Du willst deinen ersten eigenen Wanderritt planen, bist aber unsicher, was die Strecke angeht? Du weißt nicht welche Strecke möglich oder geeignet sein könnte? Wir haben Mal ein paar Punkte aufgeschrieben an die man denken sollte. Achtet aber auch immer auf regionale Besonderheiten.
Gute Strecken entstehen nicht zufällig – sie sind geplant. Gerade vor der ersten Wanderreittour entscheidet die Streckenwahl darüber, ob der Tag entspannt und sicher verläuft oder zur zähen Kraftprobe wird. Karten, Apps und schöne Linien auf dem Bildschirm sind nur der Anfang; was zählt, sind tragfähige Wege, realistische Höhenmeter, Wasser- und Pausenpunkte, legale Passage und Rücksicht auf andere. Und vor allem: die Energie deines Pferdes – nicht die Kilometerzahl – ist der Maßstab.
Ziele klären, Etappen sinnvoll zuschneiden, geeignete Wege erkennen (und die riskanten aussortieren), Steigungen und Untergründe real einschätzen, Asphaltanteile begrenzen, Wasserstellen und Übernachtungen einplanen, die Rechtslage beachten und mit Plan B/C Risiken abfedern. Das alles gilt es zu beachten.
Wie man dann von der Idee zum reitbaren GPS Track kommt haben wir in diesem Beitrag erklärt.
1) Ziele klären, bevor du eine Karte öffnest
Bevor du überhaupt eine Karte öffnest, schaffe dir einen klaren Rahmen – wo will ich hin, was will ich sehen, welche Zwischenziele habe ich.
- Tourtyp & Anspruch: Tagesritt, Overnighter (1 Nacht), Wochenendtour, Mehrtagestour.
- Pferde- und Reiterfitness: Realistische Tagesetappen (Faustregel s. unten), Höhenmeter-Toleranz, Erfahrung im Gelände.
- Untergrund-Vorlieben/-Grenzen: Barhuf vs. beschlagen, Hufschuhe ja/nein, Empfindlichkeiten (Schotter, Asphalt, tiefer Sand).
- Logistik: Start/Ziel (Rundkurs oder Punkt-zu-Punkt), Übernachtung (Paddock/Wiese), Wasserstellen, Futter, Notabbruch-Optionen.
- Saison & Wetterfenster: Bodenzustand (nasser Lehm vs. staubige Feldwege), Tageslänge/Licht, Jagd/Forstbetrieb.
Faustregeln Tagesleistung (zur groben Einordnung):
- Einsteiger, flach/gut: 15–20 km / Tag, ≤ 300 hm
- Mittel, gemischt: 20–30 km / Tag, 300–800 hm
- Anspruchsvoll/bergig: 15–25 km / Tag, 600–1200 hm
- Tempo-Denken: Reale Bewegungszeit ~5–6 km/h auf guten Wegen; mit Pausen/Verzögerungen 3–4 km/h über den Tag.
2) Der Planungs-Workflow
Was muss ich eigentlich alles beachten? Welche Schritte sollte ich durchführen, damit ich nichts vergesse.
- Grobrahmen setzen: Orte, Etappenlänge, Übernachtungen/Wasser fixieren (Pins).
- Basislinie zeichnen: Auf Topo-/OSM-Karte eine „Wunschtrasse“ zwischen den Pins (großzügig, noch ohne Feinschliff).
- Untergründe prüfen: Bevorzuge breite Wirtschafts-/Feld-/Forstwege. Meide Singletrails, wenn unklar ob begehbar/reitbar.
- Höhenprofil checken: Längere >10–12 % Gefälle/Anstiege kritisch bewerten; >18–20 % lieber umgehen, v. a. bei losem Schotter, nassem Lehm, Wurzeln.
- Barrieren scannen: Brücken (Belag/Spalten), Gatter/Kissing Gates/Stiles, Viehroste, Bachdurchquerungen (Furtbarkeit) & Zäune (Weidegürtel!).
- Satellit & Street-Level prüfen: Luftbild (gepflügte Felder, verschlossene Hofzufahrten), Mapillary/KartaView für visuelle Hinweise.
- Recht & Regeln gegenchecken: Erlaubnislage (Wald/Feld/Wegklassen), Jagdzeiten/Holzernte-Hinweise, Schutzgebiete.
- Plan B/C einzeichnen: Alternativroute + Abkürzung/Abbruch (Rückweg zur Straße, Bus/Bahn/Hängerpunkt).
