Silver City → El Malpais → Albuquerque → Monument Valley → Grand Canyon (South Rim)
Nach dem Ritt wechseln wir vom Sattel auf den Fahrersitz. Lavafelder, Großstadt zwischen Fluss und Berg, eine Ikonenlandschaft der Diné – und am Ende die erste Nacht am Rand des Grand Canyon.
Unsere Route
Wir starten in Silver City früh, fahren über offene Weiten Richtung der I-40 und biegen zur El Malpais National Conservation Area ab. Auf dem Weg erblicken wir noch die Antennen des Very Large Array. Dann wird Asphalt schwarz gesäumt, als hätte jemand die Landschaft mit Kohle schraffiert. Auf kurzen Trails gehen wir auf Tuchfühlung: ʻAʻā-Blöcke, „ropey“ Pahoehoe, windgekräuselte Oberflächen. In den Lavaröhren ist es ein paar Grad kühler, die Luft steht, Tropfen hängen an der Decke.
Am Nachmittag erreichen wir Albuquerque mit einem weiten Blick auf das Sandia-Massiv. Wir parken in Old Town, schlendern auf der Route 66, essen Steak, riechen Pinonrauch. Richtung Sonnenuntergang fährt uns die Tram auf den Berg – das Licht streicht flach über die Stadt, die Lichter gehen an.
Am nächsten Vormittag die lange Gerade nach Nordwesten: Monument Valley ist das Ziel, aber auf dem Weg machen wir noch Halt am Four Corners Monument, dem einzigen Ort der USA an dem 4 Bundesstaaten aufeinander treffen. Dann wächst am Horizont Monument Valley aus dem Dunst. Der 17-Meilen-Loop zwingt uns in ein anderes Tempo – Staubfahnen, roter Sand, die Buttes stehen wie Skulpturen im eigenen Licht. Wir bleiben bis Sonnenuntergang: Das Rot steigert sich, die Schatten werden messerscharf, und irgendwann ist nur noch Glühen übrig.




























Am nächsten morgen genießen wir noch den Sonnenaufgang, bevor wir uns auf den Weg zum Grand Canyon machen. Der erste Blick ist überwältigend: Luft in Schichten, Farben wie eine geologische Partitur. Wir lassen uns Zeit – es ist einer dieser Orte, der Stille gut verträgt.
El Malpais National Conservation Area — Land aus Lava und Zeit
Zwischen Grants und dem Zuni Plateau liegt eines der jüngsten Vulkanfelder des Südwestens: das Zuni-Bandera-Feld. In mehreren Eruptionsphasen der letzten ~150.000 Jahre flossen hier Basaltlaven aus Dutzenden Schlackenkegeln. Beim Abkühlen bildeten sich Lavatunnel und „Ropey“-Oberflächen (Pahoehoe) neben rauen, blockigen ʻAʻā-Strömen.
Der spanische Name „El Malpaís“ – „schlechtes Land“ – beschreibt die Unwegsamkeit dieser schwarzen Ströme für frühe Reisende. Unter der Oberfläche verbergen sich kilometerlange Lavaröhren mit empfindlichen Mikroklimata, die eisgefüllte Mulden und seltene Flechten begünstigen.
Heute schützt die NCA die geologischen Formationen und archäologischen Fundplätze. Besucher bleiben auf markierten Wegen; in Röhren nur mit Lampe/Helm und Rücksicht auf fragile Tropfstrukturen.
Albuquerque — Duke City zwischen Rio Grande und Sandia
Die Stadt wuchs um eine spanische Villa des 18. Jh.; der Name ehrt den Herzog von Alburquerque (das zweite „r“ fiel später im Englischen). Die Old Town bewahrt Adobe-Architektur und Plaza-Struktur, während entlang der historischen Route 66 Autokultur und Neon-Ästhetik ankern.
Geografisch liegt Albuquerque am Rio Grande; östlich steigt abrupt die Sandia Range an. Der starke Höhengradient erklärt die Vielfalt an Biotopen – vom Flussbosque bis zu Kiefern- und Fichtenlagen. Heute ist ABQ Verkehrs- und Kulturknoten mit Universitäten, Ballon-Tradition und einer lebendigen Food-Szene.
Monument Valley (Navajo Tribal Park) — Türme des Colorado-Plateaus, Land der Diné
Das Monument Valley liegt auf dem Colorado-Plateau an der Grenze von Arizona und Utah. Geologisch ist es ein Lehrbuch aus Schichtpaketen, die vor allem in der Spätperm–Frühtrias abgelagert und später gehoben wurden: An der Basis liegen rotbraune Organ-Rock-Schieferschichten, darüber stehen senkrechte Wände aus De-Chelly-Sandstein; höher folgen Teile der Moenkopi-Formation und lokal widerständige Deckschichten (z. B. Sandstein-/Kiesel-„Caprock“). Als das Plateau in der Laramiden-Gebirgsbildungsphase angehoben wurde, setzte über Millionen Jahre Differentialerosion ein: Wasser suchte Klüfte, Frost sprengte Blöcke, Wind polierte Flächen. Aus breiten Mesas wurden Buttes, aus Buttes Spires – die freistehenden Türme, die das Tal berühmt machten.
Die Farbe kommt von Eisenoxiden, die die Quarz- und Feldspatkörner rötlich bis purpur färben. In den senkrechten Wänden sieht man teils Schrägschichtungen alter Dünen (eolian), die auf eine trockene Ablagerungsumwelt hindeuten; unten, im weicheren Organ-Rock, verwittern Flanken rund und geben den harten De-Chelly-Bänken die Bühne. Dass die Buttes stehenbleiben, ist eine Härtefrage: wo ein widerständiger Deckhorizont Kanten schützt, hält die Wand länger; wo er fehlt, rückt die Kante rascher zurück.
