Der vierte Tag ist die längste Etappe des Rondatrails: über 42 Kilometer, gut zehn Stunden unterwegs – und der Tag, an dem das Gebirge endgültig hinter uns liegt. Aus steilen, steinigen Pfaden werden sandige Wege durch die Ebene, und zum ersten Mal seit Tagen kann wieder galoppiert werden.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 4 des Rondatrails – vom Gebirge in die Weite der Ebene
- Datum
- Oktober 2017, Aufbruch 07:48 Uhr im Dunkeln
- Route
- Alcalá de los Gazules Richtung Vejer de la Frontera
- Strecke
- 42,4 Kilometer – die längste des Trails
- Dauer
- 10 Stunden 19 Minuten
- Höhenmeter
- 595 im Aufstieg, 639 im Abstieg
- Höhe
- 27 bis 191 Meter, im Mittel 75
- Steigung
- im Schnitt 2,6 %, maximal 13,6 %
- Unterwegs
- Halt an der Ermita de los Santos; endlich wieder Galoppstrecken
Ein früher Start im Zwielicht
Der Tag begann noch vor Sonnenaufgang. In völliger Dunkelheit bereiteten wir die Pferde vor – einzig das Licht der Scheinwerfer unseres Begleitfahrzeugs half uns, Sättel und Gepäck zu richten. Es war kühl und still, nur das leise Schnauben der Pferde und das Rascheln der Ausrüstung waren zu hören.
Kurz darauf brachen wir auf, und während die Sonne langsam über den Hügeln erschien, lag die Landschaft in warmem, goldenem Licht. Bei 42 Kilometern hat der frühe Start einen sehr praktischen Grund: Was man in der Kühle des Morgens schafft, muss man nachmittags nicht in der Hitze schaffen.
Bildstrecke: der Aufbruch im Zwielicht und der Sonnenaufgang – sechs Aufnahmen zum Durchklicken.
Vorbei an Alcalá de los Gazules
Unser Weg führte an Alcalá de los Gazules vorbei, dem weißen Dorf, das am Vorabend unser Etappenziel gewesen war. Es thront auf einem Felsen am Rand des Naturparks Los Alcornocales und bietet einen weiten Blick über die Ebene bis zur Atlantikküste. Alcalá gilt als das Tor zum Korkeichen-Naturpark – für uns war es an diesem Morgen der Ausgang daraus.
Warum diese Dörfer weiß sind und was das „de la Frontera“ vieler Nachbarorte bedeutet, steht im Bericht zu Tag 3.


Halt an der Ermita de los Santos
Nicht weit hinter Alcalá machten wir Halt bei einer weiß getünchten Kapelle auf einer Anhöhe: der Ermita de los Santos. Von außen schlicht, innen überraschend prächtig – ein vergoldeter Altar, eine ausgemalte Kuppel, Heiligenfiguren in Nischen und ein Kruzifix, an dem Votivgaben hängen.

Ein weiß getünchtes Wegkreuz kündigt die Kapelle an.
Die Ermita de los Santos
Die Kapelle ist der Virgen de los Santos geweiht, der Schutzpatronin von Alcalá de los Gazules. Ihre Ursprünge reichen ins 14. Jahrhundert zurück; der heutige Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde auf den Resten eines Vorgängerbaus errichtet.
Hier findet eine der bedeutendsten romerías der Comarca La Janda statt – die Wallfahrt zur Virgen de los Santos, jährlich am Sonntag vor dem September. Bemerkenswert ist außerdem die Sammlung gemalter Votivtafeln: Sie gilt als die größte und beste Andalusiens, die älteste stammt von 1758. Jede dieser Tafeln erzählt von einer überstandenen Not – Krankheit, Unfall, Sturz.
Dass eine so aufwendig ausgestattete Kirche einsam auf einer Anhöhe zwischen Olivenbäumen steht, ist typisch für Andalusien: Wallfahrtskapellen liegen bewusst außerhalb der Orte, damit die Romería einen Weg hat.
Bildstrecke: das Innere der Ermita – neun Aufnahmen zum Durchklicken.
Galopp durch die Ebene
Kurz nach dem Besuch der Ermita änderte sich die Landschaft spürbar. Der Boden wurde sandiger, die Hügel flacher – und endlich konnten wir nach Tagen im Schritt auch einmal galoppieren.
Das ist der Reiz dieser Etappe: Sie ist die längste der Woche, fühlt sich aber leichter an als die 30 Kilometer des Vortags. Im Mittel lagen die Wegpunkte auf nur 75 Metern Höhe, die durchschnittliche Steigung bei 2,6 Prozent. Nach zwei Tagen Korkeichenwald mit 25 Prozent Maximalsteigung ist das eine andere Welt.
Über scheinbar endlose Wege ging es dem Etappenziel entgegen – vorbei an abgeernteten Feldern, an Rinderherden und an Eukalyptusreihen, die Schatten auf den Sandweg warfen.
Bildstrecke: der lange Weg durch die Ebene – neunzehn Aufnahmen zum Durchklicken.
Hier sind wir geritten
Die aufgezeichnete Route mit Höhenprofil: 42,4 Kilometer – die längste Etappe des Trails.

Fazit des vierten Tages
42,4 Kilometer sind eine Hausnummer, aber dieser Tag ist nicht der anstrengendste. Er ist der Tag des Übergangs: Morgens noch im Dunkeln satteln, mittags eine barocke Wallfahrtskapelle mitten im Nichts, nachmittags die ersten Galoppstrecken seit Ronda. Und am Horizont zeichnet sich zum ersten Mal ab, wohin das Ganze führt – ans Meer.
Am nächsten Tag ist es so weit: Rondatrail – Tag 5. Der Vortag mit der Maultierherde steht in Tag 3; alle Berichte auf der Seite zum Ronda-Trail in Andalusien.
FAQ zum Rondatrail – Tag 4
Wie lang ist die längste Etappe des Rondatrails?
42,4 Kilometer am vierten Tag, in 10 Stunden und 19 Minuten. Trotz der Länge ist sie weniger anstrengend als die Bergetappen: nur 595 Höhenmeter im Aufstieg, im Schnitt 2,6 Prozent Steigung.
Kann man auf dem Rondatrail galoppieren?
In den ersten Tagen kaum – dort ist der Boden zu steinig und zu steil. Ab dem vierten Tag, wenn die Ebene beginnt und der Boden sandig wird, gibt es wieder Galoppstrecken.
Warum startet man auf dem Rondatrail vor Sonnenaufgang?
Weil die Etappen lang sind und die Hitze im Tagesverlauf zunimmt. Am vierten Tag haben wir die Pferde noch im Licht der Scheinwerfer des Begleitfahrzeugs gesattelt und sind aufgebrochen, während die Sonne aufging.
Was ist die Ermita de los Santos bei Alcalá de los Gazules?
Eine Wallfahrtskapelle, geweiht der Virgen de los Santos, der Schutzpatronin von Alcalá. Ihre Ursprünge reichen ins 14. Jahrhundert, der heutige Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert. Jährlich am Sonntag vor dem September findet hier eine der bedeutendsten Romerías der Comarca La Janda statt.
Was sind Votivtafeln, und warum sind die in der Ermita besonders?
Gemalte Bilder, die Gläubige zum Dank für eine überstandene Not stiften – Krankheit, Unfall, Sturz. Die Sammlung der Ermita de los Santos gilt als die größte und beste Andalusiens; die älteste Tafel stammt von 1758.

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