Tag 4 (Fronleichnam): Von Kleinkahl nach Möbris
Am Morgen holten wir nach dem Frühstück die Pferde von der Weide und machten uns auf den Weg zum letzten Tag der Räuberromantik Trails. Zunächst folgten wir einem kleinen Weg – und neben uns waren extrem viele Radfahrer unterwegs. So viele hatten wir auf einem Ritt noch nie auf einmal gesehen.
Der Grund lag auf der Hand: wieder bestes Wetter, und dazu Fronleichnam in Bayern – also Feiertag. Mehr Menschen draußen, mehr Bewegung auf den Wegen, mehr „Freizeitrauschen“ in der Landschaft.
Vormittag: Aus dem Trubel zurück in den Wald
Erst bei Schöllkrippen konnten wir den Weg verlassen und waren nun wieder alleine im Wald. Der Wechsel war fast körperlich spürbar: eben noch Verkehr und Tempo – und plötzlich wieder nur Hufschlag und Vogelstimmen.
Mittag: Hof Hauenstein & Pferdesegnung
Der Weg führte vorbei an Wiesen und Feldern bis zum kleinen Ort Krombach. Dort durchquerten wir den Ort und folgten einem Feldweg bis zu unserem Ziel für die Mittagspause: Hof Hauenstein. Hier fand an diesem Feiertag eine Pferdesegnung statt.
Wir blieben etwa zwei Stunden. Solche Traditionen zeigen, wie stark Reiten in manchen Regionen nicht nur Sport, sondern Kultur und Gemeinschaft ist.
Nachmittag: Gemeinsam mit fremden Pferden
Nach der Pause machten wir uns gemeinsam mit den Pferden des Hofes auf den Weg – denn genau dort würden unsere Pferde heute Abend bleiben. Die Hofgruppe war ebenfalls früh morgens losgeritten, um an der Segnung teilzunehmen. Neben uns waren viele Reiter aus umliegenden Höfen dort – wir hatten definitiv die weiteste Anreise.
Am Anfang war die Gruppe etwas unruhig: Fremde Pferde in der Herde verändern Dynamik, Abstände und Tempo. Aber es beruhigte sich schnell. Sobald die Rangordnung „akzeptiert“ war, wurde daraus ein gemeinsamer, runder Ritt.
Abends: Ziel erreicht – letzter Reittag
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Möbris. Für uns war es zugleich der letzte Reittag. Wir verbrachten den Abend im nahen Gasthaus, während die Pferde im Betrieb bleiben konnten. Dieses Ende fühlte sich rund an: ein Feiertag, ein besonderer Rahmen – und ein würdiger Abschluss.
Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi
- Offizieller Name: „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ (lat. Corpus Christi).
- Kerninhalt: Das Fest betont die Gegenwart Christi in der Eucharistie – also nicht „ein historisches Ereignis“, sondern eine liturgische Aussage über das Sakrament.
- Termin im Kirchenjahr: Gefeiert wird es am 2. Donnerstag nach Pfingsten (in vielen Regionen gesetzlicher Feiertag).
Historischer Ursprung (warum es dieses Fest überhaupt gibt)
- Einführung als Kirchenfest: Papst Urban IV. führte das Fest im Jahr 1264 für die lateinische Kirche ein – maßgeblich über die Bulle „Transiturus“.
- Hintergrund: Im Hochmittelalter wuchs das Bedürfnis, die Eucharistie nicht nur im Messritus, sondern auch in einem eigenen Fest sichtbar zu verehren – das wurde liturgisch und volksreligiös sehr wirkmächtig.
Prozession & Monstranz: Das „öffentliche Zeichen“
- Typisches Brauchtum: In vielen Orten findet eine Prozession statt, bei der die Eucharistie in einer Monstranz durch Straßen und Fluren getragen wird.
- Symbolik: Die Prozession ist Ausdruck davon, dass der Glaube „nicht nur in der Kirche“ stattfindet, sondern in die Welt hinausgetragen wird (oft mit Altären/Stationen).
Wortherkunft: Warum „Fronleichnam“ nichts mit Tod zu tun hat
- Mittelhochdeutsch: vrône lîcham bedeutet „des Herren Leib“ – „fron“ im Sinne von „dem Herrn gehörend“, „lichnam“ im ursprünglichen Sinn „Leib“ (nicht „Leichnam“ im heutigen Sprachgefühl).
- Missverständnis: Der Name wirkt modern oft „düster“, ist aber sprachgeschichtlich klar religiös und nicht todesbezogen.
Pferdesegnung – warum Tiere in manchen Regionen feierlich gesegnet werden
- Was ist eine Pferdesegnung? Eine Segnung ist ein kirchlicher Ritus, in dem um Schutz, Gesundheit und Bewahrung gebeten wird – oft verbunden mit Gebet und dem Besprengen mit Weihwasser.
- Wichtig: Im Brauchtum wird das manchmal „Weihe“ genannt, liturgisch korrekt ist aber meist die Segnung (keine „Weihe“ im engeren Sinn).
