Nach mehreren Tagen in der frischen Höhenluft der Berge hieß es heute: Abstieg. Der fünfte Tag des Balkantrails markierte den Übergang vom Gebirge in die Ebene – von rund 1.400 Metern hinunter auf gut 330 Meter, also über 1.000 Höhenmeter abwärts, mit einer Flussquerung als Abschluss.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 5 des Balkantrails – vom Gebirge hinunter in die Ebene
- Datum
- August 2017
- Start
- auf rund 1.400 Metern, bei klarem Wetter
- Ziel
- Pension in der Ebene auf rund 330 Metern – gut 1.000 Höhenmeter tiefer
- Reitzeit
- 3 Stunden vormittags, 3 Stunden nachmittags – zusammen rund 6 Stunden
- Gelände
- schmaler Höhenweg, steiler Waldabstieg, offene Ebene
- Besonderheit
- streckenweise abgestiegen und die Pferde geführt; Flussquerung am Nachmittag
- Übernachtung
- kleine Pension in der Ebene
Start auf 1.400 Metern – Abschied von der Höhenluft
Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns bei klarem Wetter auf den Weg. Auf etwa 1.400 Metern Höhe starteten wir unsere Etappe und ritten zunächst weiter entlang eines schmalen Höhenweges. Die klare Bergluft, das leise Schnauben der Pferde und die Ausblicke über die Hügelketten schufen eine besondere Stimmung – fast ein wenig wehmütig, denn es war unser letzter Tag in dieser Höhe.
Solche Höhenwege sind das Beste, was ein Wanderritt zu bieten hat: Man verliert kaum Höhe, der Blick geht nach beiden Seiten ins Tal, und der Weg ist schmal genug, dass man ihn wirklich wahrnimmt.
Bildstrecke: der letzte Vormittag auf Höhe – sechs Aufnahmen vom Höhenweg zum Durchklicken.
Steiler Abstieg durch den Wald
Nach einiger Zeit erreichten wir den Waldgürtel unterhalb der Höhenlinie. Ab hier ging es stetig bergab – teilweise so steil, dass wir absteigen und die Pferde führen mussten. Das verlangte von Mensch und Tier noch einmal volle Konzentration.
Schritt für Schritt näherten wir uns der Ebene. Die Vegetation wurde dichter, das Klima spürbar wärmer.


Wann man bergab besser absteigt
Absteigen und führen ist kein Eingeständnis, sondern Technik. Bergab trägt das Pferd das Gewicht des Reiters nicht mehr über den Rücken, sondern muss es mit der Vorhand abfangen – bei jedem Schritt. Auf losem oder nassem Untergrund kommt dazu, dass ein Pferd sich mit freiem Kopf viel besser ausbalanciert als mit einem Reiter, der sich am Zügel festhält.
Die Faustregel unterwegs: Wenn der Weg so steil wird, dass man selbst im Sattel nach hinten rutscht, oder wenn der Untergrund rutscht, wird geführt. Wichtig ist dabei, seitlich neben dem Pferd zu gehen und nicht direkt davor – ein Pferd, das ins Rutschen kommt, braucht den Weg vor sich frei.
Wer eine eigene Tour plant, sollte Abstiege genauso ernst nehmen wie Aufstiege. Sie kosten weniger Kondition, aber mehr Substanz. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Höhenmetern, Tagesbelastung und Etappenlänge.
Die Flussquerung
Am Nachmittag öffnete sich der Wald und wir erreichten die Ebene. Ein letztes kleines Abenteuer wartete noch: eine Flussquerung, die sowohl für uns als auch für die Pferde ein besonderes Erlebnis war.

