Tag 1: Aufbruch ins Land der offenen Fernen – Von der Elbe in die Rhön
Herzlich willkommen zum 3 Länderritt Rhön! In dieser Beitragsserie nehme ich euch mit auf ein ganz besonderes Abenteuer zu Pferd.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 1 – Anreise aus Hamburg und Einführungsritt
- Der Ritt
- 3-Länderritt durch die Grenzregionen von Hessen, Bayern und Thüringen
- Anlass
- Ersatz für den geplanten Auslandsritt – wegen der Corona-Lage fiel die Wahl auf Deutschland
- Anreise
- früh am Sonntag ab Hamburg; das Sonntagsfahrverbot hielt die Autobahn frei
- Vor Ort
- Kennenlernen der Gruppe, Pferdeeinteilung, kurzer Einführungsritt
- Die Rhön
- Vulkanland mit weiten Hochflächen – das „Land der offenen Fernen“
Vorbemerkungen zum Abenteuer
Vorbemerkung 1: In dieser Beitragsserie nehme ich euch mit auf den „3 Länderritt“, der uns durch die malerischen Grenzregionen von Hessen, Bayern und Thüringen führt. Für alle, die nach Informationen zum internationalen 3 Länderritt durch die Schweiz, Österreich und Italien suchen, habe ich hier einen separaten Bericht erstellt: 3 Länderritt Schweiz-Österreich-Italien.
Vorbemerkung 2: Eigentlich ist der Sommer für uns die Zeit der großen Auslandsritte. Doch dieses Jahr war alles anders. Die Corona-Pandemie war im Frühjahr noch so präsent, dass eine Buchung im Ausland mit zu vielen Unsicherheiten behaftet war. Niemand wusste, welche Quarantäne-Regeln oder Grenzschließungen im Sommer gelten würden. Da ein Wanderritt Monate im Voraus geplant werden muss, entschieden wir uns für die sichere Variante: Deutschland. Auch wenn die Grenzen später offen waren, erwies sich die Rhön als eine absolut lohnenswerte Alternative.
Die Reise in den Süden: Von Hamburg in die Berge
Früh morgens, als Hamburg noch im Schlummer lag, machten wir uns auf den Weg. Unser Ziel: Die Rhön. Der Sonntag erwies sich als wahrer Segen für die Autobahnfahrt. Da das Sonntagsfahrverbot die schweren LKWs von den Straßen verbannte, kamen wir zügig voran. Ein kurzer Boxenstopp am Rasthof Göttingen reichte aus, um die müden Glieder zu strecken und einen schnellen Kaffee zu genießen, bevor wir pünktlich um 12:00 Uhr am Treffpunkt in der Rhön eintrafen.
Erstes Kennenlernen und die launische Natur
Dort trafen wir auf unsere Mitreiter für die kommenden Tage. Doch wer auf einen strahlenden Frühsommer gehofft hatte, wurde enttäuscht. Obwohl es Mitte Juni war, zeigte sich das Wetter von seiner ungemütlichen Seite: kühl, windig und regnerisch. Der „warme Sommer“ schien in diesem Jahr eine Pause einzulegen. Doch echte Reiter kennen kein schlechtes Wetter – nur falsche Kleidung.
Pferdeeinteilung und Einführungsritt
Nach der Begrüßung werden uns die Pferde zugeteilt. Das ist immer ein spannender Moment: Man sieht ein neues Pferd, versucht gleichzeitig offen zu bleiben und doch schnell ein Gefühl zu entwickeln – wie reagiert es beim Putzen, wie ist die Grundruhe, wie fühlt sich der erste Schritt unter dem Sattel an?
Dann geht es auch schon los auf den Einführungsritt: etwa zwei Stunden durch die umliegenden Wälder. Wir sind gut eingepackt, Regenmäntel über allem, Kapuzen gegen den Wind. Obwohl wir Mitte Juni hatten, fühlte sich das Wetter eher nach Herbst an – kalt und regnerisch. Doch davon ließen wir uns die Laune nicht verderben. Der Wald wirkt bei Regen oft noch intensiver – dunkler, stiller, mit diesem typischen Geruch nach nassem Laub und feuchter Erde. Die Pferde laufen zuverlässig, und mit jedem Kilometer wird klarer, ob die Einteilung passt: Sitzgefühl, Schrittlänge, Reaktion auf die Gruppe, Gelassenheit bei Geräuschen.
Am Ende sind wir uns einig: Das passt. Kein „perfekt auf den ersten Blick“, aber stimmig genug, um am nächsten Tag auf Strecke zu gehen. Genau darum geht es beim Proberitt: lieber einmal ehrlich prüfen als später unterwegs Probleme „mitreiten“.
