Blick zwischen den Ohren des Pferdes auf einen Reiter, der durch ein hohes Maisfeld reitet, dahinter das bewaldete Felsplateau

Balkantrail Bulgarien – Tag 6: Freilichtmuseum Etar und die letzte Etappe

Der letzte Tag des Balkantrails führte uns noch einmal durch die weiten Ebenen Bulgariens – mit viel Sonne, warmen Temperaturen und dem unverwechselbaren Summen der Bremsen, die uns schon am ersten Tag willkommen geheißen hatten. Davor lag allerdings noch ein Abstecher, der so gar nicht nach Reiten aussah.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 6 des Balkantrails – die letzte Etappe
Datum
August 2017
Vormittag
Besuch im Freilichtmuseum Etar bei Gabrowo
Streckenführung
von der Pension in der Ebene zurück zum Stall – der Rundritt schließt sich
Gelände
offene Felder im Wechsel mit kleinen Wäldern – wie am ersten Tag
Wetter
heiß, viele Bremsen; Schatten war der Luxus des Tages
Danach
am Folgetag Rückreise über Sofia und Warschau

Vormittag im Freilichtmuseum Etar

Am Vormittag legten wir einen Stopp im Museumsdorf Etar (Etara) bei Gabrowo ein – ein Ort, der sich anfühlt, als wäre die Zeit um 200 Jahre zurückgedreht worden. Schon beim Betreten der Kopfsteinpflastergassen fällt der Blick auf die restaurierten Häuser der bulgarischen Wiedergeburtszeit mit ihren Erkern, Holzbalkonen und bunten Fassaden. Überall ranken Weinreben entlang der Häuserfronten, und aus kleinen Werkstätten dringen das Klopfen von Hämmern, das Schleifen von Holz und der Duft von frisch gebackenem Brot.

Entlang eines kleinen Bachlaufs reihen sich alte Werkstätten, in denen noch heute wasserkraftbetriebene Maschinen laufen – eine Mischung aus Natur und Technik, die man sonst selten so unmittelbar sieht. In den offenen Werkstätten konnten wir Kunsthandwerker bei der Arbeit beobachten: Kupferschmiede, Holzschnitzer, Töpfer und Weber zeigen ihr traditionelles Können, und vieles kann man direkt vor Ort erwerben.

Wir schlenderten durch die schattigen Gassen, überquerten kleine Steinbrücken und ließen die Atmosphäre auf uns wirken – ein stiller, authentischer Einblick in das ländliche Bulgarien vergangener Zeiten, der gut zu unserem Trail passte.

Bildstrecke: Etar – Gassen, Werkstätten und Wasserräder in sieben Aufnahmen.

Etar und Gabrowo

Das Freilichtmuseum Etar liegt rund acht Kilometer südlich von Gabrowo und wurde 1963 gegründet. Es versammelt Bauten aus der ganzen Region entlang einer Kopfsteinpflasterstraße; in mehr als zwanzig Werkstätten führen Handwerker Techniken des 19. Jahrhunderts vor – Textilarbeit, Metallverarbeitung, Töpferei und mehr. Der Bachlauf, der durch das Dorf führt, treibt die Maschinen bis heute an.

Gabrowo selbst liegt auf 329 Metern im Tal der Jantra am Nordhang des Balkangebirges und hat rund 43.700 Einwohner. Als Zentrum der Textilindustrie trug die Stadt den Beinamen „bulgarisches Manchester“; bekannt ist sie außerdem für ihr internationales Satirefestival.

Die Lage am Nordhang erklärt auch, wohin uns der Abstieg von Tag 5 geführt hat: nicht nach Süden in die Thrakische Tiefebene, sondern nach Norden in den Vorbalkan, das Hügelland zwischen Gebirge und Donauebene.

Vertraute Landschaften – die letzte Etappe

Nach dem Zwischenstopp haben wir die Pferde gesattelt, und es ging los auf die letzte Etappe. Sie erinnerte stark an den Start unserer Tour: Offene Felder wechselten sich mit kleinen Wäldern ab, die immer wieder wohltuenden Schatten spendeten.

Die Sonne brannte kräftig, und die Bremsen waren zahlreich und aufdringlich – jedes Mal, wenn wir in einen Wald ritten, waren wir dankbar für die kurze Abkühlung und die relative Ruhe. Die Pferde schienen sich ebenfalls über jede schattige Passage zu freuen. Es ist ein passender Abschluss, denn der Balkantrail ist ein Rundritt: Diese letzte Etappe führt zurück zu dem Stall, an dem die Woche begonnen hat. Man reitet durch dieselbe Landschaft wie am ersten Tag – nur dass man sie jetzt anders liest.

Blick zwischen den Ohren des Pferdes auf einen Reiter, der durch ein hohes Maisfeld reitet, dahinter das bewaldete Felsplateau
Durch die Maisfelder des Vorbalkans – im Hintergrund noch einmal die Felskante des Gebirges.

Ein ruhiger Ausklang

Nach den anspruchsvollen Bergetappen der vergangenen Tage war dieser Tag deutlich entspannter. Das Gelände war flach, die Wege gut zu reiten. So blieb Zeit, die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen: die Ausblicke, die Hüttenabende, der Sonnenaufgang auf dem Gipfel und die vielen kleinen Momente, die diesen Trail besonders gemacht haben.

