Die Mittens im Monument Valley leuchten rot im Abendlicht

New Mexico Roadtrip Teil 1: Very Large Array, Route 66 und Monument Valley

Silver City → El Malpais → Albuquerque → Monument Valley → Grand Canyon (South Rim)

Nach dem Ritt wechseln wir vom Sattel auf den Fahrersitz. Lavafelder, Großstadt zwischen Fluss und Berg, eine Ikonenlandschaft der Diné – und am Ende die erste Nacht am Rand des Grand Canyon.

Die Etappe auf einen Blick

Abschnitt
Roadtrip Teil 1 – von New Mexico nach Arizona/Utah
Datum
ab August 2019
Route
Silver City → El Malpais → Albuquerque → Monument Valley → Grand Canyon
Unterwegs
Very Large Array und ein Stück der historischen Route 66
Höhepunkte
die Sandpiste durch das Monument Valley und der erste Blick in den Grand Canyon
Beste Zeit
früher Morgen und später Nachmittag – dann glühen die Felsen
Nützlich
der Annual Pass gilt in den Nationalparks, das Monument Valley gehört dagegen zur Navajo Nation und kostet extra

Unsere Route

Wir starten in Silver City früh, fahren über offene Weiten Richtung der I-40 und biegen zur El Malpais National Conservation Area ab. Auf dem Weg erblicken wir noch die Antennen des Very Large Array. Dann wird Asphalt schwarz gesäumt, als hätte jemand die Landschaft mit Kohle schraffiert. Auf kurzen Trails gehen wir auf Tuchfühlung: ʻAʻā-Blöcke, „ropey“ Pahoehoe, windgekräuselte Oberflächen. In den Lavaröhren ist es ein paar Grad kühler, die Luft steht, Tropfen hängen an der Decke.

Informationstafel mit dem Lageplan der Radioteleskop-Anlage

Am Nachmittag erreichen wir Albuquerque mit einem weiten Blick auf das Sandia-Massiv. Wir parken in Old Town, schlendern auf der Route 66, essen Steak, riechen Pinonrauch. Richtung Sonnenuntergang fährt uns die Tram auf den Berg – das Licht streicht flach über die Stadt, die Lichter gehen an.

Schild der Historic Route 66 am Straßenrand

Am nächsten Vormittag die lange Gerade nach Nordwesten: Monument Valley ist das Ziel, aber auf dem Weg machen wir noch Halt am Four Corners Monument, dem einzigen Ort der USA, an dem vier Bundesstaaten aufeinandertreffen. Dann wächst am Horizont Monument Valley aus dem Dunst. Der 17-Meilen-Loop zwingt uns in ein anderes Tempo – Staubfahnen, roter Sand, die Buttes stehen wie Skulpturen im eigenen Licht. Wir bleiben bis Sonnenuntergang: Das Rot steigert sich, die Schatten werden messerscharf, und irgendwann ist nur noch Glühen übrig.

Die Felsen glühen rot im Licht der untergehenden Sonne
Sonnenuntergang über der Ebene, die Sonne steht direkt über dem Horizont
Die Mittens als dunkle Silhouetten vor dem Abendhimmel

Am nächsten Morgen genießen wir noch den Sonnenaufgang, bevor wir uns auf den Weg zum Grand Canyon machen. Der erste Blick ist überwältigend: Luft in Schichten, Farben wie eine geologische Partitur. Wir lassen uns Zeit – es ist einer dieser Orte, der Stille gut verträgt.

El Malpais National Conservation Area — Land aus Lava und Zeit

Zwischen Grants und dem Zuni Plateau liegt eines der jüngsten Vulkanfelder des Südwestens: das Zuni-Bandera-Feld. In mehreren Eruptionsphasen der letzten ~150.000 Jahre flossen hier Basaltlaven aus Dutzenden Schlackenkegeln. Beim Abkühlen bildeten sich Lavatunnel und „Ropey“-Oberflächen (Pahoehoe) neben rauen, blockigen ʻAʻā-Strömen.
Der spanische Name „El Malpaís“ – „schlechtes Land“ – beschreibt die Unwegsamkeit dieser schwarzen Ströme für frühe Reisende. Unter der Oberfläche verbergen sich kilometerlange Lavaröhren mit empfindlichen Mikroklimata, die eisgefüllte Mulden und seltene Flechten begünstigen.
Heute schützt die NCA die geologischen Formationen und archäologischen Fundplätze. Besucher bleiben auf markierten Wegen; in Röhren nur mit Lampe/Helm und Rücksicht auf fragile Tropfstrukturen.