Ankommen, versorgen, gemeinsam essen
Zurück am Hof werden die Pferde versorgt. Danach gibt es Abendessen – und diesen Moment, in dem die Gruppe vom „Nebeneinander reiten“ langsam ins „Miteinander reisen“ kippt. Die ersten Gespräche werden länger, man lacht über die nassen Klamotten, tauscht Erwartungen aus und plant gedanklich schon den Start am nächsten Morgen.
Die Rhön: Vulkanland, Hochflächen und „Land der offenen Fernen“
Die Rhön ist ein Mittelgebirge im Grenzgebiet von Hessen, Bayern und Thüringen und gilt als eines der charakteristischsten „Vulkanlandschaften“ Deutschlands. Große Teile gehören zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, was man unterwegs an vielen Stellen merkt: weite Schutzflächen, sensible Lebensräume, klare Regeln – und gleichzeitig eine Landschaft, die durch jahrhundertelange Nutzung als Weide- und Hutungsgebiet geprägt ist.
1) Wie ist die Rhön entstanden? (Geologie in verständlich)
- Der „typische Rhön-Look“ – runde Kuppen, Basaltfelsen, Blockfelder – hängt stark mit ihrem vulkanischen Ursprung zusammen. Basalt ist im Kern „erstarrte Lava“ und deutlich widerstandsfähiger als viele andere Gesteine.
- Durch Verwitterung und Erosion bleiben Basaltkuppen oft als markante Formen stehen. Dazu kommen Basaltblockfelder („Blockmeere“), die entstehen können, wenn Basaltsäulen verwittern, zerbrechen und hangabwärts rutschen.
2) Warum fühlt sich die Rhön „offen“ an? (Landschaftsbild)
- Viele Bereiche – besonders die Hochflächen – sind waldarm und wirken weit und frei. Daher auch der oft zitierte Eindruck vom „Land der offenen Fernen“.
- Diese Offenheit ist nicht nur „Naturzustand“, sondern Ergebnis historischer Nutzung: Beweidung, Mahd und Landwirtschaft haben über Jahrhunderte eine Kulturlandschaft geschaffen, die heute ökologisch sehr wertvoll ist.
3) Was bedeutet Biosphärenreservat für Reiter? (Praxisrelevanz)
- In Schutzgebieten kann es Einschränkungen geben: Wegegebote, saisonale Sperrungen, Kernzonen mit besonders strengen Regeln.
- Für Wanderreiter heißt das: Route sauber planen, vor Ort Hinweise respektieren, im Zweifel lieber führen statt „diskutieren“ – und immer so reiten, dass Wege nicht beschädigt werden (insbesondere bei Nässe).
4) Wetterfaktor Rhön (warum es sich „kälter“ anfühlen kann)
- Die Rhön liegt hoch genug, dass Wetterlagen schnell umschlagen können. Wind, Nebel und Regen sind auch im Sommer keine Seltenheit.
- Für mehrtägige Ritte ist daher ein konsequentes „Nässe-Management“ entscheidend: trockene Wechselkleidung, Handschuhe, Regenzeug, und für die Pferde passende Decken/Regenschutz im Stallmanagement.
FAQ zum 3-Länderritt – Tag 1
Warum ging der Ritt in die Rhön und nicht ins Ausland?
Ein Wanderritt wird Monate im Voraus geplant. Im Frühjahr war die Corona-Lage noch so unklar, dass niemand wusste, welche Quarantäneregeln oder Grenzschließungen im Sommer gelten würden. Deshalb fiel die Wahl auf die sichere Variante – und die Rhön erwies sich als lohnende Alternative.
Welche drei Länder verbindet dieser 3-Länderritt?
Hessen, Bayern und Thüringen. Der Ritt führt durch deren Grenzregionen in der Rhön. Nicht zu verwechseln mit dem internationalen Dreiländerritt durch die Schweiz, Österreich und Italien – dazu gibt es einen eigenen Bericht.
Warum heißt die Rhön „Land der offenen Fernen“?
Weil die weiten, weitgehend baumfreien Hochflächen einen ungewöhnlich freien Blick erlauben. Die Rhön ist ein Vulkanland: Basaltkuppen und Hochplateaus prägen die Landschaft, und jahrhundertelange Beweidung hat die Flächen offen gehalten.
Wie läuft der erste Tag eines Wanderritts ab?
Meist ohne große Strecke: ankommen, die Gruppe kennenlernen, die Pferde nach Reiterfahrung einteilen und einen kurzen Einführungsritt machen. Danach werden die Pferde versorgt, und der Abend gehört dem gemeinsamen Essen.

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