Waldbetretungsrecht in Rheinland-Pfalz

Wo darf ich reiten – und wo nicht?

Rheinland-Pfalz ist für viele Wanderreiter ein echtes „Draußen-Bundesland“: viel Wald, viele Wirtschaftswege, und mit Pfälzerwald, Hunsrück, Eifel und Westerwald sehr unterschiedliche Landschaftsräume. Damit Touren nicht an Verbotsschildern, Konflikten oder Bußgeldern scheitern, lohnt sich ein Blick auf die Spielregeln: Was ist im Wald erlaubt, was nicht – und was gilt in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald? Das Regelt das Waldbetretungsrecht in Rheinland-Pfalz.

Eine grobe Übersicht über alle Bundesländer findest du in diesem Artikel.

Hinweis: Dieser Artikel stellt den Stand im Januar 2026 dar. Regeln und Gesetze können sich ändern. Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar.

1) Die wichtigsten Rechtsgrundlagen in Rheinland-Pfalz

Für Reiter sind in Rheinland-Pfalz vor allem zwei Normen relevant:

  1. Landeswaldgesetz (LWaldG), § 22 – regelt das Betreten des Waldes und ausdrücklich auch Reiten und Radfahren.
  2. Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG), § 26 – regelt das Betreten der „freien Landschaft“ (Feldflur, Wege außerhalb des Waldes) und erweitert es ausdrücklich auf Reiten/Kutschfahren, sofern Wege geeignet sind.

2) Schlüsselbegriff: Was ist in Rheinland-Pfalz überhaupt ein „Waldweg“?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen – und genau deshalb ist die Definition im LWaldG so wichtig.

In Rheinland-Pfalz sind „Waldwege“ (im Sinne des Gesetzes) dauerhaft angelegte bzw. naturfeste forstliche Wirtschaftswege, die nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind. Keine Waldwege sind dagegen u. a. Maschinenwege, Rückeschneisen, Gliederungslinien der Betriebsplanung sowie Fußwege und -pfade.

Praktisch heißt das:

  • Ein breiter, tragfähiger Forst-/Wirtschaftsweg = meist „Waldweg“.
  • Ein schmaler Pfad/Singletrail, Rückegasse oder „Spur durchs Unterholz“ = kein Waldweg.

3) Wo darf ich in Rheinland-Pfalz im Wald reiten?

Grundregel (Wald)

Im Wald gilt eindeutig:

Reiten ist nur auf Straßen und Waldwegen erlaubt.

Zusätzlich wichtig:

  • Waldbesitzende können darüber hinausgehende Reitmöglichkeiten gestatten, wenn dadurch Waldfunktionen und andere Rechtsgüter nicht beeinträchtigt werden.
  • Die untere Forstbehörde kann auf Antrag der Waldbesitzenden Straßen und Waldwege sperren, wenn besondere Schäden drohen oder eingetreten sind (z. B. bei Nässe/Wegezerstörung).

Wichtiges Detail: „Besondere Zweckbestimmung“

Selbst wenn es eine Straße oder ein Waldweg ist, gilt:

Nicht erlaubt ist Reiten auf Straßen/Waldwegen mit besonderer Zweckbestimmung, wenn dies entsprechend ausgeschildert ist.
Und: Die bloße Markierung als Wanderweg oder Fahrradweg ist keine besondere Zweckbestimmung im Sinne dieser Regel.


4) Wo darf ich im Wald nicht reiten?

Aus den Definitionen und der Grundregel ergeben sich die wichtigsten No-Gos:

  1. Auf Fußwegen und -pfaden (Singletrails, schmale Pfade) – diese sind ausdrücklich keine Waldwege.
  2. Auf Maschinenwegen, Rückeschneisen, Rückegassen – ebenfalls keine Waldwege.
  3. Querfeldein durch den Wald (abseits von Straßen/Waldwegen) – die Grundregel lässt das nicht zu.
  4. Auf Wegen mit besonderer Zweckbestimmung, wenn entsprechend beschildert.

5) Zustimmungspflichten: Diese Situationen sind ohne Erlaubnis tabu

Auch wenn du dich „richtig“ auf Straßen/Waldwegen bewegst: Für bestimmte Handlungen brauchst du Zustimmung der Waldbesitzenden. Das ist im Gesetz ausdrücklich aufgeführt – für Reiter besonders relevant:

  • Betreten von Waldflächen und Waldwegen während Holzeinschlag/ Aufarbeitung (also während laufender Forstarbeiten).
  • Durchführung organisierter Veranstaltungen im Wald (z. B. Distanzritt, geführter Gruppenritt mit Eventcharakter).