Albuquerque — Duke City zwischen Rio Grande und Sandia

Die Stadt wuchs um eine spanische Villa des 18. Jh.; der Name ehrt den Herzog von Alburquerque (das zweite „r“ fiel später im Englischen). Die Old Town bewahrt Adobe-Architektur und Plaza-Struktur, während entlang der historischen Route 66 Autokultur und Neon-Ästhetik ankern.
Geografisch liegt Albuquerque am Rio Grande; östlich steigt abrupt die Sandia Range an. Der starke Höhengradient erklärt die Vielfalt an Biotopen – vom Flussbosque bis zu Kiefern- und Fichtenlagen. Heute ist ABQ Verkehrs- und Kulturknoten mit Universitäten, Ballon-Tradition und einer lebendigen Food-Szene.

Monument Valley (Navajo Tribal Park) — Türme des Colorado-Plateaus, Land der Diné

Das Monument Valley liegt auf dem Colorado-Plateau an der Grenze von Arizona und Utah. Geologisch ist es ein Lehrbuch aus Schichtpaketen, die vor allem in der Spätperm–Frühtrias abgelagert und später gehoben wurden: An der Basis liegen rotbraune Organ-Rock-Schieferschichten, darüber stehen senkrechte Wände aus De-Chelly-Sandstein; höher folgen Teile der Moenkopi-Formation und lokal widerständige Deckschichten (z. B. Sandstein-/Kiesel-„Caprock“). Als das Plateau in der Laramiden-Gebirgsbildungsphase angehoben wurde, setzte über Millionen Jahre Differentialerosion ein: Wasser suchte Klüfte, Frost sprengte Blöcke, Wind polierte Flächen. Aus breiten Mesas wurden Buttes, aus Buttes Spires – die freistehenden Türme, die das Tal berühmt machten.

Die Farbe kommt von Eisenoxiden, die die Quarz- und Feldspatkörner rötlich bis purpur färben. In den senkrechten Wänden sieht man teils Schrägschichtungen alter Dünen (eolian), die auf eine trockene Ablagerungsumwelt hindeuten; unten, im weicheren Organ-Rock, verwittern Flanken rund und geben den harten De-Chelly-Bänken die Bühne. Dass die Buttes stehenbleiben, ist eine Härtefrage: wo ein widerständiger Deckhorizont Kanten schützt, hält die Wand länger; wo er fehlt, rückt die Kante rascher zurück.

Für die Diné (Navajo) ist das Tal Heimat, Weideland und Kulturraum. Viele Formationen tragen Diné-Namen und sind in Geschichten, Liedern und Zeremonien verankert. Der Monument Valley Navajo Tribal Park wird von der Navajo Nation verwaltet: Der 17-Meilen-Scenic-Drive erschließt zentrale Aussichtspunkte; tiefer ins Hinterland geht es nur mit autorisierten Navajo-Guides. Das gilt nicht nur dem Schutz empfindlicher Flächen, sondern auch dem Respekt vor heiligen Orten und Lebensräumen. Besucher bewegen sich auf ausgewiesenen Pisten, bleiben an Fotopunkten auf Distanz zu Vegetation und Vieh, und beachten saisonale Sperrungen.

Aus externer Perspektive wurde das Tal im 19. Jahrhundert von Erkundungsreisen des US-Militärs und kartographischen Teams beschrieben; dauerhaft bekannt wurde es aber erst durch den Trading Post von Harry und Leone (Mike) Goulding in den 1920/30ern. Goulding überzeugte Regisseur John Ford, hier zu drehen – mit „Stagecoach“ (1939) und weiteren Western wurde Monument Valley zur Ikone der Filmgeschichte. Dieses Bild prägte die Weltwahrnehmung des „Westens“, überlagerte aber oft die indigene Perspektive; der Tribal-Park-Status und Navajo-Regeln stellen heute klar, dass es Navajo-Land ist.

