Wanderritt in Marokko – Tag 2

Tag 2 · Erster Reittag: Laazib nach Massa

Wir sind zum Wanderritt in Marokko. Heute steht der erste Reittag an. In gut 5 Stunden und 32 km geht es von Laazib nach Massa

Frühstück mit gepackten Koffern

Um 08:00 Uhr treffen wir uns zum Frühstück im Hotel – diesmal mit gepackten Koffern und diesem leichten „Jetzt wird’s ernst“-Gefühl. Nach dem Frühstück holen wir unser Gepäck, sammeln uns an der Rezeption, und kurz darauf rollen auch schon die beiden Autos vor, die uns zum Ausgangspunkt des Rittes bringen.

Agadir bleibt hinter uns zurück. Der Komfort von Hotel und Promenade weicht langsam dem, wofür wir eigentlich hergekommen sind: Landschaft, Weite, Pferde.

Fahrt nach Süden: Eukalyptus, dann Sand und Steppe

Wir fahren Richtung Süden. Zunächst geht es noch an Eukalyptuswäldern vorbei – ein Bild, das hier zwar vertraut wirkt, aber eigentlich nicht „hierher“ gehört (dazu später mehr). Und dann verändert sich die Szenerie spürbar: Es wird sandiger, trockener, offener. Die Landschaft mutet immer mehr nach Steppe an, und es fühlt sich an, als würden wir mit jedem Kilometer ein Stück weiter aus dem Alltag herausfahren.

Schließlich halten wir in der Nähe einiger Gewächshäuser. Und dort stehen sie schon: unsere Pferde.

Ankommen am Startpunkt: Minztee, Araber – und ein Konzept, das wir so noch nie hatten

Bevor überhaupt an Aufsteigen zu denken ist, werden wir erst einmal mit Minztee begrüßt. Den kennen wir ja schon von gestern – und trotzdem fühlt es sich heute anders an: weniger „Stadttag“, mehr „Beginn einer Reise“.

Unsere Rittführerin erklärt uns den Ablauf der Tour. Die Pferde sind Araber, viele gehen auch Distanzritte – und die Organisation ist hier deutlich anders als bei vielen Touren, die wir in den letzten Jahren erlebt haben:
Es läuft ein Pferd mehr als Reiter frei mit, und die Pferde werden jeden Tag gewechselt.

Wir sind schon in vielen Ländern geritten. Packpferde kannten wir, aber die liefen meist als Handpferd – nicht komplett frei. Entsprechend waren wir skeptisch. Aber gleichzeitig: Wir vertrauen darauf, dass ein Team, das das regelmäßig macht, weiß, was es tut. Dass diese Skepsis nicht völlig aus der Luft gegriffen war, sollte sich am letzten Tag noch zeigen. Heute aber war erst einmal Tag 1 im Sattel.

Losreiten: erster Trab, erster Galopp – und Sand, der sich nach Wüste anfühlt

Nachdem der Tee ausgetrunken ist, werden Getränke für unterwegs verstaut, Steigbügel angepasst, letzter Check – und dann geht es los.

Zunächst im Schritt, dann zwischen den Gewächshäusern der erste Trab, kurz darauf auch der erste Galopp. Der Boden wird schnell sandiger, und wenige Minuten später wirkt es schon richtig wüstenhaft. Alles ist hell, trocken, weit. Der Rhythmus findet sich von allein – als hätten die Pferde und die Landschaft darauf gewartet, dass wir endlich anfangen. Übrigens kannten wir alle Mitreiter außer 2 schon vorher. Dazu aber an anderer Stelle noch Mal mehr.

Atlantik in Sicht: oben auf der Steilküste

Relativ schnell führt uns der Weg ans Meer. „Ans Meer“ heißt hier allerdings: an die Steilküste. Wir reiten oben, Strand und Wasser liegen deutlich tiefer. Einen Weg nach unten gibt es heute für uns nicht – das Meer bleibt ein Panorama, kein Zwischenstopp.

Nach einigen Trab- und Galoppstrecken sehen wir aus der Ferne schon unseren LKW stehen. Das fühlt sich auf seltsame Art beruhigend an: Dieses Team ist da, diese Route ist eingespielt, das ist kein improvisiertes Abenteuer – sondern eine Reise mit Struktur.

Mittagsrast: Fladenbrot, Salz, Öl – und eine Geburtstagsüberraschung

Die Pferde werden uns abgenommen, sicher angebunden, abgesattelt. Dann gibt es den Mittagsimbiss: Fladenbrot, Salz und Öl, Salat – und dazu eine frisch gekochte Spezialität. (Das Mittagsmuster, so viel sei vorweggenommen, wird uns die Woche über begleiten.)

Nach etwa einer Stunde Rast kommt das Team wieder – Rittführerin, Fahrer, Koch, Pferdepfleger. Wir denken schon: weiter geht’s. Stattdessen bringen sie einen Kuchen. Ein Mitreiter hat Geburtstag, und das Team hat daran gedacht.

Was uns ehrlich überrascht hat: Sie wussten es natürlich – wir hatten bei der Anmeldung unsere Daten angegeben. Trotzdem: Dass daraus ein selbst gebackener Kuchen wird, ist alles andere als selbstverständlich.

Es wird auf Arabisch gesungen, dann auch auf Englisch „Happy Birthday“, und der Kuchen verschwindet schneller, als wir gucken können. Ein großes Danke an das Team: Das war nicht nur nett, das war herzlich.