Außerdem bleiben Straßenverkehrsrecht und andere öffentlich-rechtliche Einschränkungen unberührt.

Praxis-Tipp: Forstarbeiten erkennt man nicht nur an Absperrbändern. Oft stehen Maschinen „nur kurz“ am Wegrand, und trotzdem ist die Situation gefährlich. Im Zweifel umdrehen und umplanen.


6) Außerhalb des Waldes: Reiten in der „freien Landschaft“ (Feldwege, Flur, Ortsrand)

Hier greift § 26 LNatSchG Rheinland-Pfalz:

Soweit sich Wege dafür eignen, dürfen sie – vorbehaltlich abweichender öffentlich-rechtlicher Regelungen – auch zum Reiten und Kutschfahren benutzt werden.

Wichtig sind zwei Einschränkungen:

  • „Geeignet“ heißt: Wegbeschaffenheit, Konfliktpotenzial und Schutzinteressen zählen. Ein schmaler Trampelpfad am Ackerrand ist nicht automatisch geeignet.
  • Kommunen können per Satzung die Entmischung von Reit-, Fahr- und Fußverkehr regeln, wenn ein öffentliches Interesse oder schutzwürdige Eigentümerinteressen bestehen.

7) Sonderfall Schutzgebiete: Es kann strenger sein als die Grundregel

Rheinland-Pfalz hat viele Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie Naturparks. Für Reiter gilt hier als Merksatz:

Die Schutzgebietsverordnung schlägt die „Normalregel“.
Das steht sinngemäß auch im LNatSchG: Für geschützte Teile von Natur und Landschaft gilt die jeweilige Rechtsvorschrift.

Was du daraus für die Tourplanung ableitest:

  • Achte auf Eingangstafeln und Gebietsverordnungen (oft über QR-Codes oder Webseiten verlinkt).
  • Rechne in sensiblen Zonen häufiger mit Wegegeboten, saisonalen Sperrungen (Brut-/Setzzeit) oder klaren Reitverboten auf bestimmten Teilstrecken.

8) Sonderfall Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Was gilt dort fürs Reiten?

Der Nationalpark ist ein Schutzgebiet mit eigener Besucherlenkung – und in der Praxis der wichtigste „Sonderfall“ für Rheinland-Pfalz.

8.1 Grundprinzip im Nationalpark

Auf der Nationalpark-Seite wird das sehr klar zusammengefasst:

Fahrradfahren und Reiten ist nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt.

Das ist die Sicherheits- und Schutzlogik des Nationalparks: Besucher sollen auf gelenkten Routen bleiben, um Kernzonen, Wildruhezonen und sensible Lebensräume zu schützen.

8.2 Wie wird das konkret umgesetzt?

Der Wegeplan des Nationalparks ordnet Reiten rechtlich den Landeswaldgesetzen zu und erklärt die Praxis:

  • Für Reitsport gelten die Vorschriften analog zum LWaldG Rheinland-Pfalz (und dem saarländischen Waldgesetz).
  • Reiten ist – wie Radfahren – auf Wegen und Straßen gestattet, und das Nationalparkamt sieht derzeit keine Notwendigkeit, darüber hinaus zu reglementieren.
  • Reitwege werden nicht gesondert gekennzeichnet.

Was bedeutet das für dich praktisch?

  • Halte dich im Nationalpark strikt an das bestehende Wege-/Straßennetz, so wie es auch außerhalb nach LWaldG gilt.
  • Verlasse dich nicht darauf, dass ein Weg „als Reitweg“ markiert ist – das ist ausdrücklich nicht der Ansatz.
  • Wenn du unsicher bist, plane mit offiziellen Karten/Tracks und orientiere dich an den Nationalpark-Toren/Infoangeboten.

9) Gibt es in Rheinland-Pfalz eine Reitplakette oder Reitabgabe?

In der politischen Debatte zum LWaldG wurde ausdrücklich dargestellt, dass man von einer Reitabgabe Abstand nimmt, weil der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis stünde; stattdessen sollte die Möglichkeit der Wegsperrung im Einzelfall ausreichen.