- Historischer Kern: Ursprung ist die Bedeutung von Pferden als Arbeits-, Last- und Zugtiere – die Segnung war (und ist) Dank, Bitte um Schutz und Ausdruck ländlicher Frömmigkeit.
Leonhardi: Pferdewallfahrten mit Tiersegnung
- Heiliger Leonhard: Leonhard von Limoges wird als Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere verehrt, heute besonders der Pferde; sein Gedenktag ist der 6. November.
- Leonhardifahrten/-ritte: In vielen Regionen (besonders im süddeutschen/alpenländischen Raum) sind Leonhardi-Prozessionen zu Pferd mit Tiersegnung überliefert – häufig jahrhundertealt.
Georgiritt: Reiten als Wallfahrtstradition
- Was ist ein Georgiritt? Pferdewallfahrten zu Ehren des heiligen Georg – ebenfalls häufig historisch gewachsen und regional verschieden ausgeprägt.
- Kulturelle Funktion: Diese Ritte verbinden Glauben, Gemeinschaft und regionale Identität; Pferde werden festlich geschmückt, die Strecke ist zugleich religiöse Handlung und öffentliches Ereignis.
Warum das in Franken/Untermain gut „passt“
- Katholische Prägung: In vielen Orten Unterfrankens sind Prozessions- und Segnungstraditionen (z.B. an Hochfesten oder lokalen Patronatsfesten) fest verankert.
- Heutige Rolle: Neben dem religiösen Gehalt ist es häufig auch ein lebendiges Kulturerbe: Brauch, Begegnung, Sichtbarkeit von Pferdehaltung und Reitkultur.
Krombach (Unterfranken) – Kahlgrund-Gemeinde mit dem Hof Hauenstein
- Lage: Krombach liegt im Kahlgrund (Bayerischer Untermain) zwischen Schöllkrippen und Mömbris.
- Verwaltung: Die Gemeinde gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen.
- Ortsteile/Höfe: Genannt werden u.a. Unterkrombach, Mittelkrombach, Oberkrombach, Oberschur – sowie die Höfe Hauenstein (relevant als Veranstaltungs-/Hofstandort in der Region).
- Höhenlage: In Übersichten wird Krombach um ca. 254 m Höhe geführt (taltypisch für den Kahlgrund).
Name & Landschaftsbezug
- Namensdeutung (lokal): Der Name wird häufig mit einem Bachlauf („Krombach“) in Verbindung gebracht; als Alternative wird eine Ableitung aus „Kronach“ (Krone + Bach) diskutiert.
- Landschaftscharakter: Typisch sind Talräume, Wiesenflächen, bachbegleitende Siedlungsbänder – eingerahmt von Spessart-Ausläufern.
Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte (sehr kompakt)
- Mittelalter: Teile des Gebiets standen im Hochmittelalter im Besitz der Grafen von Rieneck; Krombach war Sitz eines Landgerichts.
- Frühe Neuzeit: Nach dem Aussterben der Rienecker (1559) kam Krombach an das Erzstift Mainz; 1666 übernahm die Familie von Schönborn das Landgericht – Krombach wurde Mittelpunkt ihrer Besitzungen im oberen Kahltal.
- 19. Jahrhundert: Im Zuge der bayerischen Verwaltungsreformen entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeindeform.
Schöllkrippen – Marktort im oberen Kahlgrund am Spessart-Rand
- Status: Schöllkrippen ist ein Markt im Landkreis Aschaffenburg (Unterfranken) und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen.
- Lage: Am westlichen Rand des Spessarts, im oberen Kahlgrund – also genau in dem Übergangsraum aus Talwiesen, Waldhängen und Spessart-Ausläufern.
Geschichtliche Eckpunkte (warum der Ort verwaltungshistorisch wichtig ist)
- Erste urkundliche Erwähnung: Im Landkreis-Überblick wird eine Erwähnung aus dem Jahr 1184 genannt.
- Zentgericht („Cent“): Schöllkrippen war bereits 1450 Amtssitz eines Zentgerichts – einer mittelalterlichen Gerichts- und Verwaltungseinheit, die für die Region prägend war.
- Historische Bausubstanz: Im Ortskern verweisen Gebäude wie das (heute) Rathaus/Schloss, Kapellen- und Speicherbauten auf diese Verwaltungszeit.
Regionale Rolle heute
- Zentralort-Funktion: Durch die Lage hat sich Schöllkrippen im oberen Kahlgrund zu einem Versorgungs- und Einkaufsstandort entwickelt – ein typisches Muster für Talorte mit guter Erreichbarkeit am Rand großer Waldgebiete.
- Warum das fürs Unterwegssein zählt: Zentralorte bündeln Infrastruktur (Läden, Handwerk, Verwaltung) – auch wenn man sie auf einem Ritt nur „streift“, erklären sie die Verkehrs- und Wegedichte an Feiertagen.

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