Nachmittag: von der Küste ins Landesinnere – und plötzlich wird alles grün

Wir folgen zunächst noch ein Stück der Steilküste, bevor wir ins Landesinnere abbiegen. Und dann kommt ein dieser Landschaftswechsel, die man sich vorher kaum vorstellen kann:

Wir treffen auf den Oued Massa und folgen seinem Verlauf. Wo eben noch Sand und Steine dominiert haben, steht plötzlich ein Meer aus grünen Büschen. Der Flusslauf wirkt wie ein grünes Band in einer sonst trockenen Umgebung. Wir schlängeln uns im Schritt durch die Vegetation – und mit jedem Meter fühlt sich die Luft ein bisschen „lebendiger“ an.

Ankommen in Massa: Straße, Häuser, Guesthouse

Bald tauchen die ersten Häuser von Massa auf, unserem heutigen Ziel. Das Grün wird wieder weniger dicht, aus dem staubigen Weg wird Asphalt, und wir reiten durch den Ort.

Wir erreichen unser Quartier für den Abend: ein kleines Guesthouse, in dem wir unterkommen – und wo auch die Pferde bleiben können. Nach dem Absatteln und Versorgen helfen wir noch mit, dann bleibt kurz Zeit zum Umziehen und Frischmachen.

Zum Abendessen gibt es ein sehr leckeres landestypisches Gericht – der Name ist mir leider entfallen, aber der Geschmack bleibt. Danach wird noch ein bisschen Geburtstag gefeiert. Und irgendwann kommt dieser Moment, in dem man merkt: Der Körper ist müde, aber der Kopf ist glücklich.

Der erste Reittag liegt hinter uns.

Etappendaten

  • Strecke: 32,3 km
  • Reitzeit: 5:22 Stunden
  • Mittagspause: ca. 2 Stunden

Araberpferd

Herkunft & Bedeutung: Das Araberpferd (Arabian horse) hat seine historischen Wurzeln auf der Arabischen Halbinsel und gilt als eine der ältesten und prägendsten Reitpferderassen weltweit.
Typische Merkmale: Feiner Kopf (oft leicht konkaves Profil), hoch getragener Schweif, trockene Gliedmaßen, insgesamt „edler“ Ausdruck.
Warum sie hier so gut passen: Araber sind berühmt für Ausdauer, Härte und Leistungsbereitschaft, weshalb sie im Distanzsport überdurchschnittlich häufig vertreten sind.
Im Ritt-Alltag: Gerade auf längeren Etappen mit wechselndem Untergrund (Sand, Steine, harte Passagen) spielt diese Ausdauer ihre Stärke aus – vorausgesetzt, Tempo und Pausenmanagement stimmen.

Steppe

Was bedeutet „Steppe“ eigentlich? Steppe ist eine baumlose Gras- und Strauchlandschaft (offene Ebenen), meist in semiaridem Klima: zu trocken für Wald, aber nicht trocken genug für echte Wüste.
Niederschlag als Schlüssel: Typisch sind grob 25–50 cm Regen pro Jahr – genug für kurze Gräser/Sträucher, zu wenig für dichten Bewuchs.
Warum es sich „wüstenhaft“ anfühlt: Weil Sand, Wind und Weite dominieren – und Vegetation oft nur punktuell dort stärker wird, wo Wasser verfügbar ist (z. B. entlang eines Oued).
Regionaler Bezug: Im Souss-Massa-Nationalpark wird das Habitat u. a. als grazed steppe (beweidete Steppe) beschrieben – zusammen mit Dünen, Stränden und Feuchtgebieten.

Stadt Massa

Wo liegt Massa? Massa ist eine Stadt im Chtouka Aït Baha Province in der Region Souss-Massa.
Einwohner: Laut marokkanischem Zensus 2024 liegt die Bevölkerung bei rund 17.854.
Warum sie auf der Route auftaucht: Massa liegt in der Nähe des Unterlaufs bzw. der Mündung des Oued/Massa-Flusssystems – also genau dort, wo in dieser Region „Wasser = Grün“ bedeutet und Siedlungen naheliegen.

Region Souss-Massa

Einordnung: Souss-Massa ist eine der zwölf Verwaltungsregionen Marokkos, geschaffen in der heutigen Form seit 2015.
Hauptstadt: Agadir ist der regionale Sitz.
Zahlen (Stand 2024): Fläche ca. 51.642 km², Bevölkerung ca. 3,02 Mio.
Landschaftlicher Rahmen: Atlantikküste plus weite, teils semiaride Räume – und dazwischen Flusstäler/Oueds, die wie grüne Korridore wirken.

Oued Massa (Massa River)

Was ist ein „Oued“? Im Maghreb bezeichnet „Oued/Wadi“ meist ein Flussbett, das je nach Region und Jahreszeit stark schwanken kann – von dauerhaft wasserführenden Abschnitten bis zu saisonalen Läufen.
Verlauf: Der Massa River (Oued Massa) liegt im Süden Marokkos, entspringt im Anti-Atlas und fließt nordwestlich Richtung Atlantik; die Mündung liegt im Bereich des Souss-Massa-Nationalparks.
Länge: 120 km
Technik & Wasser: Am Fluss liegt der Yusuf Ibn Tashfin Dam, gebaut 1972 (wichtiger Staudamm im System).
Natur & Bedeutung: Der Souss-Massa-Nationalpark (gegründet 1991, ca. 33.800 ha) schützt u. a. die Oued-Massa-Zone mit Steppe, Dünen, Feuchtgebieten und Küstenkliffen. Besonders bekannt ist die Region, weil sie zentrale Brut- und Nahrungsräume für den Waldrapp/Northern Bald Ibis umfasst.

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