Konflikte im Wald? Reiter als gern gesehene Gäste in der Natur.
Konflikte vermeiden: Ritte bitte vorausschauend planen, ausgeschilderte Wege nutzen, Sperrungen respektieren, bei Arbeitseinsätzen sofort absteigen oder großräumig ausweichen. Weidezäune und Gatter immer im vorgefundenen Zustand hinterlassen, Wildruhe beachten (Dämmerung/Nacht), Hunde sichern, freundlich grüßen – und im Zweifel umkehren statt diskutieren.
Warum das Thema wichtig ist
Wald- und Feldwege sind Wirtschafts-, Schutz- und Erholungsraum zugleich. Landwirtschaft, Forst und Jagd arbeiten dort – oft unter Zeitdruck, mit schweren Maschinen und im Jahreslauf zu sensiblen Zeiten (Aussaat, Ernte, Holzernte, Setzzeit der Wildtiere). Rücksicht und gute Kommunikation verhindern gefährliche Situationen, schützen Natur und Wild – und halten Wege langfristig für uns Reiter offen.
Grundprinzipien
- Sichtbarkeit & Planbarkeit: Ritte so legen, dass du Tageslicht, Wetter und Bodenverhältnisse berücksichtigst.
- Wegtreue: Bleib auf erlaubten Wegen; keine Trampelpfade durch Bestände oder Jungwuchs.
- Arbeit hat Vorfahrt: Wo geerntet, gerückt oder gejagt wird: warten oder weiträumig umgehen/umreiten.
- Ruhezeiten: Dämmerung/Nachtfahrten mit Pferd vermeiden; Wildruhe respektieren.
- Tore & Zäune: Immer im vorgefundenen Zustand schließen – auch wenn’s umständlich ist.
- Kein Müll, kein Feuer: Selbstverständlich – gilt auch für Kippen, Heunetze, usw
- Hunde sichern: An die Leine, wenn Vieh, Wild oder andere Nutzer:innen in der Nähe sind.
- Freundlichkeit zuerst: Grüßen, Platz machen, bedanken. Konflikte deeskalieren.
- NICHT auf sein Recht bestehen. Der Klügere gibt nach, auch wenn er im Recht seinen sollte.
Do/Don’t – nach typischen Situationen
Ernte auf dem Feld
DoSo klappt’s
- Abstand halten, absteigen, auf Handzeichen warten.
- Auf Wink zügig und im Schritt passieren, kürzeste Linie.
- Staub/Lärm einkalkulieren, Pferd früh ansprechen/beruhigen.
- Routen saisonal planen (Aussaat/Erntezeiten beachten).
Don’tBitte lassen
- Zwischen Maschinen, Anhängern oder Schwaden hindurchreiten.
- Frische Saat/gedroschene Flächen betreten oder queren.
- Wege blockieren oder zu dicht an Arbeitskanten warten.
Wege, Matsch, Knicks & Jungwuchs
DoSo klappt’s
- Tragfähige Wege wählen, Engstellen einzeln reiten.
- Matschstellen weiträumig umgehen, aufgeweichte Wege nicht beschädigen.
- Jungwuchs/Knicks mit Abstand passieren, Wegtreue wahren.
Don’tBitte lassen
- Abkürzungen durch Bestände/Jungwuchs schlagen.
- Sturmschäden übersteigen/überspringen (Sicherheits- & Schutzrisiko).
Höfe & Hofzufahrten
DoSo klappt’s
- Im Schritt reiten, freundlich grüßen, kurz abstimmen.
- Pfützen/Güllebereiche meiden, Zufahrten freihalten.
- Hunde anleinen, Tore/Gatter im vorgefundenen Zustand.
Don’tBitte lassen
- Hof als Abkürzung ohne Erlaubnis nutzen.
- Hofhunde/Katzen/Tiere aufscheuchen.
- Privatflächen beparken/befahren oder Lärm verursachen.
Begegnungen mit Menschen
DoSo klappt’s
- Früh ansprechen: „Guten Tag, wir passieren gleich im Schritt.“
- Platz machen, Tempo rausnehmen, freundlich bedanken.