- Feinschliff: Kurven glätten, kritische Stellen markieren („Gate?“, „Steil 15 %“, „Furt bei Hochwasser meiden“).
- Test-Ritt: Wenn möglich, einen Teilabschnitt vorab als Tagesritt prüfen („Shakedown“).
Nützliche Tools (Beispiele): OSM-basierte Planer, Topokarten, Höhenprofile, Luftbilder, Mapillary/KartaView. Auf dem Smartphone: Offline-Karten + GPX-Navigation. (Wähle, was du schon kennst – wichtiger als App-Namen ist, dass du Höhenprofil, Untergrund & Alternativen sauber prüfen kannst.)
3) Was ist ein geeigneter Weg fürs Wanderreiten?
Woran erkenne ich einen guten Weg? Gute Reitstrecken sind breit, tragfähig und übersichtlich – dort fühlen sich Pferde sicher und ihr kommt gleichmäßig voran. Schmale Waldwege haben zwar einen hauch von Abenteuer, können aber auch die eine oder andere Überraschung beinhalten. Für den ersten Wanderritt sollte man hier lieber vorsichtig sein, der erste Ritt ist eh schon aufregend genug.
Schon in der Karte trennt sich viel Spreu vom Weizen: Bevorzuge als Einsteiger breite, durchgehende Wirtschafts-/Forstwege (in OSM meist mit „track“ gekennzeichnet) statt schmaler Pfadlinien („path/footway“); prüfe, ob sie logisch Orte verbinden (Höfe, Felder, Schneisen) und keine abrupten Sackgassen bilden. Wenn ein Weg auf der Karte plötzlich aufhört, ist das nur in den seltensten Fällen ein Kartenfehler, sondern hat fast immer einen Grund. Im Zweifel einmal hinfahren und vor Ort die Situation bewerten und den Kontakt zu verantwortlichen suchen (Landwirten / Förstern) ggf. können Sie eine Ausnahmegenehmigung für eine Passage am Feldrand geben. Aber bitte nicht einfach ohne Genehmigung machen.
Ein Blick aufs Höhenprofil und die Höhenlinien hilft: eng aneinander = steil (kritisch bei losem Schotter oder ungeübten Pferden), sanfte Linien = kraftsparend. Achte auf Barrieren-Symbole und Tags: gate/kissing_gate/stile/cattle_grid/steps/bridge/tunnel/ford – alles Punkte, die du vorab bewerten oder vermeiden, dir aber zumindest vorher vor Ort anschauen solltest. In OSM verraten tracktype (grade1–5) und surface (asphalt, gravel, ground, sand) viel über Tragfähigkeit; sac_scale höher als T1 deutet oft auf bergige, pfadige Wanderwege hin – für Einsteiger meist ungeeignet. Access-Hinweise (private/no/seasonal) erfordern in der Regel vorab eine Genehmigung, Brücken mit schmalen Gehwegen oder Gitterrost sind ungeeignet, hier immer eine Alternative suchen, und Ufer-/Hangwege taugen nur, wenn sie breit und befestigt sind.
Wenn du mit den oben genannten Tracktypen und Abkürzungen nichts anfangen kannst, schaue gerne einmal in diesen Beitrag. Hier haben wir das Mal ausführlich erklärt.
Ergänze die Kartensicht mit Satellit (sichtbare Fahrspuren, Bearbeitungsfelder, nasse Senken) und – wo verfügbar – Fotos von Google Street view oder anderen Diensten, für Belag, Breite und Durchgänge. Findest du nichts, fahre vorher hin und schaue dir die Situation vor Ort an. Daumenregel: Wege, die auf der Karte breit, zusammenhängend, legal und topografisch „ruhig“ wirken, sind fast immer die besseren Reitstrecken. Aber auch hier ist man nie vor Überraschungen sicher und steht ggf. plötzlich vor einem runden Schild mit rotem Rand und schwarzem Reiter. Daher sollte man sich immer für unbekannte Wege eine Alternative überlegt haben.
Bevorzugt:
- Breite Feld-/Wirtschaftswege mit fester, feinkörniger Decke (wassergebunden), guter Abfluss, keine tiefen Spurrinnen.
- Forstwege mit mittel-feinem Schotter (keine „Rollkiesel“), frei von massiven Wurzelteppichen.
