Waldbetretungsrecht Wanderreiten – Landwirtschaft, Jagd & Rücksicht
Wer mit Pferd im Gelände unterwegs ist, bewegt sich immer auch im Spannungsfeld zwischen Waldbetretungsrecht, Landwirtschaft und Jagd. In jedem Bundesland gelten etwas andere Regeln, dazu kommen Naturschutzgebiete, Jagdzeiten und die berechtigten Interessen von Waldbesitzern, Jägern und Landwirten.
In dieser Rubrik geht es um Waldbetretungsrecht beim Wanderreiten und wie man Konflikten mit Jägern und Landwirten von vornherein vermeidet:
- Welche Wege darfst du mit Pferd nutzen?
- Was ist in Wald und Feld erlaubt?
- Wie funktionieren Reit- und Fahrwege?
- Wo wird es rechtlich heikel?
- Jagd- und Brutzeiten, Schusssignale, Weidezäune und Wildschutz
- Der respektvolle Umgang mit Wiesen, Feldern und Vieh
Ziel ist nicht, Paragrafen auswendig zu lernen, sondern die wichtigsten Regeln zu kennen und Konflikte von vornherein zu vermeiden. Die folgenden Artikel helfen dir, Touren rechtssicher zu planen, Hinweise im Gelände richtig zu deuten und mit Förstern, Jägern und Landwirten auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.
Wo gilt was? Die Karte
Klick oder tippe auf ein Bundesland – rechts stehen der Grundsatz, die Kennzeichenpflicht und der Weg zum ausführlichen Beitrag. Die Farbe zeigt, wie streng das Land das Reiten an Wege bindet.
- Nur auf ausgewiesenen Reitwegen (5)
- Auf geeigneten Wegen (7)
- Auf allen Wegen und Straßen (4)
Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG (vereinfachte Umrisse). Die Angaben sind ein Kurzüberblick und ersetzen keine Rechtsberatung.
Grundlagen und Überblick
Drei Beiträge, die für alle Bundesländer gelten – und die Karte oben erklären.

Die Regeln aller Bundesländer
Der Überblick mit klickbarer Karte: wo du in welchem Land reiten darfst, wo eine Plakette Pflicht ist und wie streng das Wegegebot ausfällt.

Konflikte mit Land- und Forstwirtschaft
Holzernte, bestellte Äcker, Weidezäune und Vieh: wie du Ärger mit Landwirten und Förstern gar nicht erst entstehen lässt.

Naturschutz, Brutzeiten und Jagd
Was im Jahreslauf gilt: Schutzgebiete, Brut- und Setzzeiten und die Termine, an denen du dem Wald besser fernbleibst.
Norden und die Stadtstaaten
Von Schleswig-Holstein bis Niedersachsen – und die drei Stadtstaaten in einem Beitrag.

Schleswig-Holstein
Reitwege sowie gewidmete und befestigte Straßen. Keine landesweite Plakette – im Sachsenwald gilt aber eine eigene Reitkarte.

Mecklenburg-Vorpommern
Nur auf gekennzeichneten Reitwegen. Eine Kennzeichenpflicht für das Pferd gibt es nicht.

Niedersachsen
Auf Reitwegen und Fahrwegen. Eine Plakette kann per Verordnung angeordnet werden.

Hamburg, Bremen und Berlin
Drei Länder, drei Regeln: Hamburg mit Plakettenpflicht am Pferd, Bremen ohne, Berlin nur auf ausgewiesenen Reitwegen.
Westen
Vier Länder, die von der strengsten Kennzeichnung bis zum großzügigsten Waldgesetz reichen.

Nordrhein-Westfalen
Private Straßen, Fahrwege und Reitwege – dazu die strengste Kennzeichnung im Land: Plakette beidseitig, mit Jahresmarke.

Hessen
Auf befestigten oder naturfesten Wegen, ohne Plakettenpflicht. Entscheidend ist, was der Weg aushält.

Rheinland-Pfalz
Auf Straßen und Waldwegen – eines der offensten Modelle, und bewusst ohne Reitabgabe.

Saarland
Auf allen Wegen und Straßen, ohne Kennzeichenpflicht. Das großzügigste Waldgesetz der Republik.
Süden
Zwei Länder, zwei Extreme: das eine bindet ans ausgewiesene Reitwegenetz, das andere an die Eignung des Weges.

Bayern
Auf Straßen und geeigneten Wegen. Ausdrücklich ungeeignet sind unbefestigte Rückegassen, Steige und Lehrpfade.

Baden-Württemberg
Nur auf ausgewiesenen Reitwegen – eines der strengsten Modelle. Breite und Zustand eines Weges spielen keine Rolle.
Osten
Vier Länder mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, was ein reitbarer Weg ist.

Brandenburg
Nur auf zweispurig befahrbaren Wegen, im Wald wie in der freien Landschaft. Hunde dürfen nur angeleint mit.

Sachsen
Nur auf markierten Reitwegen. Die Kennzeichenpflicht wurde 2015 gestrichen.

Sachsen-Anhalt
Auf geeigneten Privatwegen, ohne Plakettenpflicht.

Thüringen
Auf geeigneten Waldwegen – mit Kennzeichenpflicht: die Plakette gehört beidseitig an den Kopf des Pferdes.
Häufige Fragen
Darf ich überall im Wald reiten?
Nein, und die Regeln unterscheiden sich je Bundesland erheblich. Manche erlauben das Reiten auf allen geeigneten Wegen, andere beschränken es auf ausgewiesene Reitwege. Dazu kommen Naturschutzgebiete mit eigenen Auflagen.
Warum ist Rücksicht auf Landwirte so wichtig?
Weil Wiesen und Felder Arbeitsflächen sind. Hufspuren in einer nassen Wiese oder im jungen Aufwuchs bedeuten echten Schaden – und sie sind der häufigste Grund, warum Reitern Wege irgendwann verwehrt werden.
Was muss ich zur Jagd wissen?
Vor allem, dass es Jagdzeiten gibt und Drückjagden ganze Reviere betreffen können. Ein kurzer Blick auf Hinweisschilder und Aushänge erspart unangenehme Begegnungen.
Muss ich die Paragrafen auswendig können?
Nein. Ziel ist nicht, Gesetzestexte zu lernen, sondern die Lage vor Ort richtig einzuschätzen und Konflikte von vornherein zu vermeiden. Wer weiß, warum eine Regel existiert, trifft auch ohne Paragraf die richtige Entscheidung.