Für dich als Reiter heißt das (praxisnah formuliert):

  • In Rheinland-Pfalz steht nicht das „Kennzeichen-/Plakettenmodell“ wie in manchen anderen Bundesländern im Vordergrund, sondern Wegbenutzung + Einzelfallsperrungen bei Schadensrisiko.

10) Praxisteil: So planst du Touren in Rheinland-Pfalz konfliktarm und regelkonform

Checkliste vor dem Ritt

  • Route bevorzugt auf breiten Forst-/Wirtschaftswegen planen (Waldweg-Definition im Hinterkopf).
  • Schutzgebiete in der Karte identifizieren und Gebietsregeln prüfen (insb. im/um den Nationalpark).
  • Bei Starkregen/Weichboden alternative Routen vorsehen – Wegschäden sind ein häufiger Grund für Sperrungen.

Unterwegs

  • Tempo anpassen, frühzeitig ankündigen, freundlich kommunizieren (viele Konflikte entstehen aus Überraschungsmomenten).
  • Bei Forstarbeiten: nicht „noch schnell vorbei“, sondern umkehren/umleiten (Zustimmungspflicht!).
  • Schilder ernst nehmen – insbesondere bei besonderer Zweckbestimmung oder lokalen Sperrungen.

Wegtyp vor Ort erkennen: Waldweg vs. Singletrail vs. Rückegasse

Viele Konflikte (und rechtliche Probleme) entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Verwechslungen: Ein schmaler, zugewachsener Waldweg kann wie ein Trail wirken – und eine Rückegasse kann auf den ersten Blick wie ein “Weg” aussehen. Diese Infobox hilft dir, vor Ort (ohne App) möglichst sicher einzuschätzen, wo du gerade unterwegs bist.

1) Schnelltest in 20 Sekunden: 5 Fragen, die fast immer weiterhelfen

  1. Ist der Untergrund “gebaut”? (Schotter, wassergebundene Decke, feste Verdichtung, klare Tragschicht)
  2. Ist der Weg dauerhaft erkennbar? (konstante Breite, klare Ränder, über längere Strecke “Weg-Charakter”)
  3. Gibt es typische Forst-Infrastruktur? (Entwässerungsgräben, Durchlässe, Bankette, Wendehammer, Holzpolterplätze)
  4. Siehst du Forst-Spuren, die nach “Arbeitstrasse” aussehen? (tiefe Maschinenrinnen, Bruchholz, Schleifspuren, frisch aufgerissener Boden)
  5. Wirkt die Trasse wie “Ziel = Durchkommen” oder “Ziel = Holz rücken”? (gerade Schneise in den Bestand, abruptes Ende, keine Anschlusslogik)

Faustregel: Je mehr “Bau & Dauerhaftigkeit”, desto eher Wald-/Forstweg. Je mehr “Arbeit & Rinnen”, desto eher Rückegasse. Je schmaler und “fußläufig”, desto eher Pfad/Singletrail.


2) Typische Merkmale im Detail

A) Waldweg / Forstwirtschaftsweg (dauerhafter Wirtschaftsweg)
  • Breite: meist 2–4 m (oft so, dass ein Fahrzeug durchpasst; Begegnung zumindest stellenweise möglich)
  • Untergrund: schottrig, wassergebunden oder fest verdichtet; oft gleichmäßig, auch wenn er ungepflegt wirkt
  • Ränder: meist klar erkennbar (Bankette, Grasränder, leichte Böschung, Entwässerungsmulde)
  • Entwässerung: Gräben, Querrinnen, Durchlässe/“Rohre”, teilweise leicht gewölbtes Profil
  • Logik/Verlauf: verbindet Bereiche, Kreuzungen, Abzweige; wirkt “netzartig” und nicht wie eine Schneise ins Nichts
  • Umfeld: Holzpolterplätze, Wendeplätze, Schranken an Zufahrten, Forstnummern/Abteilungsmarken

Achtung: Ein Waldweg kann schlecht gepflegt sein und trotzdem Waldweg bleiben: Grasnarbe in der Mitte, Pfützen, ausgewaschene Stellen. Entscheidend ist der dauerhafte Wegcharakter, nicht die Optik “wie neu”.

