Der Rückweg: Yellowstone (Old Faithful) → Independence Pass → Manitou/Colorado Springs → El Paso
Wir machen uns auf den Rückweg. Vom Yellowstone National Park geht es zurück in die Rocky Mountains und über den Independence Pass zurück nach El Paso.
Die Etappe auf einen Blick
- Abschnitt
- Roadtrip Teil 3 – die Rückreise
- Datum
- bis zum September 2019
- Route
- Yellowstone (Old Faithful) → Independence Pass → Manitou und Colorado Springs
- Unterwegs
- rote Felsformationen am Highway, dünne Luft auf dem Pass, weite Ebenen
- Abschluss
- Rückgabe des Mietwagens und Rückflug nach Deutschland
- Rückblick
- fünf Reittage in der Gila Wilderness und rund eine Woche Roadtrip durch vier Bundesstaaten
Unsere Route & Momente
Nachdem wir noch ein bisschen den Park erkundet haben (Yellowstone ist immer eine Reise wert), geht es für uns auf den Rückweg. Am nächsten Tag erreichen wir die Rocky Mountains.
Nachdem wir Aspen passiert hatten, ging es hoch hinaus. Der höchste Pass war unser Ziel: der Independence Pass.
Hier war es ungewohnt kühl nach der Hitze in Arizona. Und sogar Schnee haben wir gesehen.
Der Independence Pass ist übrigens die Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Pazifik.
Nach einem kurzen Stopp an den Twin Lakes (wo es leider stark geregnet hat) sind wir den Abend noch bis Manitou Springs gefahren, wo wir uns ein Motel genommen haben. Zum Abendessen waren wir dann in Colorado Springs im LongHorn Steakhouse. War tatsächlich sehr gut.
Am nächsten Tag folgten wir dann immer der Interstate Richtung Süden. Nach einem langen Tag kamen wir abends in El Paso an. Dort haben wir dann den Mietwagen abgegeben und noch eine Nacht im Hotel verbracht, bevor am nächsten Tag der Rückflug anstand. Statt wie auf dem Hinweg über Denver und Kopenhagen mit SAS sind wir wegen eines Flugausfalls mit United und Lufthansa über Houston und München nach Hamburg geflogen.




Independence Pass (CO-82) — Dünne Luft, alte Gesteine, Fenster in die Eiszeit
Mit 3.687 m ist der Independence Pass einer der höchsten asphaltierten Pässe Nordamerikas. Er liegt auf der Continental Divide in der Sawatch Range und verbindet die Täler um Twin Lakes im Osten mit Aspen im Westen. Die Kulisse ist ein Geologiemuseum im Freien: sehr alte Metamorphite (Gneise, Schiefer) und Granite bilden das Grundgebirge, von der Laramischen Gebirgsbildung gehoben und in der letzten Kaltzeit von Gletschern zu U-förmigen Trogtälern, Karen und Moränen modelliert. An klaren Tagen liest man im Hangprofil förmlich die Handgriffe der Eiszeit; in flachen Sätteln liegen noch Moor- und Blockfelder.
Historisch verliefen hier über Jahrtausende Jagd- und Tauschwege der Ute. Mit dem Silber-Boom in den 1870/80ern wurde die Route zur Lebensader: 1879 brachte die Entdeckung des „Independence“-Vorkommens (benannt nach dem Juli) einen kurzen, heftigen Aufschwung; Wagenstraße, später die heutige CO-82, machten die Querung planbarer, aber nie banal. Spuren dieser Pionierzeit – alte Stützmauern, Minenreste, die Geisterstadt Independence – liegen noch in den Flanken; sie erzählen von Wintern, in denen Lawinen und Schneestürme Orte auslöschten oder verlagerten.
Ökologisch ist der Pass ein alpines Inselbiotop oberhalb der Baumgrenze: Kriechweiden, Polsterpflanzen, Flechten und kurze Gräser nutzen die wenigen frostfreien Wochen; Murmeltiere pfeifen über Schuttkegeln, Schneehühner verschwinden im Fleckenmuster aus Altschnee und Gestein. Das Klima kippt schnell: Sonnige, trockene Luft kann in Minuten zu Nebel, Graupel oder Gewitter werden; der Wind dreht scharf über der Divide. Entsprechend ist die Straße saisonal gesperrt (typisch: späte Frühjahrsöffnung bis in den Herbst, danach Winterpause) – genaue Daten variieren je nach Schneelage.
