Wintersternritt in Brandenburg – Tag 1

Tag 1 – Mondlicht, Seen und Schloss Meseberg

Wir nehmen uns 3 Tage Auszeit für einen Wintersternritt in Brandenburg

Ankommen, einteilen, losreiten

Um 09:00 Uhr trafen wir uns am Hof – alle Reiter zusammen, ein bisschen aufgeregt, ein bisschen verfroren und vor allem gespannt, wie sich drei Tage Winter im Sattel anfühlen würden. Unsere Rittführerin fragte kurz nach der Reiterfahrung, teilte die Pferde ein – und dann ging’s direkt zur Weide: Pferde einfangen, putzen, satteln, ein letzter Check am Gurt.

Bei ungefähr 0 °C zogen wir uns an wie Zwiebelschichten auf vier Beinen: Thermo hier, Buff da, Handschuhe drüber – und trotzdem war klar: Warm wird uns heute nicht durch die Lufttemperatur, sondern durch die Kilometer.

Durch Wälder, über Wiesen, vorbei an Seen

Der Vormittag fühlte sich an wie ein Brandenburg-Best-of: Waldwege, offene Wiesenpassagen und immer wieder Wasserflächen, die im Winterlicht plötzlich riesig wirken. Es war diese Mischung aus “eigentlich ruhig” und “trotzdem passiert ständig etwas” – ein Rascheln am Wegesrand, ein Vogelruf, das gleichmäßige Schnauben der Pferde.

Mittagspause in Lindow: Glühwein, Pizza, auftauen

Unser Ziel für die Mittagspause war Lindow – und ganz ehrlich: Eine Pizzeria hat selten so gut gerochen wie an diesem Tag. Draußen banden wir die Pferde sicher an, drinnen gab’s Glühwein und Pizza – das perfekte Gegenprogramm zu kalten Zehen.

Wir blieben etwa zwei Stunden. Zeit genug, um wieder Gefühl in die Finger zu bekommen und sich innerlich auf den Rückweg einzustellen.

Rückweg mit Schlossmoment

Nach der Pause ging es wieder an einem See vorbei, dann hinein in dichteren Wald. Am Nachmittag tauchte Schloss Meseberg auf – ein Ort, der sofort eine andere Atmosphäre mitbringt. Es ist nicht nur ein Schloss, es ist (heute) auch als Gästehaus der Bundesregierung bekannt.

Ab hier wechselte der Charakter der Strecke: mehr Feldwege, mehr Wind – und man merkte innerhalb von Minuten, wie viel “Wärme” der Wald vorher eigentlich geschenkt hatte.

Dämmerung, Lagerfeuer, Mondlicht – und plötzlich Schatten

Die Dämmerung setzte früh ein. Als wir an einem weiteren See entlangritten, saßen Jugendliche am Ufer an einem kleinen Lagerfeuer. Flackerndes Licht, dunkler werdender Himmel – und Pferde, die zum Glück einfach ihren Job machten: kurz gucken, weiterlaufen.

Dann wurde es richtig dunkel. Wolkenloser Himmel, ein heller Mond – so hell, dass wir tatsächlich Schatten warfen. Nicht von Laternen, nicht von Autos: nur vom Mondlicht. Ein Bild, das man nicht oft bekommt – und das man nicht vergisst.

Ankunft und Pferdeversorgung

Zurück am Hof versorgten wir die Pferde, lösten die Sättel, kontrollierten Rücken und Gurtlage, fütterten – und gingen danach selbst rein, um endlich wieder aufzutauen.

Etappe in Zahlen (Tag 1)

  • Distanz: 29,17 km
  • Zeit im Sattel: 6:46 h
  • Mittagspause: 2:00 h

Lindow (Mark) – Seenstadt mit Klosterflair

Lindow liegt in Brandenburg in einer seenreichen Umgebung – und das Kloster Lindow am Wutzsee ist eines der prägenden historischen Ensembles vor Ort.
Für Reiter praktisch: Lindow eignet sich gut als Zwischenstopp, weil Ort und Uferbereiche oft klare Orientierung bieten (Landmarken, Wegeführung) – gerade in kurzen Wintertagen ein Vorteil.