B) Singletrail / Pfad / Fußweg (schmal, “fußläufig”)
  • Breite: oft 30–80 cm, maximal 1 m; Begegnung kaum möglich
  • Untergrund: natürlich, oft wurzelig/steinig, stark variierend; keine erkennbare Tragschicht
  • Ränder: “fransen” aus, Vegetation wächst direkt an den Tritt; keine Bankette/Gräben
  • Kurven: eher geschwungen, folgt Geländeformen; oft mit kleinen Stufen/Serpentinen
  • Nutzungsspuren: Fußtritte, schmale Fahrradrinnen, gelegentlich Trittspuren von Wild – aber keine stabile Fahrspurbreite

Hinweis: Trails sind oft landschaftlich reizvoll – rechtlich aber in vielen Bundesländern nicht als Reitwege/Waldwege anerkannt, wenn sie keine “Weg”-Qualität haben.

C) Rückegasse / Maschinenweg (Arbeits- und Holzrücketrasse)
  • Breite: häufig 2–4 m, wirkt also “wegartig” – genau deshalb wird sie oft verwechselt
  • Untergrund: oft unbefestigt, bei Nässe tief aufgewühlt; deutliche Maschinenrinnen (parallel, tief, kantig)
  • Spuren: Schleifspuren, abgeknickte Äste, Rindenreste, Bruchholz; manchmal Stämme/Äste am Rand “abgelegt”
  • Verlauf: häufig sehr gerade Linien durch den Bestand, manchmal in regelmäßigen Abständen (forstliches Raster)
  • Enden: kann plötzlich enden oder in “Arbeitsflächen” (Holzerntefläche) übergehen
  • Fehlende Infrastruktur: selten Gräben/Durchlässe/Wendeplätze wie bei echten Wirtschaftswegen

3) Die häufigsten Verwechslungen (und wie du sie auflöst)

“Kann eine Rückegasse wie ein Weg aussehen?” – Ja, sehr oft.
  • Breite täuscht: Rückegassen sind oft so breit wie ein kleiner Forstweg.
  • Der Unterschied steckt im Profil: Rückegassen haben häufig zwei tiefe Rinnen und dazwischen einen Steg – oder frisch aufgerissene Erde.
  • Die Umgebung verrät es: Bruchholz, Schleifspuren, “Arbeitsoptik”, gerade Schneise, Abstände im Raster.
“Kann ein schlecht gepflegter Waldweg wie ein Singletrail aussehen?” – Ja, in Grenzfällen.
  • Überwachsen: Wenn ein Wirtschaftsweg selten genutzt wird, wächst er zu und wirkt schmaler.
  • Merke: Schau nach Rest-Struktur: gleichmäßige Breite über längere Strecke, erkennbare Ränder/Bankette, alte Entwässerung, Kreuzungen.
  • Trail-typische Hinweise fehlen: sehr schmale “Fußlinie”, viele kleine Geländestufen, keine Netzlogik.
“Zwei Fahrspuren = Waldweg?” – Nicht zwingend.
  • Auch Rückegassen können zwei Spuren haben – oft aber tiefer, kantiger und “arbeitiger”.
  • Ein Waldweg hat eher ein gleichmäßiges Profil und ist über längere Strecken als Weg erkennbar.

4) Entscheidungshilfe: Wenn du unsicher bist

  • Im Zweifel: zurück auf den nächsten eindeutig “großen” Wirtschaftsweg (tragfähig, klarer Wegcharakter) oder öffentliche Straße.
  • Holzernte/Arbeiten in Sicht? Dann nicht “noch schnell durch” – umdrehen, Abstand halten, alternative Verbindung suchen.
  • Beschilderung schlägt Bauchgefühl: Sperrungen, Schutzgebietsregeln, Wegegebote immer beachten.
  • Konfliktprävention: Wenn du merkst, dass du auf einem sehr schmalen Pfad unterwegs bist, ist das ein starkes Signal, dass du dort (auch sozial) wahrscheinlich falsch bist – selbst wenn es “irgendwie ging”.

5) Mini-Spickzettel zum Mitnehmen

Waldweg/Forstweg: gebaut/tragfähig, dauerhaft, netzartig, Infrastruktur (Gräben/Durchlässe/Wendeplätze).
Singletrail/Pfad: sehr schmal, fußläufig, keine Tragschicht, fransige Ränder, viele kleine Geländestufen.
Rückegasse: arbeitslastig, tiefe Maschinenrinnen, gerade Schneise, Bruchholz/Schleifspuren, endet oft abrupt.

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