Wo darf ich im Wald reiten – und wo nicht?
Bayern ist für viele von uns das “Draußen-Bundesland” schlechthin: große Wälder, Almwege, Mittelgebirge und Alpenrand. Gerade deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Rechtslage – denn in Bayern ist das Reiten in der freien Natur grundsätzlich möglich, aber im Wald klar an Wege gebunden und in Schutzgebieten (bis hin zum Nationalpark) teils deutlich strenger geregelt. Hier lohnt ein Blick ins Waldbetretungsrecht in Bayern.
Eine grobe Übersicht über alle Bundesländer findest du in diesem Artikel.
Hinweis: Dieser Artikel stellt den Stand im Januar 2026 dar. Regeln und Gesetze können sich ändern. Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar.
1) Der wichtigste Grundsatz in Bayern (Kurzfazit)
Im Wald darfst du in Bayern nur auf Straßen und geeigneten Wegen reiten – nicht querfeldein, nicht auf “irgendwelchen Schneisen” und auch nicht automatisch auf jeder Spur, die irgendwie wie ein Weg aussieht. Diese Kernaussage steht sowohl im Bayerischen Naturschutzgesetz als auch im Bayerischen Waldgesetz.
2) Die rechtlichen Grundlagen in Bayern
Für Reiter sind zwei Rechtsquellen besonders relevant:
- BayNatSchG (Bayerisches Naturschutzgesetz) – regelt die Erholung in der freien Natur, das Betretungsrecht, die Nutzung von Wegen und die Möglichkeit behördlicher Einschränkungen.
- BayWaldG (Waldgesetz für Bayern) – konkretisiert das Betreten des Waldes; u. a. mit dem Grundsatz “auf eigene Gefahr” und der Wegebindung für Reiten im Wald.
3) Wo darf ich in Bayern reiten?
A) Auf Privatwegen in der freien Natur – wenn der Weg geeignet ist
Bayern erlaubt ausdrücklich: Auf Privatwegen in der freien Natur darf geritten werden, soweit sich die Wege dafür eignen. Gleichzeitig gilt: Fußgänger haben Vorrang – das ist nicht nur Höflichkeit, sondern gesetzlicher Leitgedanke.
B) Im Wald – nur auf Straßen und geeigneten Wegen
Im Wald gilt die klare Schranke: Reiten nur auf Straßen und geeigneten Wegen (das Gleiche gilt dort übrigens auch fürs Radfahren).
C) Auf öffentlichen Straßen/Wegen – sofern nicht verboten
Auf nach StVO beschilderten öffentlichen Straßen und Wegen gilt Reiten grundsätzlich im Rahmen der Verkehrsregeln – allerdings können Verbote für Reiter oder Sonderwege (z. B. reine Geh- oder Radwege) das einschränken.
4) Wo darf ich nicht reiten?
Hier sind die typischen “No-Gos”, die in Bayern immer wieder relevant werden:
A) Im Wald abseits von Wegen
Außerhalb von Straßen und Wegen im Wald zu reiten ist nicht zulässig (ohne Zustimmung des Berechtigten) – und kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.
B) Auf ungeeigneten Privatwegen (auch wenn sie nicht beschildert sind)
Nicht jeder Privatweg ist automatisch “geeignet”. Bayern stellt auf Zustand und Verkehrssicherheit ab – insbesondere, weil Fußgänger Vorrang haben müssen.
C) Auf gesperrten Wegen/Flächen – wenn die Sperre rechtlich wirksam ist
Das Betretungsrecht kann nicht ausgeübt werden, wenn deutlich sichtbare Sperren das Betreten untersagen – wobei Beschilderung nur dann wirksam ist, wenn sie auf einen gesetzlichen Grund verweist, der die Einschränkung rechtfertigt.
D) Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen während der Nutzzeit (ohne Zustimmung)
Für landwirtschaftliche Flächen gilt: Während der Nutzzeit nur auf vorhandenen Wegen – “Nutzzeit” ist die Zeit zwischen Saat/Bestellung und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses. Das betrifft Reiter praktisch ständig in der Vegetationsperiode.
E) In Schutzgebieten, wenn Verordnungen/Anordnungen das Reiten begrenzen
In Schutzgebieten (z. B. Naturschutzgebieten) oder Bereichen mit behördlichen Beschränkungen kann Reiten zusätzlich untersagt oder auf bestimmte Wege/Zeiten beschränkt sein.
5) Was bedeutet “geeigneter Weg” in Bayern?
Bayern liefert eine sehr praxisnahe Auslegung: Ob ein Weg “geeignet” ist, hängt u. a. ab von
- baulichem Zustand / Beschaffenheit (wie trittfest ist es über typische Jahreszeiten hinweg?)
- ausreichender Breite und Übersicht, damit Begegnungen mit Wanderern sicher sind (Fußgänger-Vorrang!)
- Nutzungsintensität (wie viele Spaziergänger/Radler/Reiter?), Steigung, Kurven, Belag etc.
