Pferde am Elektrozaun im Vordergrund, dahinter geht die Sonne über den Bergen des Zentralbalkans auf

Balkantrail Bulgarien – Tag 4: Sonnenaufgang, Gipfelwanderung und Höhenritt

Der vierte Tag des Balkantrails stand ganz im Zeichen der Berge – und ausnahmsweise nicht nur im Sattel. Vor Sonnenaufgang ging es zu Fuß auf einen Gipfel, am Vormittag auf einen zweiten, und erst am Nachmittag saßen wir wieder auf. Dafür dann vier Stunden am Stück auf rund 1.500 Metern Höhe.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 4 des Balkantrails – Sonnenaufgang, Gipfelwanderung und Höhenritt
Datum
August 2017
Sonnenaufgang
06:19 Uhr Ortszeit – oben waren wir rund eine halbe Stunde vorher
Vormittag
zu Fuß: Sonnenaufgangstour und Gipfelwanderung, kein Reiten
Reitzeit
4 Stunden, ausschließlich nachmittags
Höhe
den ganzen Tag auf rund 1.500 Metern
Gelände
Bergwiesen, schmale Grate, Buchenwald
Tempo
bewusst kein Galopp
Etappenziel
Quartier auf rund 1.200 Metern, gut acht Kilometer östlich der Hütte
Übernachtung
Gasthaus – die Berghütte war eine einmalige Sache

Vor Sonnenaufgang auf den Gipfel

Der Wecker klingelte ungewohnt früh, denn wir wollten den Sonnenaufgang nicht verpassen. Die Sonne ging an diesem August 2017 um 06:19 Uhr Ortszeit auf – oben sein wollten wir rund eine halbe Stunde vorher. Noch vor dem Frühstück wanderten wir also auf einen nahegelegenen Gipfel in der Nähe unserer Unterkunft. Wenn man ohnehin schon auf 1.500 Metern schläft, ist so ein Gipfel keine Expedition – man geht eine halbe Stunde bergauf und steht oben.

Bildstrecke: der Sonnenaufgang über dem Zentralbalkan – vier Aufnahmen vom Gipfel zum Durchklicken.

Oben angekommen, erlebten wir einen traumhaften Sonnenaufgang über den Bergen des Zentralbalkans. Die Luft war frisch, die Landschaft lag still, und die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Gipfel in ein warmes, goldenes Licht – ein Moment, der in Erinnerung bleibt.

Zurück an der Hütte: Pferde und Frühstück

Um 06:35 Uhr waren wir zurück an der Hütte. Die Pferde standen hinter dem Elektrozaun auf der Wiese und bekamen dieselbe Morgensonne ab wie wir – die Sonne war da gerade über den Rücken gegenüber geklettert. Danach stärkten wir uns mit einem ausgiebigen Frühstück.

Gipfelwanderung am Vormittag

Der Vormittag stand dann ganz ohne Pferde im Zeichen einer kleinen Wanderung. Wir erklommen einen benachbarten Gipfel, allerdings zogen immer wieder Wolken durch, sodass die Fernsicht eingeschränkt war. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch – das Erlebnis in dieser Höhe war trotzdem beeindruckend.

Wolken, die vormittags im Gebirge aufziehen, sind kein schlechtes Zeichen, sondern der Normalfall: Die Sonne heizt die Hänge auf, feuchte Luft steigt und kondensiert in der Höhe. Für die Sicht ist das ärgerlich, für die Stimmung nicht – zwischen zwei Wolkenbänken sieht man in Sekunden mehr als vorher in einer halben Stunde.

Nachmittagsritt auf 1.500 Metern

Nach dem Mittagessen hieß es endlich wieder: Aufsitzen. Den gesamten Nachmittag über ritten wir auf etwa 1.500 Metern Höhe durch die Gebirgslandschaft. Die Wege führten uns über schmale Bergpfade und blühende Wiesen, die an österreichische Almwiesen erinnerten.

Der Ritt war weniger von Tempo geprägt – wir verzichteten bewusst auf Galopp – dafür umso mehr von Panoramen. Es war eine dieser Etappen, bei denen man immer wieder anhalten und einfach nur schauen möchte.

Der Verzicht aufs Tempo hat auf 1.500 Metern gute Gründe. Die Pferde hatten am Vortag über 1.000 Höhenmeter im Aufstieg hinter sich gebracht; ein Tag mit vier ruhigen Stunden ist danach die bessere Wahl als eine schnelle Etappe. Und Bergwiesen sind trügerisch: Was aus dem Sattel wie ein ebener Teppich aussieht, ist oft von Löchern, Steinen und Rinnen durchzogen.

Zurück durch den Buchenwald

Zum Schluss führte der Weg durch den Buchenwald unterhalb der Wiesen hinüber zum Etappenziel. Hier ist der Unterschied zum Vorland am deutlichsten zu sehen: hohe, glatte Stämme, kaum Unterholz, ein Pfad, der sich in engen Kehren durch den Hang zieht. Übernachtet haben wir gut acht Kilometer östlich der Hütte auf rund 1.200 Metern – also noch immer oben.

Bildstrecke: der Nachmittagsritt über die Bergwiesen und der Weg durch den Buchenwald – zehn Aufnahmen zum Durchklicken.