Schloss Meseberg

Kurzprofil

  • Lage: Meseberg (Ortsteil von Gransee, Brandenburg), direkt am Huwenowsee, rund 60–70 km nördlich von Berlin.
  • Bauzeit / Stil: Barockschloss des 18. Jahrhunderts; Bauphase in den späten 1730ern (Beginn um 1737/1738, Fertigstellung 1739 wird häufig genannt).
  • Heutige Nutzung: Gästehaus der Bundesregierung (Tagungen, Staatsgäste, vertrauliche Gespräche), offiziell in Nutzung seit 2007.

Entstehung: vom Rittersitz zum Barockschloss

Schloss Meseberg entstand auf den Fundamenten eines älteren Rittersitzes. Den Bau des heutigen Schlosses ließ Hermann Graf von Wartensleben in den späten 1730er-Jahren errichten; als Baujahr/Entstehungsjahr wird u. a. 1738 genannt, während andere Darstellungen den Bau von 1737 bis 1739 datieren.

Der Architekt ist namentlich nicht gesichert; es wird jedoch ein Umfeld um den Berliner Oberbaudirektor Philipp Gerlach vermutet. Parallel wurde eine barocke Gartenanlage angelegt; als Gestalter des terrassierten Barockgartens wird Münther überliefert.


Stationen der Geschichte: Prinz Heinrich, Kaphengst, Lessing

  • 1774 erwarb Prinz Heinrich von Preußen (Bruder Friedrichs II.) das Schloss und überließ es kurz darauf seinem Günstling Christian Ludwig von Kaphengst. In dieser Phase kamen Erweiterungen hinzu (u. a. weitere Gebäude/Marstall werden genannt), und die Anlage wurde weiterentwickelt.
  • Im späten 19. Jahrhundert begann eine kulturell prägende Epoche: Carl Robert Lessing (u. a. als Eigentümer der „Vossischen Zeitung“ bekannt) erwarb das Anwesen; im Umfeld der Lessings wurde Meseberg als Treffpunkt des geistigen Lebens beschrieben. Theodor Fontane erwähnte Meseberg in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ und prägte die Bezeichnung „Zauberschloss“.

Vom Verfall zur Restaurierung: Messerschmitt-Stiftung und Umnutzung

Nach wechselnden Nutzungen (u. a. als Unterkunft, dörfliche Einrichtungen) war das Schloss in den 1990er-Jahren stark sanierungsbedürftig. 1995 erwarb die Messerschmitt-Stiftung das Anwesen und ließ es über rund zehn Jahre denkmalgerecht sanieren und restaurieren; als Größenordnung der Restaurierungskosten werden 25 Millionen Euro genannt.

2004 fiel die Entscheidung, Schloss Meseberg als Gästehaus der Bundesregierung zu nutzen; nach Installation moderner Sicherheits-, Kommunikations- und Konferenztechnik erfolgte 2007 die Schlüsselübergabe bzw. Aufnahme der Nutzung als Gästehaus.


Das Gebäude heute: Räume und Funktion als Gästehaus

Das Hauptgebäude umfasst laut Darstellung der Bundesregierung drei Etagen mit Repräsentationsräumen (z. B. Bibliothek, Kaminzimmer, „Prinz-Heinrich-Zimmer“) sowie Gäste-Suiten. Ergänzend existieren weitere Funktionsgebäude (u. a. für Delegationen, Presse, Bundespolizei, Gastronomie), um offizielle Besuche und Tagungsformate organisatorisch abzubilden.


Park und Umgebung: Barocke Anlage, „Maison de Plaisir“ und Mausoleen

Zum Ensemble gehört eine barocke Parkanlage, die aufwändig wiederhergestellt wurde, inklusive Gartenpavillon „Maison de Plaisir“. Am Uferbereich befindet sich außerdem ein öffentlich zugänglicher Landschaftsgarten mit Mausoleen (u. a. der Familien Hövel und Lessing).


Besuch & Zugang (praktischer Hinweis)

Als Gästehaus ist das Schloss selbst im Regelfall nicht frei zu besichtigen; laut Bundesregierung gibt es jedoch einmal jährlich einen Tag, an dem das Gästehaus seine Tore für Besucherinnen und Besucher öffnet. Der öffentliche Landschaftsgarten am Seeufer ist davon unabhängig ein guter „Blickpunkt“ für das Ensemble – ideal, wenn man (wie in deinem Ritt) in der Region unterwegs ist

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