Wanderritt in den USA / New Mexico – Roadtrip Teil 3

Der Rückweg: Yellowstone (Old Faithful) → Independence Pass → Manitou/Colorado Springs → El Paso

Wir machen uns auf den Rückweg. Vom Yellowstone National Park geht es zurück in die Rocky Mountains und über den Independence Pass zurück nach El Paso

Unsere Route & Momente

Nach dem wir noch ein bisschen den Park erkundet haben (Yellow Stone ist immer eine Reise wert) geht es für uns auf den Rückweg. Am nächsten Tag erreichen wir die Rocky Mountains.

Nach dem wir Aspen passiert hatten ging es hoch hinaus. Der höchste Pass war unser Ziel, der Independence Pass

Hier war es ungewohnt kühl, nach der Hitze in Arizona. Und sogar Schnee haben wir gesehen

Der Independence Pass ist übrigens die Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Pazifik

Nach einem kurzen Stop an den Twin Lakes (wo es leider stark geregnet hat) sind wir den Abend noch bis Manitou Springs gefahren, wo wir uns ein Motel genommen haben. Zum Abend essen waren wir dann in Colorado Springs im LongHorn Steakhouse. War tatsächlich sehr gut.

Am nächsten Tag folgten wir dann immer der Interstate Richtung Süden. Nach einem langen Tag kamen wir Abends in El Paso an. Dort haben wir dann den Mietwagen abgegeben und noch eine Nacht im Hotel verbracht, bevor am nächsten Tag der Rückflug anstand. Statt wie auf dem Hinweg über Denver und Kopenhagen mit SAS sind wir wegen eines Flugausfalls mit United und Lufthansa über Houston und München nach Hamburg geflogen.

Independence Pass (CO-82) — Dünne Luft, alte Gesteine, Fenster in die Eiszeit

Mit 3.687 m ist der Independence Pass einer der höchsten asphaltierten Alpenpässe Nordamerikas. Er liegt auf der Continental Divide in der Sawatch Range und verbindet die Täler um Twin Lakes im Osten mit Aspen im Westen. Die Kulisse ist ein Geologiemuseum im Freien: sehr alte Metamorphite (Gneise, Schiefer) und Granite bilden das Grundgebirge, von der Laramischen Gebirgsbildung gehoben und in der letzten Kaltzeit von Gletschern zu U-förmigen Trogtälern, Kare(n) und Moränen modelliert. An klaren Tagen liest man im Hangprofil förmlich die Handgriffe der Eiszeit; in flachen Sätteln liegen noch Moor- und Blockfelder.

Historisch verliefen hier über Jahrtausende Jagd- und Tauschwege der Ute. Mit dem Silber-Boom in den 1870/80ern wurde die Route zur Lebensader: 1879 brachte die Entdeckung des „Independence“-Vorkommens (benannt nach dem 4. Juli) einen kurzen, heftigen Aufschwung; Wagenstraße, später die heutige CO-82, machten die Querung planbarer, aber nie banal. Spuren dieser Pionierzeit – alte Stützmauern, Minenreste, die Geisterstadt Independence – liegen noch in den Flanken; sie erzählen von Wintern, in denen Lawinen und Schneestürme Orte auslöschten oder verlagerten.

Ökologisch ist der Pass ein alpines Inselbiotop oberhalb der Baumgrenze: Kriechweiden, Polsterpflanzen, Flechten und kurze Gräser nutzen die wenigen frostfreien Wochen; Murmeltiere pfeifen über Schuttkegeln, Schneehühner verschwinden im Fleckenmuster aus Altschnee und Gestein. Das Klima kippt schnell: Sonnige, trockene Luft kann in Minuten zu Nebel, Graupel oder Gewitter werden; der Wind dreht scharf über der Divide. Entsprechend ist die Straße saisonal gesperrt (typisch: späte Frühjahrsöffnung bis in den Herbst, danach Winterpause) – genaue Daten variieren je nach Schneelage.

