Wanderritt Toskana – Anreise

Der Plan: Ein Wanderritt in der Toskana

Im September war es endlich so weit: Unser Wanderritt in der Toskana stand vor der Tür. Schon fast ein halbes Jahr ist es her, das die Idee aufkam und sich die Gruppe, durch die Organisation von Maria, gefunden hatte. Auch über die Anreise haben wir uns lange Gedanken gemacht, Flug bis Rom und Bahnfahrt, Zugfahrt, selber fahren, alles hatte seine vor und Nachteile. Am Ende wurde daraus ein kleiner Roadtrip mit mehreren Etappen – von Norddeutschland über die Rhön und die Alpen bis nach Il Cornacchino in der südlichen Toskana.

Start im Norden – mit Zwischenstopp bei Hannover

Am Donnerstag gegen Mittag sind wir in Norddeutschland gestartet. Das Auto war vollgeladen: Koffer, Reithelme, Stiefel, Regenzeug – für alle Eventualitäten.

Der erste Zwischenstopp ließ nicht lange auf sich warten: In der Nähe von Hannover nahmen wir eine Mitreiterin mit, die wir schon von Tagesritten in der Rhön kannten. Da sie keinen Führerschein hat, war sie froh, nicht mit Bahn und Bus reisen zu müssen. Für uns war es einfach schön, schon auf der Fahrt gemeinsam in Ritt-Stimmung zu kommen.

Ankommen in der Rhön – Pizzaabend bei den Rhönreitern

Am späten Nachmittag erreichten wir unser erstes Etappenziel: den Hof der Rhönreiter die auch die Organisation übernommen hatten. Hier durften wir übernachten – und am Ende der Reise machten wir hier auch noch einmal Station.

Wir wurden herzlich begrüßt, bezogen unser Zimmer und liefen wenig später mit einigen leeren Pizzakartons wieder zurück in die Stube. Der Abend war herrlich unkompliziert: Pizza, Getränke, Geschichten von vergangenen Ritten und die Vorfreude auf die Toskana. Irgendwann fielen wir müde, aber zufrieden ins Bett – der erste Reisetag war geschafft.

Freitag: Frühstück in der Rhön, Abendessen im Engadin

Am Freitagmorgen kam eine weitere Mitreiterin aus Schweinfurt dazu. Beim gemeinsamen Frühstück waren wir nun schon zu fünft. Die Route Richtung Süden wurde noch einmal besprochen – dann starteten wir mit zwei Autos. Jeder Wagen durfte sein eigenes Tempo fahren, Pausen machen nach Lust und Laune. Kein Stress, kein Zeitdruck.

Unser Auto legte am Fernpass eine ausgiebige Mittagspause ein. Wir parkten mit Blick auf die Berge und zauberten ein kleines Picknick aus dem Kofferraum. Während wir uns noch über Käse und Brot hermachten, zog plötzlich unser zweites Auto an uns vorbei – zu spät gesehen, um noch zu winken oder sie zum Anhalten zu bringen. Egal, Wiedersehen war spätestens am Tagesziel verabredet.

Nach dem Fernpass wartete eine Baustellenampel mit entsprechendem Rückstau auf uns. Gut eine Stunde Stop-and-go – aber wir hatten es nicht eilig. In Landeck tankten wir und besorgten die Vignette für Österreich, denn aufgrund einer Baustelle mussten wir durch den mautpflichtigen Tunnel Richtung Nauders.

Kurz vor Nauders bogen wir Richtung Schweiz ab. Unser Ziel für diesen Tag: San Jon oberhalb von Scuol, ein Reit- und Ferienbetrieb im Engadin. Hier sollten wir übernachten – und wussten da schon: Eigentlich ist das allein schon eine Reise wert.

San Jon – Reitluft schnuppern in der Schweiz

In San Jon wurden wir sehr herzlich empfangen. Kaum hatten wir das Auto abgestellt, führte man uns über die Anlage, zeigte die Weiden, den Sattelraum, die Zimmer. Wir fühlten uns sofort wohl.

Kurz nach uns traf auch das zweite Auto ein – perfektes Timing. Am Abend saßen wir gemeinsam zusammen, sprachen über vergangene Ritte und hörten gespannt zu, was San Jon alles anbietet. Insgeheim entstand hier schon der Plan, irgendwann einmal einen Ritt von dort aus zu machen. Zwei Jahre später wurde aus der Idee dann unser Drei-Länder-Ritt Schweiz–Österreich–Italien.

Samstag: Reschenpass, Poebene und der erste Blick auf den Apennin

Am Samstag ging es weiter Richtung Süden. Zuerst fuhren wir über den Reschenpass nach Italien. Unterwegs bremsten uns immer wieder Demonstrationen von Landwirten und anderen Gruppen aus – in manchen Dörfern waren Straßen komplett gesperrt, wir mussten warten oder Umwege fahren.