Für die Fahrt gilt: schmal, kurvig, teils ohne Leitplanken; lange Fahrzeuge und Gespanne haben es schwer. Die Höhe fordert – langsamer fahren, viel trinken, Pausen einlegen; erste Anzeichen von Höhenbeschwerden (Kopfweh, Schwindel) ernst nehmen. Fotografie profitiert von kurzen Wetterfenstern: Nach Nebelaufzug liegen Täler wie Theaterbühnen vor einem, Seitenlicht zeichnet Moränenbögen und Blockhalden, und am Abend brennt Granit im warmen Spektrum. Wer aussteigt, bleibt auf Trittspuren – die alpinen Matten reagieren empfindlich auf Bodenverdichtung, und kleine Abkürzungen hinterlassen große Narben.
Manitou Springs & Colorado Springs — Quellen, roter Stein und die Front Range als Bühne
Manitou Springs entstand an einem Kranz kohlensäurehaltiger Mineralquellen am Fuße von Pikes Peak. Das aufsteigende, mit CO₂ angereicherte Wasser perlt durch Kalk- und Dolomitgesteine; gelöste Minerale geben jeder Quelle einen eigenen Geschmack. Lange vor den Kurhotels des 19. Jahrhunderts nutzten Ute, Cheyenne und Arapaho die Orte als heilige Plätze. Ab den 1870ern wurde Manitou zum Viktorianischen Heilbad: Badehäuser, Veranden, Pavillons – ein Resort-Städtchen, das Reisende und Bergsteiger gleichermaßen anzog. Heute ist der Ort Ausgangspunkt für die Pikes Peak Cog Railway und die berüchtigte Manitou Incline (ehemalige Materialseilbahntrasse, heute hunderte steile Stufen mit Höhenpuls-Garantie). Wer die Quellen besucht, geht von Brunnen zu Brunnen: Jede Zapfstelle hat eine kleine Tafel zu Mineralisierung und Geschichte – eine verkostbare Geologie.
Colorado Springs breitet sich ostwärts der Front Range aus; zwischen Stadt und Bergflanke liegt der Garden of the Gods, ein Naturlehrpfad in Rot. Die steil aufragenden Rippen bestehen überwiegend aus der Fountain Formation (Perm), einem rötlichen Konglomerat-/Sandsteinpaket aus alten Schuttfächern am Fuß aufsteigender Gebirge. Während der Laramischen Orogenese (Spätkreide–Frühtertiär) wurden diese Schichten entlang von Störungszonen aufgerichtet und gekippt – daher stehen sie heute wie Messer im Licht. Dazwischen tauchen hellere Bänke (u. a. Lyons Sandstone) und jüngere, quer darüber liegende Einheiten auf; Differentialerosion meißelt Bögen, Fenster und Balancen (etwa den ikonischen Balanced Rock). Der Name „Garden of the Gods“ stammt aus dem 19. Jahrhundert – eine schwärmerische, aber treffende Reaktion auf ein Gelände, das im Seitenlicht regelrecht zu glühen beginnt.
Kulturell prägten die Ute die Pässe und Tallinien westlich der Städte als Wander- und Jagdwege; im 19. Jahrhundert folgten Garnisonen, Ranching, Bergbau und schließlich der Tourismus. Architekturspuren reichen vom viktorianischen Resortstil in Manitou über Mission-/Pueblo-Revival bis zu klassizistischen Fronten in Colorado Springs. Heute treffen Outdoor-Kultur (Klettern, Trailrunning, Rad), Schutz (als National Natural Landmark) und urbane Freizeit aufeinander – ein Spagat, der nur mit Rücksicht funktioniert: auf den Wegen bleiben, Kryptobiotische Krusten und Vegetationsinseln nicht betreten, Fels nicht beklettern, wo es gesperrt ist (Routen und Brutzeiten beachten).
FAQ zur Rückreise
Wie lange dauert eine solche Reise insgesamt?
Bei uns rund zwei Wochen: Ankunft in Silver City am August, fünf Reittage vom August in der Gila Wilderness und anschließend ein Roadtrip bis zum Rückflug am September.