Besonders wichtig: Als ungeeignet gelten “vor allem” nicht befestigte Rückegassen, Steige und Lehrpfade. Das ist für die Praxis Gold wert, weil genau diese Wegtypen am häufigsten verwechselt werden.
Merksatz für unterwegs:
Wenn ein Weg so schmal oder so “arbeitsspurenlastig” ist, dass Begegnungen schwierig werden (oder der Boden sofort leidet), ist er sehr wahrscheinlich nicht der “geeignete Weg”, den das Gesetz meint.
6) Pflichten beim Reiten: Natur-, Eigentümer- und Gemeinverträglichkeit
Bayern formuliert Pflichten ausdrücklich: Wer reitet, muss
- mit Natur und Landschaft pfleglich umgehen (Naturverträglichkeit),
- Rücksicht auf Eigentümer/Nutzungsberechtigte nehmen (Eigentümerverträglichkeit),
- Naturgenuss und Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigen (Gemeinverträglichkeit).
Praktisch heißt das: Tempo reduzieren bei Begegnungen, nicht durch Pfützen/Weichstellen “pflügen”, bei Nässe kritische Wege meiden, sensibel bei Wildruhezeiten, und bei Konfliktlagen lieber frühzeitig ausweichen.
7) Behördliche Einschränkungen und Reitkennzeichen in Bayern
A) Behörden können Reiten lokal beschränken
Die Naturschutzbehörde kann die Erholung (und damit auch das Reiten) aus Naturschutz- oder Gemeinwohlgründen beschränken – z. B. Reiten nur auf ausgewiesenen Wegen, nur zu bestimmten Zeiten oder mit Genehmigung.
B) Reitkennzeichen (Kennzeichnung) ist in Bayern möglich – aber nicht überall automatisch Pflicht
Bayern sieht ausdrücklich vor, dass Behörden per Rechtsverordnung eine Kennzeichnung von Reitpferden vorschreiben können (um z. B. Beschwerden/Schäden besser zuordnen zu können). Ob das in deinem Landkreis gilt, ist daher eine lokale Frage.
8) Sonderfall Nationalpark Bayerischer Wald
Im Nationalpark Bayerischer Wald gelten neben dem allgemeinen Recht zusätzliche Schutzregeln. Zentral ist: Reiten ist dort nur auf dem öffentlichen Verkehr gewidmeten oder ausdrücklich zugelassenen Straßen und Wegen zulässig; außerhalb davon ist es verboten.
Zusätzlich existiert eine Verordnung zur Einschränkung des Betretungsrechts: Bestimmte Kernbereiche dürfen nicht betreten/befahren werden; Ausnahmen gelten nur für definierte, markierte Routen bzw. dem öffentlichen Verkehr gewidmete Wege – der Nationalpark lenkt den Verkehr damit sehr gezielt.
Praxis-Tipp: Im Nationalpark nicht “nach Gefühl” improvisieren. Plane so, dass du auf eindeutig zugelassenen, offiziellen Wegen bleibst und rechne mit saisonalen/raumbezogenen Sperren.
9) Sonderfall Nationalpark Berchtesgaden
Auch im Nationalpark Berchtesgaden ist der Ansatz klar: Außerhalb der zugelassenen Wege zu reiten ist ausdrücklich verboten.
Für Reiter bedeutet das in der Praxis: Nationalparkgebiete sind kein Raum für “Abkürzungen”, Querungen oder “kleine Trails”. Wer dort reitet, braucht eine saubere Weg- und Gebietssicherheit.
10) Checkliste: So reitest du in Bayern rechtssicher und konfliktarm
- Wald? Dann nur auf Straßen/geeigneten Wegen – keine Rückegassen/Steige/Lehrpfade.
- Privatweg? Nur nutzen, wenn er “geeignet” ist; Fußgänger-Vorrang praktisch mitdenken.
- Sperren/Schilder ernst nehmen, besonders in Schutzgebieten und Nationalparks.
- Nutzzeit-Regel für Landwirtschaft: Felder/Grünland in der Saison nicht betreten, wenn es nicht ein vorhandener Weg ist (ohne Zustimmung).
- Lokale Besonderheiten prüfen: Schutzgebietsverordnungen, Reitkennzeichen-Regeln, zeitliche Beschränkungen.
FAQ (kurz)
Darf ich in Bayern auf Rückegassen reiten, wenn sie “wie ein Weg” aussehen?
In der bayerischen Verwaltungspraxis gelten nicht befestigte Rückegassen ausdrücklich als typisches Beispiel für ungeeignete Wege.
Darf ich querfeldein durch den Wald reiten?
Nein – im Wald ist Reiten an Straßen und geeignete Wege gebunden.
Kann mir jemand das Reiten komplett verbieten?
Pauschal “nach Laune” nicht – aber wirksame Sperren und rechtliche Gründe (z. B. Schutzgebiete, behördliche Anordnung) können das Reiten örtlich/zeitlich begrenzen.

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