Der Botew – höchster Berg des Balkangebirges

Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier bis zum Botew, mit 2.376 Metern der höchste Gipfel des gesamten Balkangebirges und zugleich der höchste Punkt des Nationalparks Zentralbalkan. Er trägt seinen Namen nach dem bulgarischen Dichter und Freiheitskämpfer Christo Botew.

Rund um unsere Hütte stehen die weiteren großen Gipfel des Zentralbalkans: Goljam Kademlia mit 2.275 Metern, Malak Kademlia mit 2.226 Metern, Mazalat beziehungsweise Zli Wrach mit 2.197 Metern und Pyrgos mit 2.195 Metern.

Wer mehr über den Nationalpark selbst wissen will – Gründung, Fläche, Reservate und Welterbe-Status –, findet das im Bericht zu Anreise und Tag 1.

Der Tag, der oben bleibt

Tag 4 ist der einzige Tag des Balkantrails, an dem es weder nennenswert hinauf noch hinunter geht. Zwischen Start und Ziel liegen keine 300 Höhenmeter Unterschied – die Etappe zieht auf Höhe entlang, von 1.503 Metern an der Hütte zu einem Quartier auf rund 1.200 Metern. Der Vormittag gehört dafür ganz den Füßen: erst der Gipfel zum Sonnenaufgang, dann eine zweite Wanderung.

Für die Pferde ist das der eigentliche Gewinn. Nach der Etappe mit über 1.000 Höhenmetern folgen nur vier ruhige Stunden ohne nennenswerte Steigung – und erst am Tag darauf der Abstieg. Wer eine eigene mehrtägige Tour plant, sollte einen solchen Ausgleichstag von vornherein einbauen, statt zu hoffen, dass er nicht nötig wird. Wie sich Höhenmeter, Tagesbelastung und Etappenlänge zueinander verhalten, steht in unserem Beitrag zu Höhenmetern beim Wanderreiten.

Fazit des vierten Tages

Der vierte Tag war ein Mix aus Wanderung, Naturerlebnis und Höhenritt. Die Kombination aus Sonnenaufgangstour, Gipfelwanderung und gemütlichem Reiten durch die Bergwelt hat den Tag zu einem echten Highlight der Reise gemacht.

In diesen Momenten merkt man, wie intensiv man eine Landschaft wahrnimmt, wenn man sie zu Fuß und vom Pferderücken aus erlebt – langsam, bewusst und in direkter Verbindung zur Natur.

Am nächsten Tag geht es wieder abwärts: vom Gebirge hinunter in die Ebene. Balkantrail Bulgarien – Tag 5. Wie wir hier heraufgekommen sind, steht in Tag 3: Die große Bergetappe; alle Berichte auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien.

Ein Teil der Fotos dieser Etappe stammt von einer Mitreisenden – vielen Dank dafür.

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FAQ zum Balkantrail Bulgarien – Tag 4

Wie lange wird am vierten Tag des Balkantrails geritten?

Vier Stunden, und zwar ausschließlich am Nachmittag. Der Vormittag gehört der Sonnenaufgangstour und einer Gipfelwanderung – beides zu Fuß.

Wann geht im Zentralbalkan im August die Sonne auf?

An unserem Sonnenaufgangstag, dem August 2017, ging die Sonne an der Hütte Mazalat um 06:19 Uhr Ortszeit auf. Weil der Horizont hier aus Bergen besteht und nicht aus einer geraden Linie, wird sie ein paar Minuten später wirklich sichtbar. Oben auf dem Gipfel waren wir rund eine halbe Stunde vorher.

Auf welcher Höhe verläuft die vierte Etappe?

Weitgehend auf Höhe: von 1.503 Metern an der Hütte zu einem Quartier auf rund 1.200 Metern. Die Wege führen über schmale Bergpfade und blühende Bergwiesen, die an österreichische Almwiesen erinnern, und zum Schluss durch den Buchenwald unterhalb der Wiesen.

Warum wird auf den Bergwiesen nicht galoppiert?

Zum einen hatten die Pferde am Vortag über 1.000 Höhenmeter im Aufstieg hinter sich, zum anderen sind Bergwiesen trügerisch: Was aus dem Sattel wie ein ebener Teppich aussieht, ist oft von Löchern, Steinen und Rinnen durchzogen.

Wie hoch ist der höchste Berg des Balkangebirges?

Der Botew mit 2.376 Metern. Er ist zugleich der höchste Punkt des Nationalparks Zentralbalkan und bei klarem Wetter von den Höhen rund um die Hütte aus zu sehen.

Wo übernachtet man nach der Hütte Mazalat?

In einem Quartier gut acht Kilometer östlich der Hütte, auf rund 1.200 Metern. Die Nacht in der Berghütte bleibt die einzige der Reise – am vierten Tag geht es zwar weiter, aber die Etappe bleibt auf Höhe, statt schon abzusteigen.

Warum ist die Fernsicht im Gebirge oft schon am Vormittag weg?

Weil die Sonne die Hänge aufheizt, feuchte Luft aufsteigt und in der Höhe kondensiert. Aufziehende Wolken am Vormittag sind im Gebirge der Normalfall und kein Zeichen für schlechtes Wetter.

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