Der dritte Tag des Rondatrails bringt zusammen, was einen Wanderritt ausmacht: zwei Berge, eine Maultierherde mitten auf dem Weg, einen Engpass zum Absteigen und Führen – und am Abend das erste weiße Dorf am Rand des Korkeichenwaldes.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 3 des Rondatrails – zwischen Felsen, Herden und engen Pfaden
- Datum
- Oktober 2017, Aufbruch 08:35 Uhr
- Route
- durch den Naturpark Los Alcornocales nach Alcalá de los Gazules
- Strecke
- 30,7 Kilometer
- Dauer
- 9 Stunden 47 Minuten
- Höhenmeter
- 998 im Aufstieg, 1.079 im Abstieg
- Höhe
- 91 bis 579 Meter, im Mittel 303
- Steigung
- im Schnitt 6,1 %, maximal 25,5 %
- Besonderheit
- Maultierherde auf dem Weg; Engpass, an dem geführt werden musste
Noch einmal durch den Korkeichenwald
Wir starteten bereits in den frühen Morgenstunden – heute stand uns eine nahezu zehnstündige Etappe bevor. Die Landschaft erinnerte stark an den Vortag: Den Großteil des Tages waren wir noch immer im Naturpark Los Alcornocales unterwegs, begleitet von den allgegenwärtigen Korkeichen.

Stetes Auf und Ab – zwei Berge als Hürden
Auch wenn es kaum Platz für Galopp gab – das Gelände war oft zu steil und zu steinig –, überraschte uns der Tag mit zwei bergigen Abschnitten, die wir überwinden mussten. Besonders eindrucksvoll waren die Momente, wenn wir oben ankamen: der Blick war einfach grandios.
In Zahlen sind es 998 Höhenmeter im Aufstieg und 1.079 im Abstieg – nach der langen Etappe des Vortags noch einmal fast tausend Meter aufwärts. Von den Höhen aus reichte der Blick bei klarer Luft schon nach Westen in die Ebene, in die es in den kommenden Tagen gehen sollte.
Bildstrecke: die Aussichten von den beiden Bergen – sieben Aufnahmen zum Durchklicken.
Begegnung mit einer Maultierherde
Zu den Höhepunkten des Tages zählte ein ungeplantes Zusammentreffen mit einer Maultierherde. Kurz gesagt: Wir ritten um eine Wegbiegung und standen ohne Vorwarnung mitten drin.



Die Tiere schauten nur neugierig, liefen uns kurz hinterher und verschwanden dann genauso schnell, wie sie gekommen waren. Ende gut, alles gut. Solche Begegnungen sind auf einem Wanderritt der Normalfall und selten ein Problem – Pferde und Maultiere verstehen einander gut. Heikel wird es eher, wenn eine Herde die Gruppe auseinandertreibt oder wenn es keinen Platz zum Ausweichen gibt.
Engpass und Klettereinlage
Kurz bevor wir am Abend unser Ziel erreichten, wurde der Weg sehr eng, und wir mussten über große Felsbrocken klettern. Am Ende haben wir uns entschieden, kurz abzusteigen und die Pferde ein Stück zu führen, bis die engste und steilste Stelle überwunden war.


Am Ende des folgenden Videos kann man gut erahnen, wie eng der Weg zeitweise war. An den engsten und steilsten Stellen gab es naturgemäß keine Möglichkeit zu filmen – dort galt die ganze Aufmerksamkeit dem Pferd und dem Weg.
Ankunft in Alcalá de los Gazules
Am Abend erreichten wir Alcalá de los Gazules am Rand des Naturparks – und damit die Grenze der Korkeichenwälder. Wir verabschiedeten uns also symbolisch von ihnen und begrüßten ein neues Kapitel der Reise: Ab hier wird es flacher, offener und wärmer, und in drei Tagen steht das Meer vor uns.


