Der fünfte Tag ist der, auf den der ganze Rondatrail zuläuft: Aus den Bergen bei Ronda ist längst Ebene geworden, und am Ende dieses Tages stehen die Pferde im Atlantik. Dazwischen liegen weite Galoppstrecken, Stierweiden – und ein Meer, das den ganzen Tag lang näher kommt.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 5 des Rondatrails – durch die Ebene zum Meer
- Datum
- Freitag, 6. Oktober 2017, Aufbruch 10:26 Uhr
- Route
- von Vejer de la Frontera an die Küste bei Barbate
- Strecke
- 27,6 Kilometer
- Dauer
- 7 Stunden 38 Minuten
- Höhenmeter
- 224 im Aufstieg, 261 im Abstieg
- Höhe
- 0 bis 84 Meter – der Trail erreicht Meereshöhe
- Steigung
- im Schnitt 1,5 %, maximal 12,5 %
- Gelände
- flach und offen, ausgedehnte Galoppstrecken, zum Schluss Sandstrand
Endgültig raus aus den Bergen
Heute verließen wir endgültig die Bergwelt und ritten in die flache, offene Landschaft Andalusiens. Der Kontrast zu den vorherigen Tagen war deutlich spürbar: kaum Steigungen, fast durchgehend eben. Kaum hatten wir gestartet, bot sich Gelegenheit für ausgedehnte Galoppaden – eine willkommene Abwechslung nach den langsamen Bergpassagen.
Die Zahlen zeigen den Unterschied deutlich: 224 Höhenmeter im Aufstieg gegenüber 998 am dritten Tag, mittlere Steigung 1,5 statt 6,1 Prozent, und der tiefste Punkt liegt bei null Metern. Tiefer geht es nicht.
Bildstrecke: der Weg durch die Ebene – fünf Aufnahmen zum Durchklicken.
Durch Stierweiden und Tradition
Immer wieder passierten wir Stierweiden, ein typisches Bild dieser Region. Die Gegend ist bekannt für Stierzucht und Stierkampftradition. Da die Pferde die Stiere gewohnt waren, haben sie die Tiere aber nicht wirklich interessiert – ein beruhigender Umstand, wenn man an einem Zaun entlangreitet, hinter dem eine Herde steht.