Bulgariens ländlicher Raum

Die Ebene Bulgariens ist auch heute noch stark landwirtschaftlich geprägt. Weite Sonnenblumenfelder, Getreide- und Maisanbau und Viehzucht bestimmen vielerorts das Landschaftsbild. Kleine Dörfer mit traditionellen Häusern, oft mit Holzbalkonen und roten Ziegeldächern, vermitteln einen Eindruck vom ländlichen Leben, das hier vielerorts noch ursprünglich und entschleunigt ist.

Für Wanderreiter hat das einen praktischen Vorteil: Es gibt viele unbefestigte Wege, wenig Verkehr und kaum Zäune. Der Nachteil ist derselbe wie am ersten Tag – im Sommer fehlt in dieser offenen Landschaft schlicht der Schatten.

Abschied vom Trail

Mit dieser Etappe endete unsere sechstägige Balkantrail-Reise – eine Tour voller landschaftlicher Vielfalt, körperlicher Herausforderungen und unvergesslicher Erlebnisse. Am Abend saß die Gruppe ein letztes Mal gemeinsam am Tisch, und die Pferde standen in ihren Boxen.

Ein Tag in Sofia

Am nächsten Tag haben wir uns wieder auf den Weg nach Sofia gemacht und die Stadt noch kurz besucht, bevor wir am Abend über Warschau zurückflogen. Sofia ist die Hauptstadt Bulgariens und liegt, anders als der Zentralbalkan, in einem weiten Becken – der Kontrast zum Gebirge könnte kaum größer sein.

Auf dem kurzen Rundgang lagen die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren vergoldeten Kuppeln, das Parlamentsgebäude und die weiten Plätze der Innenstadt. Wer nach einem Wanderritt einen Tag in Sofia anhängt, bekommt in wenigen Stunden einen guten Querschnitt: Kirchen, Sozialismus-Architektur und Denkmäler auf engem Raum.

Bildstrecke: Sofia – Kathedrale, Parlament und Plätze in sieben Aufnahmen.

Rückflug über Warschau

Am Abend ging es zurück – mit derselben Verbindung wie auf dem Hinweg, über Warschau. Beim Start noch einmal ein Blick von oben auf das Becken von Sofia und die Kette des Balkangebirges dahinter, in der wir eine Woche lang unterwegs waren. In Warschau haben wir das Umsteigen übrigens genutzt und einen Zwischenstopp eingelegt – das gehört aber schon nicht mehr zum Ritt.

Bildstrecke: der Rückweg – vom Anflugblick bis zum Sonnenuntergang über den Wolken.

Fazit des sechsten Tages

Der letzte Tag ist kein Höhepunkt und soll auch keiner sein. Er schließt den Kreis: dieselben offenen Felder, dieselbe Hitze, dieselben Bremsen wie am ersten Tag – nur dass dazwischen 1.000 Höhenmeter Aufstieg, eine Nacht über der Baumgrenze, ein Sonnenaufgang auf dem Gipfel und ein Abstieg zum Führen liegen.

Eine Einordnung der ganzen Woche mit Veranstalter, Pferden und Empfehlungen steht in der Zusammenfassung der Reitwoche. Der Vortag mit dem Abstieg in die Ebene steht in Tag 5, alle Berichte auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien.

Ein Teil der Fotos dieser Etappe stammt von einer Mitreisenden – vielen Dank dafür.

Hinweis: Wenn du beim Klick auf „Nächster Etappenbericht“ auf der Startseite landest, ist der nächste Artikel vermutlich noch nicht veröffentlicht.

FAQ zum Balkantrail Bulgarien – Tag 6

Was ist das Freilichtmuseum Etar?

Ein ethnografisches Freilichtmuseum rund acht Kilometer südlich von Gabrowo, gegründet 1963. Entlang einer Kopfsteinpflasterstraße stehen Bauten aus der ganzen Region; in mehr als zwanzig Werkstätten führen Handwerker Techniken des 19. Jahrhunderts vor. Die Maschinen werden bis heute vom Bach angetrieben, der durch das Dorf läuft.

Wo liegt Gabrowo?

Auf 329 Metern im Tal der Jantra, am Nordhang des Balkangebirges, mit rund 43.700 Einwohnern. Als Zentrum der Textilindustrie trug die Stadt den Beinamen „bulgarisches Manchester“; bekannt ist sie außerdem für ihr internationales Satirefestival.

Wie ist die letzte Etappe des Balkantrails zu reiten?

Deutlich entspannter als die Bergetappen: flaches Gelände, gut zu reitende Wege, offene Felder im Wechsel mit kleinen Wäldern. Sie führt zurück zum Ausgangsstall und schließt damit den Rundritt. Anstrengend ist an ihr nur die Hitze – und die Bremsen, die in der offenen Landschaft wieder zahlreich sind.

Lohnt sich nach dem Ritt noch ein Tag in Sofia?

Ja. Wir haben die Stadt am Tag nach der letzten Etappe besucht, bevor es am Abend über Warschau zurückging. In wenigen Stunden bekommt man einen guten Querschnitt: die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren vergoldeten Kuppeln, das Parlamentsgebäude und die weiten Plätze der Innenstadt.

In welche Richtung führt der Balkantrail insgesamt?

Als Rundritt: vom Stall im Bergvorland nach Süden hinauf zur Hütte Mazalat auf gut 1.500 Meter, dann nach Osten auf Höhe, danach über 1.000 Höhenmeter hinunter in die Ebene und schließlich zurück zum Ausgangspunkt. Gabrowo, der Ort des Museumsdorfs Etar, liegt ebenfalls am Nordhang – die Reise bleibt also durchgehend auf der Nordseite des Balkangebirges.

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