Für die Diné (Navajo) ist das Tal Heimat, Weideland und Kulturraum. Viele Formationen tragen Diné-Namen und sind in Geschichten, Liedern und Zeremonien verankert. Der Monument Valley Navajo Tribal Park wird von der Navajo Nation verwaltet: Der 17-Meilen-Scenic-Drive erschließt zentrale Aussichtspunkte; tiefer ins Hinterland geht es nur mit autorisierten Navajo-Guides. Das gilt nicht nur dem Schutz empfindlicher Flächen, sondern auch dem Respekt vor heiligen Orten und Lebensräumen. Besucher bewegen sich auf ausgewiesenen Pisten, bleiben an Fotopunkten auf Distanz zu Vegetation und Vieh, und beachten saisonale Sperrungen.
Aus externer Perspektive wurde das Tal im 19. Jahrhundert von Erkundungsreisen des US-Militärs und kartographischen Teams beschrieben; dauerhaft bekannt wurde es aber erst durch den Trading Post von Harry und Leone (Mike) Goulding in den 1920/30ern. Goulding überzeugte Regisseur John Ford, hier zu drehen – mit „Stagecoach“ (1939) und weiteren Western wurde Monument Valley zur Ikone der Filmgeschichte. Dieses Bild prägte die Weltwahrnehmung des „Westens“, überlagerte aber oft die indigene Perspektive; der Tribal-Park-Status und Navajo-Regeln stellen heute klar, dass es Navajo-Land ist.
Ökologisch ist das Tal eine Halbwüste: Wacholder, Salbeibusch, Gräser und Dünenfelder passen sich Trockenheit und Wind an. Nach Gewittern stehen temporär Waterpockets; Staub und Feinsedimente wandern in langen Zungen über die Ebene. Für Fotografie zählen Seitenlicht und Atmosphäre: Morgens zeichnen sich Kanten messerscharf, abends glühen die Türme; nach Regen hängt Dunst in den Einschnitten, und im Winter legt schwacher Schnee zarte Kontraste. Wer Bilder macht, respektiert Privatland-Parzellen und Weideherden – Monument Valley ist nicht nur Kulisse, sondern Lebensraum.
Grand Canyon (South Rim, Überblick) — Schichtbuch der Erde
Der Grand Canyon zeigt auf engstem Raum über 1,5 Milliarden Jahre Geologie: vom kristallinen Grundgebirge über die Tonto-Gruppen bis zu den kräftigen Rot- und Kalksteinen von Supai, Coconino und Kaibab. Hebung des Colorado Plateaus hob das Paket an; der Colorado River und Seitenerosion schnitten das heutige Relief.
Der South Rim ist am zugänglichsten: Aussichtspunkte staffeln Formen und Farben, je nach Sonnenstand ändern sich Kontraste dramatisch. Kulturgeschichtlich ist der Canyon Heimat und Heiligtum verschiedener Pueblo-Völker; frühe Tourismusgeschichte prägte die Rim-Architektur.
ange bevor Europäer Karten zeichneten, lebten und reisten Havasu ’Baaja (Havasupai), Hualapai, Hopi, Diné (Navajo), Zuni, Paiute und weitere Völker im und am Canyon. Ihre Pfade, Gärten auf Flussterrassen und Geschichten geben dem Ort Tiefe und Namen – der Canyon ist seit Jahrtausenden kein „unbekanntes Land“.
Für europäische Chroniken gilt García López de Cárdenas (1540) als erster dokumentierter Blick von „außen“: Ein Trupp der Coronado-Expedition erreichte den Südrand, fand aber keinen Abstieg; Distanzen und Tiefe wurden gewaltig unterschätzt. Domínguez & Escalante (1776) näherten sich dem Oberlauf des Colorado auf der Suche nach einer Missionsroute, blieben aber weit nördlich des heutigen Parks.
Im 19. Jahrhundert rückte der Colorado in den Fokus der US-Kartografie: Lt. Joseph C. Ives (1857/58) fuhr mit dem Dampfschiff Explorer den Unterlauf hinauf und erkundete anschließend Teile des Canyons zu Land; sein berühmtes (und irrendes) Fazit lautete, die Region sei „praktisch wertlos“. Nur wenige Jahre später widerlegte John Wesley Powell das eindrucksvoll: 1869 und 1871/72 durchfuhr er mit Ruderbooten den Fluss durch den gesamten Grand Canyon – die ersten systematischen, wissenschaftlich begleiteten Expeditionen. Mit Powells Team reisten Zeichner und Fotografen (u. a. E. O. Beaman, James Fennemore, J. K. Hillers), deren Bilder den Canyon erstmals einer breiten Öffentlichkeit zeigten.
Die Erschließung für den Tourismus begann um 1901 mit der Atchison, Topeka & Santa Fe Railway bis Grand Canyon Village. Die Fred Harvey Company prägte Hotellerie und Architektur (El Tovar 1905, Mary Colter u. a. Hopi House 1905, später Desert View Watchtower 1932) und vermarktete den Rim als Reiseziel. Politisch folgten der Game Preserve (1906), das National Monument (1908, Theodore Roosevelt) und schließlich der National Park (1919). Seither wächst das Verständnis dafür, dass „Entdeckung“ aus euroamerikanischer Sicht erzählt – während die indigenen Perspektiven die älteren, ortsgebundenen Geschichten des Canyons tragen.














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