Wasser ist für Pferde selten selbstverständlich. Entscheidend ist, dass ein Pferd den Grund sehen oder erfühlen kann und dass das erste Pferd der Gruppe ruhig hineingeht – dann folgen die anderen meist ohne Zögern. Danach war es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft, die idyllisch in der Ebene lag. Der Temperaturunterschied war deutlich zu spüren: Nach den frischen Höhen fühlte sich die Wärme fast wie ein Klimawechsel an.
Bildstrecke: die Ankunft in der Ebene – vier Aufnahmen zum Durchklicken.
Der Vorbalkan – zwischen Gebirge und Donauebene
Was wir an diesem Tag erreicht haben, ist nicht die flache Tiefebene, sondern der Vorbalkan (bulgarisch Предбалкан, Predbalkan): eine breite Hügellandschaft in Nordbulgarien, die zwischen dem Balkangebirge und der Donautiefebene vermittelt. Zu ihr gehören die Städte Lowetsch, Gabrowo und Drjanowo.
Der Vorbalkan gliedert sich in drei Abschnitte, die von Flusstälern getrennt werden. Der mittlere ist mit rund 6.577 Quadratkilometern der größte und besteht aus weitem Hügel- und Niedergebirgsland; der östliche ist mit rund 3.154 Quadratkilometern der kleinste und durch tiefe Schluchten geprägt.
Aus dem Sattel ist der Unterschied zum Hochgebirge sofort spürbar: Es ist wärmer, feuchter und deutlich dichter bewachsen. Statt offener Bergwiesen gibt es Felder, Buschland und wieder mehr Insekten – und statt Hütten gibt es Dörfer und Pensionen.
Abend in der Pension
Übernachtet haben wir in einer kleinen Pension. Nach fünf Tagen mit Zelt, Hütte und Pension ist so ein Abend in der Ebene der eigentliche Ruhepunkt der Reise: Die Pferde stehen auf einer eingezäunten Wiese, die Sonne geht spät unter, und es gibt nichts mehr zu tun.
Zur Belegschaft des Hauses gehörten außerdem mehrere Katzen, die sich zielsicher dorthin legten, wo gerade jemand saß.
Bildstrecke: der Abend in der Pension – sieben Aufnahmen zum Durchklicken.
Fazit des fünften Tages
Der Tag war geprägt von Übergängen – von der frischen Bergwelt hinunter in die warme Ebene, durch dichte Wälder, über einen Fluss. Sechs Stunden Reitzeit, aber gefühlt mehr, weil der Abstieg Konzentration kostet und die Wärme unten wieder zusetzt.
Am nächsten Tag folgt die letzte Etappe – mit einem Abstecher ins Freilichtmuseum Etar bei Gabrowo: Balkantrail Bulgarien – Tag 6. Der Vortag oben im Gebirge steht in Tag 4, alle Berichte auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien.
Ein Teil der Fotos dieser Etappe stammt von einer Mitreisenden – vielen Dank dafür.
FAQ zum Balkantrail Bulgarien – Tag 5
Wie lange dauert der fünfte Reittag auf dem Balkantrail?
Rund sechs Stunden: drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags. Gestartet sind wir auf etwa 1.400 Metern, angekommen unten in der Ebene.
Muss man beim Abstieg absteigen und die Pferde führen?
Streckenweise ja. Der Waldabstieg war teilweise so steil, dass wir abgestiegen sind und geführt haben. Bergab fängt das Pferd das Gewicht mit der Vorhand ab und balanciert mit freiem Kopf deutlich besser – auf rutschigem Untergrund ist Führen daher sicherer als Reiten.
Gibt es auf dem Balkantrail eine Flussquerung?
Ja, am Nachmittag des fünften Tages, kurz nachdem sich der Wald zur Ebene hin öffnet. Das Wasser war flach und der Grund breit und kiesig – für die Pferde die willkommenste Abkühlung des Tages.
In welche Landschaft steigt man vom Zentralbalkan ab?
In den Vorbalkan (Predbalkan), eine breite Hügellandschaft in Nordbulgarien zwischen dem Balkangebirge und der Donautiefebene. Zu ihr gehören unter anderem Lowetsch, Gabrowo und Drjanowo.
Wie groß ist der Temperaturunterschied zwischen Gebirge und Ebene?
Er ist deutlich zu spüren. Nach mehreren Tagen auf rund 1.500 Metern fühlte sich die Wärme unten fast wie ein Klimawechsel an – und mit der Wärme kamen auch die Insekten zurück, die oben kaum eine Rolle gespielt hatten.
Wo übernachtet man am fünften Tag des Balkantrails?
In einer kleinen Pension in der Ebene, mit einer eingezäunten Wiese für die Pferde.

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