Der Osborne-Stier
Die schwarze Stiersilhouette auf der Anhöhe ist eines der bekanntesten Bilder Spaniens – und ursprünglich reine Werbung. Der Grafiker Manolo Prieto entwarf sie 1956 für den Weinbrand Veterano des Hauses Osborne; ab Mai 1957 wurden die ersten Figuren aufgestellt, damals vier Meter hoch und aus Holz.
1961 wuchsen sie auf sieben Meter, und nachdem 1962 vorgeschrieben wurde, dass Reklametafeln 125 Meter von der Straße entfernt stehen müssen, auf 14 Meter. So groß sind sie bis heute: rund 70 Metallplatten, etwa 150 Quadratmeter Fläche, vier Tonnen Gewicht.
1988 verbot ein Straßengesetz die Reklame an Fernstraßen, 1994 folgte die Abrissanordnung – woraufhin der Schriftzug entfernt wurde. Im Dezember 1997 entschied das oberste spanische Gericht, dass die Stiere stehen bleiben dürfen: Sie hätten inzwischen ein ästhetisches und kulturelles Eigeninteresse jenseits der Werbung. Heute stehen noch 88 Stück in Spanien, die meisten davon – 21 – in Andalusien.
Wir erreichen das Meer
Schon am frühen Vormittag war das Meer am Horizont zu erkennen – zunächst nur als feiner blauer Streifen, kaum unterscheidbar vom Himmel. Mit jeder Stunde kam es näher. Die Luft wurde kühler, und ein salziger Geruch war wahrnehmbar.
Wir ritten zunächst noch durch endlose Stierweiden, über trockene Erde, auf der nur spärlich Gras wuchs. Kein Schatten, kein Windschutz – nur die weite Landschaft.
Am Nachmittag war das Meer schließlich so nah, dass man das Rauschen der Brandung hören konnte, gedämpft, aber unverkennbar. Der salzige Wind brachte Abkühlung, die Luft schmeckte anders. Wir ritten weiter, bis die Weiden sich öffneten und der Sand unter den Hufen weicher wurde.
Und dann war es da: das Meer, greifbar, lebendig, grenzenlos. Nach Tagen in den Bergen und Wäldern Andalusiens fühlte sich dieser Moment nicht wie ein Ziel an, sondern wie ein langsames Ankommen – als hätte uns der Weg selbst hierhergeführt, Schritt für Schritt.
Bildstrecke: die Ankunft am Atlantik bei Barbate – acht Aufnahmen zum Durchklicken.
Reiten am Strand – worauf es ankommt
Ein Strandritt sieht auf Bildern mühelos aus, verlangt aber Aufmerksamkeit. Weicher, trockener Sand kostet die Pferde viel Kraft; der feste, nasse Streifen kurz oberhalb der Brandung trägt dagegen gut. Genau dort reitet man.
Salzwasser ist für Pferdebeine kein Problem, im Gegenteil – kühles Meerwasser tut nach langen Etappen gut. Wichtig ist nur, dass die Hufe hinterher nicht dauerhaft nass bleiben und dass man nach dem Ritt Sand aus Gurtlage und Sattelblättern klopft, bevor er scheuert.
Und eines sollte man nicht unterschätzen: Für viele Pferde ist die Brandung neu. Wellen, die kommen und wieder gehen, sind etwas anderes als eine Furt. Unsere Pferde kannten das Meer – deshalb ging es hier so ruhig zu.
Hier sind wir geritten
Die aufgezeichnete Route mit Höhenprofil: 27,6 Kilometer bis an den Atlantik.

Fazit des fünften Tages
Das ist der Tag, für den man einen Punkt-zu-Punkt-Trail bucht statt eines Rundritts. Man reitet nicht im Kreis, sondern von den Bergen ans Meer – und weil das Meer den ganzen Tag lang am Horizont steht und langsam näher kommt, spürt man diese Richtung mit jeder Stunde.
Am letzten Tag geht es die Küste entlang weiter: Rondatrail – Tag 6. Die lange Etappe des Vortags steht in Tag 4; alle Berichte auf der Seite zum Ronda-Trail in Andalusien.
FAQ zum Rondatrail – Tag 5
Wann erreicht der Rondatrail das Meer?
Am fünften Tag, nachmittags. Die Etappe führt über 27,6 Kilometer von Vejer de la Frontera an die Atlantikküste bei Barbate; der tiefste Punkt der Aufzeichnung liegt bei null Metern.
Reitet man auf dem Rondatrail am Strand?
Ja, am fünften und sechsten Tag. Geritten wird auf dem festen, nassen Sandstreifen kurz oberhalb der Brandung – trockener Tiefsand kostet die Pferde zu viel Kraft.
Kann man in der Ebene endlich galoppieren?
Ja. Ab dem vierten Tag wird das Gelände flach und der Boden sandig; am fünften gibt es ausgedehnte Galoppstrecken. Die mittlere Steigung liegt bei 1,5 Prozent gegenüber 6,1 Prozent an der Bergetappe.
Was hat es mit den schwarzen Stier-Silhouetten in Spanien auf sich?
Das sind die Osborne-Stiere, 1956 von Manolo Prieto als Reklame für den Weinbrand Veterano entworfen. Heute sind sie 14 Meter hoch und wiegen vier Tonnen. Nach dem Werbeverbot von 1988 wurde 1994 der Abriss angeordnet, doch 1997 entschied das oberste Gericht, dass sie als Kulturgut bleiben dürfen. 88 stehen noch, 21 davon in Andalusien.
Sind Stierweiden für Reiter gefährlich?
Auf unserem Ritt nicht. Wir sind mehrfach an Stierweiden vorbeigekommen; die Pferde waren die Tiere gewohnt, und die Stiere haben sich nicht für uns interessiert.







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