- Kinder einbeziehen – nur wenn Pferd sicher ist.
- E-Bikes höflich um langsamere Fahrt/Abstand bitten.
Don’tBitte lassen
- Im Trab/Galopp dicht an Personen vorbeireiten.
- Mit dem Handy diskutieren statt Situation zu lösen.
Holzernte
DoSo klappt’s
- „Forstarbeiten“ beachten, Absperrungen respektieren.
- Weiträumig Abstand zu Kran-/Windenseilen halten.
- Absteigen, Blickkontakt, auf Handzeichen warten.
- Nach Sturm: besondere Vorsicht (lose Äste).
Don’tBitte lassen
- Unter hängenden Lasten oder am Rückewagen durchreiten.
- Zwischen Holzpoltern, Maschinen und Seilen hindurch.
- Absperrbänder versetzen oder „kurz öffnen“.
Jagd
DoSo klappt’s
- „Drückjagd/Treibjagd“-Hinweise beachten, Route anpassen.
- In Dämmerung ruhig und wegtreu; Dickungen/Wechsel meiden.
- Hunde sichern; Reflektoren/Signale nutzen.
- Bei Begegnung kurz anhalten, freundlich abstimmen.
Don’tBitte lassen
- Nacht- oder Dämmerungsritte im Kernlebensraum des Wildes.
- Durch Treib-/Schneisen reiten, wenn Jagd aktiv ist.
- Hunde frei laufen lassen in Wild-/Jagdgebieten.
Weide
DoSo klappt’s
- Gatter ruhig anreiten, absteigen, Pferd sichern, Gatter schließen.
- Weidetiere mit Abstand im Schritt passieren; klare Linie.
- Elektrozäune stets als aktiv behandeln.
- Keine Futterreste hinterlassen (Heunetze, Kraftfutter).
Don’tBitte lassen
- Weideflächen queren, wenn nasse Böden Spuren/Erosion verursachen.
- Zäune versetzen oder „provisorisch offen“ stehen lassen.
- Tiere aufscheuchen oder den Weg durch die Herde suchen.
Planung: Konflikte schon vor dem Ritt minimieren
- Karten & Apps: Wegequalität, Sperrungen, Jagdzeiten (manchmal online), Naturschutz-Zonen checken.
- Saisonal denken: Ernte (Getreide/Gras) meist Juni–September; Holzernte oft Herbst/Winter.
- Wetter & Wind: Lärmbelastung durch Maschinen, umfallende Äste, Flatterplanen – Pferde vorbereiten.
- Ausrüstung: Hufschutz, Reflektoren, Handy, Notfallnummern.
Kommunikation vor Ort
- Start: Freundlich Grüßen
- Bei Kritik: „Danke für den Hinweis – das war uns nicht bewusst. Wir ändern das sofort.“
- Bei Sperrung: „Alles klar, wir drehen um. Gibt es eine empfohlene Ausweichroute?“
- Nach dem Passieren: „Vielen Dank! Schönen Arbeitstag!“ Höflichkeit ist kostenfrei – Wirkung enorm.
Rechtlicher Rahmen – in Kürze
- Erlaubte Wege nutzen: In vielen Regionen ist Reiten nur auf Wegen/straßen erlaubt.
- Sperrungen & Schilder: Temporäre Arbeits-Sperrungen sind zu beachten.
- Naturschutz: In Schutzgebieten gelten zusätzliche Regeln (z. B. Wegepflicht, Brutzeiten).
(Hinweis: Regeln variieren je nach Bundesland/Region. Im Zweifel lokal nachfragen.)
Ein Wort zum Miteinander
Das Wichtigste zuerst: Nehmt aufeinander Rücksicht. Egal ob Wanderer, Läufer, Radfahrer, Reiter, Pilzsammler – oder, oder, oder. Wir alle wollen den Wald zur Erholung oder für unser Hobby nutzen. Freundlichkeit, Augenmaß und ein „Danke“ zur richtigen Zeit verhindern Konflikte – und helfen, dass Wege offenbleiben, statt schärfer reguliert zu werden.

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