Ökologisch ist das Tal eine Halbwüste: Wacholder, Salbeibusch, Gräser und Dünenfelder passen sich Trockenheit und Wind an. Nach Gewittern stehen temporär Waterpockets; Staub und Feinsedimente wandern in langen Zungen über die Ebene. Für Fotografie zählen Seitenlicht und Atmosphäre: Morgens zeichnen sich Kanten messerscharf, abends glühen die Türme; nach Regen hängt Dunst in den Einschnitten, und im Winter legt schwacher Schnee zarte Kontraste. Wer Bilder macht, respektiert Privatland-Parzellen und Weideherden – Monument Valley ist nicht nur Kulisse, sondern Lebensraum.

Grand Canyon (South Rim, Überblick) — Schichtbuch der Erde

Der Grand Canyon zeigt auf engstem Raum über 1,5 Milliarden Jahre Geologie: vom kristallinen Grundgebirge über die Tonto-Gruppen bis zu den kräftigen Rot- und Kalksteinen von Supai, Coconino und Kaibab. Hebung des Colorado Plateaus hob das Paket an; der Colorado River und Seitenerosion schnitten das heutige Relief.
Der South Rim ist am zugänglichsten: Aussichtspunkte staffeln Formen und Farben, je nach Sonnenstand ändern sich Kontraste dramatisch. Kulturgeschichtlich ist der Canyon Heimat und Heiligtum verschiedener Pueblo-Völker; frühe Tourismusgeschichte prägte die Rim-Architektur.

Lange bevor Europäer Karten zeichneten, lebten und reisten Havasu ’Baaja (Havasupai), Hualapai, Hopi, Diné (Navajo), Zuni, Paiute und weitere Völker im und am Canyon. Ihre Pfade, Gärten auf Flussterrassen und Geschichten geben dem Ort Tiefe und Namen – der Canyon ist seit Jahrtausenden kein „unbekanntes Land“.

Für europäische Chroniken gilt García López de Cárdenas (1540) als erster dokumentierter Blick von „außen“: Ein Trupp der Coronado-Expedition erreichte den Südrand, fand aber keinen Abstieg; Distanzen und Tiefe wurden gewaltig unterschätzt. Domínguez & Escalante (1776) näherten sich dem Oberlauf des Colorado auf der Suche nach einer Missionsroute, blieben aber weit nördlich des heutigen Parks.

Im 19. Jahrhundert rückte der Colorado in den Fokus der US-Kartografie: Lt. Joseph C. Ives (1857/58) fuhr mit dem Dampfschiff Explorer den Unterlauf hinauf und erkundete anschließend Teile des Canyons zu Land; sein berühmtes (und irrendes) Fazit lautete, die Region sei „praktisch wertlos“. Nur wenige Jahre später widerlegte John Wesley Powell das eindrucksvoll: 1869 und 1871/72 durchfuhr er mit Ruderbooten den Fluss durch den gesamten Grand Canyon – die ersten systematischen, wissenschaftlich begleiteten Expeditionen. Mit Powells Team reisten Zeichner und Fotografen (u. a. E. O. Beaman, James Fennemore, J. K. Hillers), deren Bilder den Canyon erstmals einer breiten Öffentlichkeit zeigten.

Die Erschließung für den Tourismus begann um 1901 mit der Atchison, Topeka & Santa Fe Railway bis Grand Canyon Village. Die Fred Harvey Company prägte Hotellerie und Architektur (El Tovar 1905, Mary Colter u. a. Hopi House 1905, später Desert View Watchtower 1932) und vermarktete den Rim als Reiseziel. Politisch folgten der Game Preserve (1906), das National Monument (1908, Theodore Roosevelt) und schließlich der National Park (1919). Seither wächst das Verständnis dafür, dass „Entdeckung“ aus euroamerikanischer Sicht erzählt – während die indigenen Perspektiven die älteren, ortsgebundenen Geschichten des Canyons tragen.

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FAQ zum Roadtrip, Teil 1

Was ist das Very Large Array?

Siebenundzwanzig Parabolantennen mit je 25 Metern Durchmesser, die auf Schienen in einer riesigen Y-Form stehen und als ein einziges Radioteleskop zusammengeschaltet werden. Die Anlage liegt auf der Hochebene der Plains of San Agustin in gut 2.100 Metern Höhe, direkt an der Strecke Richtung Norden. Die Schüsseln sind schon von Weitem zu sehen – in einer ansonsten völlig leeren Ebene ein ziemlich surrealer Anblick.

Gilt der Nationalpark-Jahrespass im Monument Valley?