Die weißen Dörfer und das „de la Frontera“
Alcalá de los Gazules ist eines der pueblos blancos, der weißen Dörfer Andalusiens. Ihre kalkgeweißten Fassaden sind kein Dekor, sondern Bauphysik: Weiß reflektiert das Sonnenlicht, und die Kalktünche wirkt zugleich desinfizierend. Zusammen mit dicken Mauern und engen Gassen hält das die Häuser im Sommer erträglich kühl.
Viele Orte der Region tragen Zusätze, die von ihrer Geschichte erzählen. „Alcalá“ geht auf das arabische al-qalʿa zurück, die Burg – fast alle diese Dörfer sind um eine Festung auf einem Felssporn gewachsen. Und das „de la Frontera“, das die Nachbarorte tragen, erinnert an die Jahrhunderte, in denen hier die Grenze zwischen dem christlichen Kastilien und dem maurischen Emirat von Granada verlief.
Für Wanderreiter sind diese Dörfer die natürlichen Etappenziele: Sie liegen erhöht, haben Wasser, und man sieht sie schon von weitem – was am Ende eines zehnstündigen Tages ein sehr willkommener Anblick ist.
Bildstrecke: Eindrücke vom dritten Tag – einundzwanzig Aufnahmen zum Durchklicken.
Abend in Alcalá
Zum Abschluss des Tages der Blick von der Höhe über die Ebene, in der die Sonne unterging – und danach das, worauf man sich nach zehn Stunden im Sattel am meisten freut: ein gedeckter Tisch.


Hier sind wir geritten
Die aufgezeichnete Route mit Höhenprofil: 30,7 Kilometer bis Alcalá de los Gazules.

Fazit des dritten Tages
Tag 3 ist der abwechslungsreichste der ersten Wochenhälfte: fast tausend Höhenmeter aufwärts, zwei Gipfelblicke, eine Maultierherde und ein Engpass, an dem geführt werden musste. Und er ist ein Wendepunkt – mit Alcalá de los Gazules endet der Korkeichenwald, der zwei Tage lang alles bestimmt hat.
Am nächsten Tag folgt die längste Etappe der Woche: über 40 Kilometer Richtung Küste. Rondatrail – Tag 4. Der Vortag im Korkeichenwald steht in Tag 2; alle Berichte auf der Seite zum Ronda-Trail in Andalusien.
FAQ zum Rondatrail – Tag 3
Wie lang ist die dritte Etappe des Rondatrails?
30,7 Kilometer in 9 Stunden und 47 Minuten, mit 998 Höhenmetern im Aufstieg und 1.079 im Abstieg. Die Wegpunkte lagen zwischen 91 und 579 Metern.
Muss man auf dem Rondatrail absteigen und führen?
Am dritten Tag ja. Kurz vor dem Etappenziel wird der Weg sehr eng und führt über große Felsbrocken; dort sind wir abgestiegen und haben die Pferde ein Stück geführt.
Begegnet man beim Wanderreiten in Andalusien freilaufenden Tieren?
Ja. Wir sind um eine Wegbiegung geritten und standen mitten in einer Maultierherde. Die Tiere waren nur neugierig, liefen kurz mit und verschwanden wieder. Heikel wird es eher, wenn eine Herde die Reitgruppe auseinandertreibt oder der Weg kein Ausweichen zulässt.
Was ist ein pueblo blanco?
Eines der weißen Dörfer Andalusiens. Die kalkgeweißten Fassaden reflektieren das Sonnenlicht, und die Tünche wirkt zugleich desinfizierend; zusammen mit dicken Mauern und engen Gassen bleiben die Häuser im Sommer erträglich kühl. Alcalá de los Gazules ist eines davon.
Woher kommt der Zusatz „de la Frontera“ in vielen andalusischen Ortsnamen?
Er erinnert an die Jahrhunderte, in denen hier die Grenze zwischen dem christlichen Kastilien und dem maurischen Emirat von Granada verlief. „Alcalá“ wiederum geht auf das arabische al-qalʿa zurück, die Burg.
Wo endet der Korkeichenwald auf dem Rondatrail?
Bei Alcalá de los Gazules am Rand des Naturparks Los Alcornocales. Ab dort wird die Landschaft flacher, offener und wärmer – die letzten drei Tage führen zur Atlantikküste.

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