Irgendwann hatten wir jedoch alles hinter uns gelassen und erreichten die Autobahn. Im Vorfeld hatten wir über den ADAC eine Mautbox besorgt. Gold wert: An den Mautstationen konnten wir einfach die Telepass-Spuren nutzen, durchfahren und die Maut automatisch abrechnen lassen – während sich auf den normalen Spuren lange Schlangen bildeten.

Die Kilometer flogen dahin. Bald ließen wir die Berge hinter uns und tauchten in die weite Poebene ein. Der Blick veränderte sich: statt schroffer Gipfel nun Felder, Industriegebiete, Städte. In der Ferne zeichnete sich bald der Apennin ab – als bläuliche Hügelkette am Horizont, unser stiller Begleiter auf dem Weg Richtung Toskana.

An einer Raststätte trafen wir durch Zufall zwei weitere Mitreiter, die wir von anderen Ritten bereits kannten. Die Welt der Wanderreiter ist manchmal erstaunlich klein.

Modena, Bologna, Florenz – und die letzten Kurven nach Il Cornacchino

Von dort ging es über Modena und Bologna weiter in Richtung Florenz. Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft toskanischer: sanfte Hügel, Weinreben, Olivenhaine, Zypressenalleen und kleine Dörfer auf Hügelkuppen.

Hinter Florenz verließen wir irgendwann die Autobahn. Die letzten Kilometer führten über kurvige Landstraßen durch kleine Dörfer und Wälder, bis schließlich das Schild von Il Cornacchino auftauchte. Noch ein paar Kurven, eine Schotterstraße – dann hatten wir unser Reitzuhause für die kommenden Tage erreicht.

Ankommen auf Il Cornacchino

Auf dem Hof mussten wir uns erst einmal orientieren: Wo parken wir, wo ist die Rezeption, wo sind die Zimmer? Nach kurzer Zeit war alles geklärt, wir konnten einchecken und unser Gepäck ins Zimmer bringen.

Nach und nach trafen auch die anderen Autos ein. Am Abend saßen wir alle gemeinsam beim ersten toskanischen Abendessen zusammen: Pasta, Wein, Antipasti – und sehr viel Vorfreude.

Unser Guide Giulio stellte sich vor. Jeder erzählte kurz von Reiterfahrung und Vorlieben – mehr Schritt oder mehr Galopp, eher die ruhigen oder die lebhafteren Pferde. Giulio hörte aufmerksam zu. Man merkte, dass er innerlich schon begann, die Pferde zuzuordnen.

Spät am Abend fielen wir müde ins Bett. Die Hinreise war geschafft, morgen sollte der Einführungsritt starten – und damit das eigentliche Abenteuer im Sattel.

Rhön

Die Rhön ist ein Mittelgebirge im Dreiländereck Bayern–Hessen–Thüringen. Ein großer Teil der Region ist seit 1991 als länderübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat geschützt.
Typisch für die Rhön sind offene Kuppen mit weitem Fernblick – das „Land der offenen Fernen“ –, Basaltkuppen vulkanischen Ursprungs, Moore und strukturreiche Kulturlandschaft.

Für Reiter ist die Rhön ein ideales Gebiet: gut markierte Wege, abwechslungsreiche Landschaft und Höfe wie die Rhönreiter, die auf Wanderreiten und Gastpferde eingestellt sind.

Reschenpass

Der Reschenpass (Passo di Resia) ist ein Alpenpass auf rund 1500 m Höhe und verbindet das obere Inntal bei Nauders mit dem Vinschgau in Südtirol.
Er liegt auf der Wasserscheide zwischen Inn (Donau) und Etsch (Mittelmeer) und ist einer der wichtigen Nord-Süd-Übergänge im Westen der Ostalpen – gerade für Urlauber, die wie wir Richtung Südtirol und Italien unterwegs sind.

Apennin

Der Apennin (Apennine Mountains) ist ein Gebirgszug, der sich über rund 1200–1400 km als „Rückgrat“ der italienischen Halbinsel erstreckt – von Nordwestitalien bis hinunter nach Kalabrien.
Die Berge sind deutlich niedriger als die Alpen, prägen aber große Teile der italienischen Landschaft: Hügelland, Bergwiesen, Wälder, kleine Dörfer und Bergpässe. Wenn man aus der Poebene nach Süden fährt, erscheinen sie zunächst als blaue Hügel am Horizont – genau so, wie wir sie auf der Hinreise zum ersten Mal gesehen haben.

Toskana

Die Toskana ist eine Region in Mittelitalien, bekannt für ihre sanften Hügel, Weinberge, Olivenhaine und Zypressenreihen.
Abseits der bekannten Kunststädte wie Florenz oder Siena prägen vor allem ländliche Gebiete das Bild: Agriturismi, kleine Bergdörfer, historische Orte auf Tuffsteinfelsen und eine lange Weintradition, etwa im Chianti.
Für einen Wanderritt ist die Toskana ideal: abwechslungsreiche Landschaft, viel Reittradition und – nicht zu vergessen – eine hervorragende Küche.

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