem Auto zurück ins Agriturismo, wo wir den Tag bei einem guten Abendessen ausklingen ließen.

Sonnenuntergang hinter dem Baumsaum, unten der beleuchtete Pool des Agriturismo

Latium (Region)

Latium (italienisch Lazio) ist eine Region in Mittelitalien mit der Hauptstadt Rom. Sie grenzt u. a. an Toskana, Umbrien und die Abruzzen und reicht von den Apenninen bis an die tyrrhenische Küste.

Die Landschaft ist vielfältig: Berge im Osten, Hügelland und alte Vulkankrater mit Seen, dazu Küstenebenen. Historisch war Latium die Heimat der Etrusker und das Kerngebiet des späteren Römischen Reichs – entsprechend dicht ist die Region mit archäologischen und kulturellen Stätten gespickt.

Eremo di Poggio Conte

Die Eremo di Poggio Conte ist eine kleine Einsiedelei an einer Felswand im Tal des Fiora, an der Grenze zwischen Toskana und Latium. Die Anlage besteht u. a. aus einer quadratischen Kapelle mit Kuppelgewölbe und Freskenresten, die vermutlich ins 13. Jahrhundert datieren.

Umgeben von dichtem Wald und dem Rauschen des Flusses ist die Eremo heute ein beliebtes Wanderziel – und für Reiter wie uns ein besonderes Highlight abseits der klassischen Touristenspots.

Maremmaner Rind (Razza Maremmana)

Das Maremmaner Rind (Maremmana) ist eine alte, robuste Rinderrasse aus der Maremma, einem Gebiet in der südlichen Toskana und im nördlichen Latium. Die Tiere haben eine graue bis silbergraue Färbung und markante, lyraförmige Hörner.

Früher wurden sie sowohl als Arbeitstiere als auch für die Fleischproduktion genutzt. Ihre Geschichte ist eng mit den Butteri verbunden, die die Herden zu Pferd in den weitläufigen Landschaften der Maremma hüteten.

Buttero

Der Buttero ist der traditionelle Hirte zu Pferd in der Maremma und den angrenzenden Regionen. Oft als „italienischer Cowboy“ bezeichnet, treibt er Rinderherden – häufig Maremmaner Rinder – im offenen Gelände.

Die Butteri haben eine eigene Reitweise und Ausrüstung entwickelt, angepasst an das Arbeiten mit Rindern in unwegsamem Gelände. Noch heute kann man sie bei Rindertrieben und Vorführungen erleben – oder mit etwas Glück, so wie wir, bei der täglichen Arbeit auf einem Hof.

Der Mittagsstopp auf dem Hof war der längste der Woche – Pferde versorgt, Sattel ab, Zeit zum Essen. Wann, wo und wie lange Pausen sinnvoll sind, behandelt der Ratgeber Pausen beim Wanderreiten.

Hinweis: Wenn du beim Klick auf „Nächster Etappenbericht“ auf der Startseite landest, ist der nächste Artikel vermutlich noch nicht veröffentlicht.

Wer mag, kann uns noch ein bisschen beim Rindertreiben zusehen

Häufige Fragen zu Tag 4

Was ist ein Buttero?

Der traditionelle Rinderhirte zu Pferd in Mittelitalien. Gemeinsam mit dem Buttero des Hofes durften wir die Herde von einer weiter entfernten Weide zurück zum Hof treiben – für Gäste eines Wanderritts eine seltene Gelegenheit.

Was ist die Eremo di Poggio Conte?

Eine Einsiedelei, die spektakulär in eine Felswand eingebettet ist und wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammt. Der Zugang führt durch Wald, dann steht man vor einer in den Fels integrierten Kapelle mit Gewölbedecke und verblassten Malereien. Die Pferde bleiben dafür im Wäldchen angebunden, das letzte Stück geht man zu Fuß.

Was ist ein Maremmana-Rind?

Eine Rinderrasse aus der Region Maremma, bekannt für ihre Robustheit und die charakteristischen Hörner. Auf dem Hof gab es zum Picknick selbstgemachte Burger vom eigenen Maremmaner Rind – die Tiere standen unweit auf der Weide.

Übernachten Pferde und Reiter immer am selben Ort?

Nicht zwingend. An diesem Tag blieben die Koffer im Agriturismo, weil wir abends dorthin zurückkehrten – die Pferde dagegen verbrachten die Nacht auf einem Hof, der selbst keine Gästezimmer hat.

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