Lohnt es sich, Ritt und Roadtrip zu verbinden?
Sehr. Der Flug ist lang und teuer, und die Entfernungen im Westen sind so groß, dass sich ein paar zusätzliche Tage schnell rechnen. Nach fünf Tagen ohne Straße wirkt der Roadtrip außerdem wie ein zweiter, ganz anderer Urlaub.
Braucht man für den Südwesten einen Geländewagen?
Für die Nationalparks und die Highways reicht ein normaler Wagen. Wir waren mit einem SUV unterwegs, was auf der Sandpiste im Monument Valley angenehm war, aber keine Voraussetzung ist – der 17-Meilen-Loop ist bei trockenem Wetter auch mit einem normalen Mietwagen fahrbar, man braucht nur Geduld. Wichtiger als Allradantrieb ist auf dieser Route etwas anderes: genug Zeit für die Etappen und die Bereitschaft, auf Passstraßen wie der CO-82 langsam zu fahren.
Wann ist der Independence Pass befahrbar?
Nur im Sommerhalbjahr. Die CO-82 über den Pass wird jedes Jahr im späten Frühjahr geöffnet und im Herbst wieder für den Winter gesperrt; die genauen Termine hängen von der Schneelage ab. Auch im Sommer kann das Wetter dort oben in Minuten kippen – wir sind Anfang September hinübergefahren und haben nach der Hitze weiter südlich noch Schnee gesehen.
Worauf muss man auf dem Independence Pass achten?
Auf die Höhe und auf die Straße. Mit 3.687 Metern ist er einer der höchsten asphaltierten Pässe Nordamerikas und liegt direkt auf der kontinentalen Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Höhe fordert: langsamer fahren, viel trinken, Pausen einlegen, und erste Anzeichen wie Kopfweh oder Schwindel ernst nehmen. Die Straße selbst ist schmal, kurvig und stellenweise ohne Leitplanken – für lange Fahrzeuge und Gespanne ist sie nichts. Wer aussteigt, bleibt auf den Trittspuren, denn die alpinen Matten oberhalb der Baumgrenze erholen sich von Bodenverdichtung nur sehr langsam.
Was gibt es am Independence Pass außer der Aussicht?
Eine ganze Schichtung an Geschichte. Über Jahrtausende verliefen hier Jagd- und Tauschwege der Ute. Mit dem Silberboom der 1870er und 80er Jahre wurde die Route zur Lebensader: 1879 brachte der Fund des „Independence“-Vorkommens – benannt nach dem Juli – einen kurzen, heftigen Aufschwung. Aus der Wagenstraße von damals wurde die heutige CO-82. In den Flanken liegen noch alte Stützmauern, Minenreste und die Geisterstadt Independence, die von Wintern erzählen, in denen Lawinen ganze Orte auslöschten.
Was ist der Garden of the Gods?
Ein Park voller steil aufragender roter Felsrippen zwischen Colorado Springs und der Front Range. Das Gestein ist überwiegend Fountain Formation aus dem Perm – rötliches Konglomerat und Sandstein aus alten Schuttfächern am Fuß entstehender Gebirge. Bei der Gebirgsbildung wurden diese Schichten entlang von Störungszonen aufgerichtet und gekippt, deshalb stehen sie heute wie Messer im Licht. Die Erosion hat daraus Bögen, Fenster und Balancen gemeißelt, darunter den bekannten Balanced Rock. Der Eintritt ist frei, der Park ist ein National Natural Landmark – entsprechend gilt: auf den Wegen bleiben und nicht klettern, wo es gesperrt ist.
Warum sprudelt in Manitou Springs Mineralwasser?
Weil dort Wasser aufsteigt, das unterwegs mit Kohlensäure angereichert wurde und durch Kalk- und Dolomitgesteine perlt. Dabei löst es Minerale – und weil jede Quelle einen etwas anderen Weg nimmt, schmeckt auch jede anders. Lange vor den Kurhotels nutzten Ute, Cheyenne und Arapaho die Quellen als heilige Plätze; ab den 1870ern wurde daraus ein viktorianisches Heilbad mit Badehäusern und Pavillons. Heute kann man von Brunnen zu Brunnen gehen: An jeder Zapfstelle steht eine Tafel zu Mineralisierung und Geschichte.

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