Tag 2: Entlang des Fiora zu Etruskerwegen und Tuffgräbern
Jetzt geht’s richtig Los. “Wanderritt Toskana”. Wir verlassen den Hof und gehen auf Tour. Wir freuen uns auf das was da noch kommen mag.
Start in den ersten „richtigen“ Reittag
Der zweite Tag war die erste volle Etappe – wir würden Il Cornacchino hinter uns lassen und abends in einem anderen Agriturismo ankommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zu den Pferden.
Das Team hatte sie bereits weitgehend vorbereitet. Wir kontrollierten noch einmal Sattel, Gurt und Gepäck – dann ritten wir los.
Abstieg ins Tal und entlang des Flusses Fiora
Zunächst führte der Weg stetig bergab. An einer besonders steilen Stelle stiegen wir ab und führten die Pferde zu Fuß – sicher ist sicher, vor allem am Beginn einer Woche. Unten im Tal erreichten wir den Fiora.
Jetzt im Spätsommer war er eher ein Rinnsal, das sich durch ein breites Flussbett schlängelte. Wenn man jedoch sieht, wie weit sich das Bett ausdehnt, bekommt man eine Vorstellung davon, wie viel Wasser hier zeitweise unterwegs ist. Tatsächlich ist der Fiora ein Fluss, der am Monte Amiata entspringt und nach gut 80 km ins Tyrrhenische Meer mündet.
Am Ufer konnten wir schon aus der Ferne den Teamwagen erkennen. Nach einem kurzen Trab erreichten wir unseren ersten Picknickplatz des Tages. Die Pferde wurden an Bäume gebunden, und wir ließen uns das reichhaltige Picknick schmecken.
Durch Felder, Weinreben und den ersten Etruskerweg
Nach der Pause ging es weiter – vorbei an Feldern und den ersten Weinreben, die typisch für die ländliche Toskana sind.
Schließlich tauchte vor uns der erste Etruskerweg des Rittes auf: ein in den Tuffstein eingetiefter Hohlweg, dessen Wände teilweise bis über Kopfhöhe reichten.
Diese sogenannten Vie Cave oder „Hohlwege“ wurden vor über 2000 Jahren von den Etruskern in den weichen Tuff gegraben. Manche dieser Korridore sind bis zu 20 Meter tief und wirken fast wie natürliche Kathedralen aus Stein – nur, dass sie von Menschenhand geschaffen wurden.
Es ist ein besonderes Gefühl, mit Pferden durch diese schattigen Schluchten zu reiten, während oben nur ein schmales Band Himmel zu sehen ist.
esuch im Parco Archeologico „Città del Tufo“
Am Ende eines dieser Wege erreichten wir einen Bereich des Parco Archeologico Città del Tufo. Das archäologische Gebiet rund um Sorano und Sovana fasst mehrere etruskische Nekropolen zusammen – darunter Felsgräber, Siedlungsreste und die berühmten Hohlwege.
Wir banden die Pferde an und gingen zu Fuß hinüber zu den Grabanlagen:
– Tomba Ildebranda
– Tomba dei Demoni Alati
– Tomba Pola
Die monumentalen Felsfassaden und Treppen, die direkt aus dem Tuffstein geschlagen wurden, wirken beeindruckend – besonders, wenn man bedenkt, dass sie ohne moderne Technik vor über 2000 Jahren geschaffen wurden. Der Abstecher ist definitiv eine Empfehlung wert, wenn man sich für Geschichte und Archäologie interessiert.
Weiter durch Felder zum Agriturismo
Nach der Besichtigung stiegen wir wieder auf. Der Weg führte weiter durch Felder, Weinreben und einen weiteren Etruskerweg, bevor wir unser Ziel erreichten: ein Agriturismo, also ein Bauernhof mit Gästezimmern.
Wir wurden mit typisch italienischer Gastfreundschaft begrüßt. Die Pferde wurden abgesattelt und auf eine Koppel gebracht. Im Hof liefen sehr viele neugierige Katzen herum, die uns den ganzen Abend über beobachteten.
Es gab erneut ein fantastisches Abendessen – so reichhaltig, dass trotz hungriger Reiter noch etwas übrig blieb. Müde, aber zufrieden fielen wir in unsere Betten.
Parco Archeologico „Città del Tufo“
Der Parco Archeologico Città del Tufo umfasst mehrere archäologisch bedeutende Areale in der Gemeinde Sorano in der Provinz Grosseto.
Dazu gehören etruskische Nekropolen, Felsdörfer und die berühmten Vie Cave – tief in den Tuffstein eingeschnittene Wege. Der Park wurde Ende der 1990er-Jahre gegründet, um diese Stätten gemeinsam zu verwalten und für Besucher zugänglich zu machen
Tuffstein
Tuff ist ein relativ weiches Gestein, das aus verfestigter Vulkanasche besteht. Es entsteht, wenn bei einem Vulkanausbruch Asche ausgeworfen und später zu einem kompakten Gestein verbacken wird.
Weil Tuff leicht zu bearbeiten ist, wurde er in Italien schon in der Antike als Baumaterial genutzt – auch von den Römern, etwa für Mauern und Gebäude in Rom.
In der südlichen Toskana bilden mächtige Tuffschichten den Untergrund. In diese weichen Felsen haben die Etrusker ihre Hohlwege und Felsgräber gegraben – und genau dort sind wir an diesem Tag entlanggeritten.
Tomba Ildebranda, Tomba dei Demoni Alati & Tomba Pola
Die Tomba Ildebranda, Tomba dei Demoni Alati und Tomba Pola gehören zu den bekanntesten Felsgräbern im Bereich von Sovana innerhalb des Parco Città del Tufo.
Die Fassaden sind direkt in den Tuffstein geschlagen und erinnern teilweise an Tempelarchitektur. Ursprünglich waren viele Elemente farbig bemalt. Heute vermitteln die Gräber einen eindrucksvollen Einblick in die Bestattungskultur der Etrusker – und in ihre Fähigkeit, die weichen Tufffelsen kunstvoll zu bearbeiten.
Etrusker & Etruskerwege (Vie Cave)
Die Etrusker waren eine hochentwickelte Kultur im vor-römischen Italien, die ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. vor allem in Mittelitalien – auch in der heutigen Toskana und in Latium – lebte.
Die sogenannten Etruskerwege oder Vie Cave sind mehrere Meter tiefe Hohlwege, die in den weichen Tuffstein eingeschnitten wurden. Ihre genaue Funktion ist bis heute nicht vollständig geklärt – vermutet werden Verkehrswege, Prozessionswege oder auch Wasserableitungen. Sicher ist: Sie sind mehrere tausend Jahre alt und zählen zu den faszinierendsten archäologischen Strukturen der Region.
Fluss Fiora
Der Fiora ist ein Fluss in Mittelitalien. Er entspringt an der Südflanke des Monte Amiata in der Toskana und fließt dann durch die Maremma von Lazio, bevor er nach rund 80 Kilometern in der Nähe von Montalto di Castro ins Tyrrhenische Meer mündet.
Sein breites, oft steiniges Flussbett zeigt, wie stark der Wasserstand je nach Jahreszeit schwanken kann – im Sommer häufig nur ein Rinnsal, im Winter ein mächtiger Strom. Für unseren Wanderritt war der Fiora vor allem eines: ein schöner Platz für Picknicks und Pferdetränken.

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