- Wiesenwege (trocken, tragfähig, keine Sumpfstellen)
- Straßenabschnitte nur kurz & übersichtlich, mit breitem Bankett/Seitenstreifen. (Was es beim Überqueren von Straßen zu beachten gilt, haben wir in diesem Beitrag mal erklärt)
Eher geeignet (situationsabhängig):
- Feinschotter trocken → ok; nass → Rutsch-/Ballinggefahr bei Beschlag.
- Fester Sand (Küstennähe/Heiden) → gut; tiefer Sand → sehr kräftezehrend.
Typische „gute Wege“:
- Sichtbare Nutzung/Spuren (Rad/Traktor), keine Betretungsverbote, gute Breite/Sicht in Kurven, keine abrupten Stufen/Gitter.
4) Warnzeichen für ungeeignete Wege
Mindestens so wichtig ist zu wissen, wann du „nein“ sagst: Diese Warnzeichen deuten auf Stress, Risiko oder unnötige Belastung hin.
- Singletrails mit Wurzelteppichen, Trittstufen, Felsstufen, ausgesetzten Hangquerungen.
- Steile Rampen (lang > 12 %, kurz > 20 %) + loser Untergrund (Geröll, grober Schotter).
- Tiefer Lehm/Matsch, nasse Querfurchen, Spurrinnen mit Kanten.
- Bretterstege, Brücken mit Spalten/Latten, Gitterroste, Metallgitter-Belag (Rutschgefahr, Fugen!).
- Kissing Gates/Stiles, Motorrad-Schikanen, Viehroste ohne Umgehung.
- Bachdurchquerungen ohne tragfähige Ein-/Ausstiege, nach Starkregen oder mit rutschigem Felsbett.
- Dichte Dornenhecken/überhängende Äste, umgestürzte Bäume – Verletzungsgefahr, Ausweichmanöver stressen.
- Verbotsschilder/Privatwege ohne Reiterlaubnis, Hofhöfe als „Abkürzung“.
- Schnellstraßen, Brücken mit engem Gehweg & LKW-Winddruck.
- Schmale Tunnel/Unterführungen (Hall, schlechte Sicht, rutschiger Belag).
5) Höhenmeter & Steigung schnell einschätzen
Höhenmeter sind der heimliche Zeit- und Energiefresser – lies das Profil wie eine Landkarte der Kräfte deines Pferdes.
- Steigungs-Daumenregel: 100 hm pro Kilometer ≈ 10 %.
- Längere Passagen >10–12 % kosten viel Kraft & Zeit, v. a. bergab bei grobem Schotter.
- Kurzrampen >18–20 % möglichst umgehen oder schieben (Untergrund entscheidend!).
- Plane Serpentinen/Gratwege statt direkter „Falllinie“.
6) Asphalt – wie viel ist ok?
Keinem macht das reiten nur auf Straßen Spaß, aber Asphalt ist manchmal unvermeidlich. Entscheide bewusst, wo du ihn kurz nutzt und wo du ihn konsequent meidest.
- So wenig wie möglich. Ideal < 15–20 % des Tages.
- Auf Asphalt mit Beschlag: Rutsch- und Stoßbelastung beachten; wenn möglich weichen Randstreifen nutzen.
- Auf Asphalt ohne Beschlag: Abnutzung des Horns beachten.
- Lange Passagen auf Asphalt bergab → Gelenkbelastung; Alternativen suchen.
7) Wasser, Pausen, Übernachtung
Wasserstellen, sinnvolle Pausen und eine pferdegerechte Nacht bilden das Fundament deiner Etappenplanung – alles andere ordnet sich darum.
- Wasserpunkte einplanen (Brunnen, Bäche, Gasthöfe, Höfe – vorher fragen).
- Rastplätze mit Anbindemöglichkeit; Schatten im Sommer, Windschutz bei Wetter.
- Übernachtungen: Paddock/Wiese, Heu/Wasser, Notfall-Plan (Ausweichhof).
- Zeitpuffer: pro 10 km mind. 1 längere Pause (20–30 min), zusätzlich kurze Stehpausen.
8) Recht, Saison & andere Landnutzer (kurz & wichtig)
Wer Regeln, Saisonarbeiten und andere Waldbesucher respektiert, reitet entspannter und wird auf den meisten Wegen willkommen sein. (Alle Infos zu den saisonalen Besonderheiten und wann wo mit Problemen zu rechnen ist kannst du in diesem Beitrag nachlesen. Hier einmal in Kürze:
- Erlaubnislage variiert je nach Region/Land. Lies die lokalen Regeln (Wald/Feldwege, Reitverbote, Schutzgebiete).