Nein. Das Monument Valley ist ein Tribal Park der Navajo Nation und kein National Park; der Eintritt wird dort gesondert erhoben. Der Annual Pass lohnt sich trotzdem, sobald man mehrere Nationalparks besucht.

Wann ist das Licht im Monument Valley am besten?

Früh am Morgen und in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang. Dann steht die Sonne flach, die Felsen leuchten rot, und die berühmten Mittens werfen lange Schatten in die Ebene.

Lohnt sich der Umweg über die Route 66?

Für ein Stück und ein Foto ja. Von der historischen Straße sind vor allem die Schilder, einzelne Motels und Leuchtreklamen geblieben – als Landschaftserlebnis gibt sie wenig her, als Zeitreise schon. In Albuquerque führt sie mitten durch die Stadt: Wir sind in der Old Town gelandet, zwischen Adobe-Bauten und Plaza, haben Steak gegessen und Piñonrauch gerochen. Genau dafür lohnt der Abstecher.

Kann man den 17-Meilen-Loop im Monument Valley selbst fahren?

Ja, der Valley Drive ist die einzige Strecke, die man ohne Guide befahren darf. Er ist eine unbefestigte Sandpiste mit Wellblech, losem Sand und ein paar steilen Rampen gleich am Anfang. Bei trockenem Wetter kommt man mit einem normalen Mietwagen durch, wenn man langsam fährt – Zeit einplanen statt Bodenfreiheit ist hier die richtige Vorbereitung. Nach Regen kann die Piste gesperrt sein.

Warum braucht man im Monument Valley für manche Ecken einen Navajo-Guide?

Weil das Tal kein Nationalpark ist, sondern Navajo-Land: Heimat, Weideland und Kulturraum der Diné. Der 17-Meilen-Loop erschließt die bekannten Aussichtspunkte, alles dahinter liegt im Hinterland und ist nur mit autorisierten Navajo-Guides zugänglich. Das schützt empfindliche Flächen, vor allem aber heilige Orte und den Lebensraum der Menschen, die dort wohnen.

Lohnt sich der Abstecher nach El Malpais?

Für uns ja, gerade als Kontrast zum roten Sandstein weiter nördlich. El Malpais liegt zwischen Grants und dem Zuni-Plateau und ist eines der jüngsten Vulkanfelder des Südwestens: Basaltströme aus den letzten rund 150.000 Jahren, dazu Dutzende Schlackenkegel. Auf kurzen Wegen läuft man direkt über die Lava und sieht den Unterschied zwischen dem scharfkantigen, blockigen ʻAʻā und dem glatten, seilartig gefältelten Pahoehoe. Der spanische Name heißt schlicht „schlechtes Land“ – was die Unwegsamkeit für frühe Reisende gut trifft.

Kann man die Lavaröhren betreten?

Teilweise ja, aber nicht spontan. Unter dem Lavafeld liegen kilometerlange Tunnel mit eigenem Mikroklima – innen ist es mehrere Grad kühler, die Luft steht, an der Decke hängen Tropfen, in manchen Mulden hält sich ganzjährig Eis. Wer hinein will, braucht Helm und Lampe, muss auf den markierten Wegen bleiben und die fragilen Tropfstrukturen in Ruhe lassen. Für einzelne Höhlen ist eine Genehmigung nötig, die man vorher beim Besucherzentrum holt.

Was ist das Four Corners Monument?

Der einzige Punkt der USA, an dem vier Bundesstaaten zusammenstoßen: Arizona, Utah, Colorado und New Mexico. Man kann sich buchstäblich in vier Staaten gleichzeitig legen – ein reiner Foto-Halt, der eine knappe halbe Stunde kostet. Das Monument liegt auf Land der Navajo Nation und wird von ihr verwaltet, es kostet also eigenen Eintritt und der Nationalpark-Jahrespass gilt nicht.

Wie viel Zeit sollte man für diesen Abschnitt einplanen?

Wir waren von Silver City bis zum Grand Canyon drei Tage unterwegs, und das war knapp. Die Entfernungen im Südwesten sind größer, als sie auf der Karte wirken: Zwischen den Zielen liegen jeweils mehrere Stunden Fahrt durch weitgehend leeres Land. Wer das Monument Valley wirklich sehen will, sollte dort übernachten – der Unterschied zwischen Mittagslicht und der letzten Stunde vor Sonnenuntergang ist der ganze Grund, warum man hinfährt.

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