Für die Fahrt gilt: schmal, kurvig, teils ohne Leitplanken; lange Fahrzeuge und Gespanne haben es schwer. Die Höhe fordert – langsamer fahren, viel trinken, Pausen einlegen; erste Anzeichen von Höhenbeschwerden (Kopfweh, Schwindel) ernst nehmen. Fotografie profitiert von kurzen Wetterfenstern: Nach Nebelaufzug liegen Täler wie Theaterbühnen vor einem, Seitenlicht zeichnet Moränenbögen und Blockhalden, und am Abend brennt Granit im warmen Spektrum. Wer aussteigt, bleibt auf Trittspuren – die alpinen Matten reagieren empfindlich auf Bodenverdichtung, und kleine Abkürzungen hinterlassen große Narben.

Manitou Springs & Colorado Springs — Quellen, roter Stein und die Front Range als Bühne

Manitou Springs entstand an einem Kranz kohlensäurehaltiger Mineralquellen am Fuße von Pikes Peak. Das aufsteigende, mit CO₂ angereicherte Wasser perlt durch Kalk- und Dolomitgesteine; gelöste Minerale geben jeder Quelle einen eigenen Geschmack. Lange vor den Kurhotels des 19. Jahrhunderts nutzten Ute, Cheyenne und Arapaho die Orte als heilige Plätze. Ab den 1870ern wurde Manitou zum Viktorianischen Heilbad: Badehäuser, Veranden, Pavillons – ein Resort-Städtchen, das Reisende und Bergsteiger gleichermaßen anzog. Heute ist der Ort Ausgangspunkt für die Pikes Peak Cog Railway und die berüchtigte Manitou Incline (ehemalige Materialseilbahntrasse, heute hunderte steile Stufen mit Höhenpuls-Garantie). Wer die Quellen besucht, geht von Brunnen zu Brunnen: Jede Zapfstelle hat eine kleine Tafel zu Mineralisierung und Geschichte – eine verkostbare Geologie.

Colorado Springs breitet sich ostwärts der Front Range aus; zwischen Stadt und Bergflanke liegt der Garden of the Gods, ein Naturlehrpfad in Rot. Die steil aufragenden Rippen bestehen überwiegend aus der Fountain Formation (Perm), einem rötlichen Konglomerat-/Sandsteinpaket aus alten Schuttfächern am Fuß aufsteigender Gebirge. Während der Laramischen Orogenese (Spätkreide–Frühtertiär) wurden diese Schichten entlang von Störungszonen aufgerichtet und gekippt – daher stehen sie heute wie Messer im Licht. Dazwischen tauchen hellere Bänke (u. a. Lyons Sandstone) und jüngere, quer darüber liegende Einheiten auf; Differentialerosion meißelt Bögen, Fenster und Balancen (etwa den ikonischen Balanced Rock). Der Name „Garden of the Gods“ stammt aus dem 19. Jahrhundert – eine schwärmerische, aber treffende Reaktion auf ein Gelände, das im Seitenlicht regelrecht zu glühen beginnt.

Kulturell prägten die Ute die Pässe und Tallinien westlich der Städte als Wander- und Jagdwege; im 19. Jahrhundert folgten Garnisonen, Ranching, Bergbau und schließlich der Tourismus. Architekturspuren reichen vom viktorianischen Resortstil in Manitou über Mission-/Pueblo-Revival bis zu klassizistischen Fronten in Colorado Springs. Heute treffen Outdoor-Kultur (Klettern, Trailrunning, Rad), Schutz (als National Natural Landmark) und urbane Freizeit aufeinander – ein Spagat, der nur mit Rücksicht funktioniert: auf den Wegen bleiben, Kryptobiotische Krusten und Vegetationsinseln nicht betreten, Fels nicht beklettern, wo es gesperrt ist (Routen und Brutzeiten beachten).

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