- Forst/Jagd: Holzernte (große Maschinen), Treibjagden/Ansitz – Hinweisschilder respektieren, Wald meiden bei akuten Maßnahmen.
- Wiesen/Mahd/Ernte: frisch eingesäte Flächen, hohe Kulturen, nasse Wiesen nicht bereiten.
- Rücksicht: Klingt banal, erspart Ärger: Langsam an Fußgängern/Rädern vorbei, freundlich grüßen, Hundehalter ansprechen, Zäune/Gatter so verlassen, wie vorgefunden.
9) GPX-Track sauber vorbereiten
Ein sauber strukturierter GPX-Track ist dein roter Faden – klar benannt, mit Punkten, die helfen, wenn es unterwegs darauf ankommt.
- Segmente benennen: „Tag 1 – Hof A → Hof B (22 km, 600 hm)“.
- Wegpunkte setzen: Wasser, Furt, Gatter, Brücke, steil, Notabbruch, Übernachtung, Hufschuh-Check.
- Notizen im Punkt: „Brücke: Bohlen, 3 cm Spalten“, „Furt: nur bei < 20 cm“.
- Offline-Backup: Track + Karten offline speichern, Powerbank/Ladepunkt, Papierkarte als Redundanz.
Alles weitere zum GPS Track und wie du ihn erstellst: Findest du in diesem Beitrag
10) Sicherheit & Risiko-Management
Sicherheit entsteht aus Alternativen: Mit Plan B und C werden Wetter, Technik und kleine Pannen oder gesperrte Wege zu handhabbaren Abzweigungen.
- Plan B/C immer mitführen (Abkürzung/Umleitung).
- Wetterfenster: Gewitter/Hitze/Glätte → Zeiten/Route anpassen.
- Straßenquerungen: übersichtlich, gesammelt, klare Kommandos (ggf. zu zweit sichern).
- Kommunikation: Tagesplan/Haltepunkte mit Kontaktperson teilen; Telefonnummern von Tierarzt/Hufschmied unterwegs.
11) Typische Fehler – die gerade Anfängern immer mal wieder passieren
Viele Probleme wiederholen sich – erkennst du die Klassiker früh, sparst du Nerven, Zeit und vor allem Pferdeenergie.
- Zu lange Etappen am Anfang → starte kürzer, steigere.
- Höhenmeter unterschätzt → Höhenprofil kritisch lesen, Rampen identifizieren.
- Auf Singletrails gelockt (Wander-/MTB-Highlight) → breite Alternativen priorisieren.
- Asphaltstrecken unterschätzt → Abschnitte aufsummieren; aktiv reduzieren.
- Keine Alternativen → mind. eine Alternative & eine Abbruchroute einplanen.
- Wasser vergessen → tägliche Fixpunkte markieren; Plan B bei Ausfall.
- „Sieht auf Luftbild gut aus…“ → Barrieren (Gatter, Roste, Stege) vorab prüfen; Street-View nutzen.
- Felder/Privatwege als Abkürzung → Ärger vorprogrammiert; immer vorher fragen.
12) Untergründe – schnelle Orientierung
| Untergrund | Trocken | Nass | Barhuf | Beschlag | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Feinkörnig wassergebunden | sehr gut | gut | gut | gut | Ideal für Distanzen |
| Feinschotter | gut | mittel | mittel | gut | Nass ggf. rutschig |
| Grobschotter/Geröll | mittel | schlecht | heikel | mittel | Meiden bei Gefälle |
| Waldpfad (Wurzeln) | mittel | schlecht | heikel | heikel | Nur kurz/erfahren |
| Wiese (trocken) | gut | schlecht | gut | gut | Nasse Wiesen sparen, Erlaubnis? |
| Sand (fest) | gut | gut | gut | gut | Top, wenn tragfähig |
| Sand (tief) | mittel | schlecht | heikel | heikel | Kräftefresser |
| Asphalt | gut | gut | mittel | mittel | Kurz halten |
15) Zum Schluss: Denk in „Energie“ statt in „Kilometer“
Der beste Ritt ist der, bei dem ihr mit Reserven ankommt. Plane so, dass Untergrund, Steigungen, Temperaturen und Pausen zur Gesamt-Energiebilanz passen. Wenn du zwischen „kürzer aber angenehm“ und „länger aber grenzwertig“ wählen musst – nimm angenehm. Dein Pferd dankt es dir, und die Motivation für die nächste Tour bleibt hoch.

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