Sechs Reittage durch das Balkangebirge, von den Feldern des Vorlands hinauf in den Nationalpark Zentralbalkan: Das war der Balkantrail. Dieser erste Bericht erzählt, wie wir überhaupt dorthin gekommen sind – und wie sich der erste Tag im Sattel angefühlt hat, als von den Bergen noch nicht viel mehr zu sehen war als eine blaue Linie am Horizont.
Der Ritt auf einen Blick
- Reisezeit
- August 2017; Tag 1 war Sonntag, der August
- Ritt
- Balkantrail – Wanderritt im Nationalpark Zentralbalkan
- Land
- Bulgarien, Anreise per Flug bis Sofia
- Dauer
- 6 Reittage, davon ein halber Tag
- Reitzeit
- täglich 5 bis 7 Stunden
- Pferde
- bulgarischer Mix in sehr unterschiedlichen Größen
- Unterkunft
- eine Nacht im Zelt, eine in der Berghütte, sonst Pensionen und Gasthäuser
- Veranstalter
- Alfa Riders
- Dieser Bericht
- Anreise und Tag 1: rund 5,5 Stunden im Sattel durchs Bergvorland
Anreise: mit einem Umweg über Warschau nach Sofia
Geflogen sind wir mit LOT, der polnischen Fluglinie, über Warschau nach Sofia. Gegen 17:00 Uhr sind wir dort gelandet. Der Anflug ist schon einen Blick aus dem Fenster wert: Sofia liegt in einem weiten Becken, ringsum steigt das Land an, und beim Sinkflug zieht sich die Stadt in langen Reihen unter einem durch.

Am Gepäckband gab es dann erst einmal Verwirrung: Irgendetwas war bei der Bandzuordnung durcheinandergeraten, und wir standen eine Weile am falschen Karussell. Draußen wartete unser Fahrer trotzdem geduldig. Er brachte uns direkt zum Hotel – rund drei Stunden Fahrt, denn der Zentralbalkan liegt gut hundert Kilometer östlich von Sofia. Dort trafen wir am Abend auf die übrigen Mitreiter.
Wer selbst nach Bulgarien reisen will, sollte diesen Transfer einplanen. Sofia ist der einzige Flughafen mit guter Anbindung, aber vom Flughafen bis in die Gegend der Ritte vergeht noch ein halber Abend.
Am Stall: Maria, Monika und die Pferde
Am nächsten Morgen ging es vom Hotel aus nur ein kurzes Stück zum Stall. Dort warteten Maria und Monika, die den Trail geführt haben, bereits mit den Pferden auf uns.
Die Pferde sind ein bulgarischer Mix – und zwar in sehr unterschiedlichen Größen. Wer schon einmal auf einem Wanderritt im Ausland war, kennt diesen Moment: Man sieht die Reihe angebundener Pferde, versucht abzuschätzen, welches wohl das eigene sein wird, und liegt meistens falsch. Die Zuteilung machen die Guides nach Größe, Erfahrung und Temperament, und in aller Regel passt sie besser, als man im ersten Augenblick glaubt.

Tag 1: den ganzen Tag im Bergvorland
Geritten sind wir an diesem ersten Tag ausschließlich im Bergvorland. Das ist ein leicht hügeliges Gelände, das überwiegend aus Feldern besteht und nur sehr wenig Wald hat. Für den Auftakt ist das genau richtig: Die Wege sind breit, die Sicht ist offen, und man hat Zeit, sich an das eigene Pferd zu gewöhnen, bevor es in den Bergen ernst wird.
Gestartet sind wir unten in der Ebene. Von dort ging es in langen, flachen Bögen über Wiesen und an Feldrändern entlang immer weiter nach Osten.


Links: der Start in der Ebene. Rechts: schon am Vormittag zeichnen sich im Hintergrund die Berge des Balkangebirges ab – dorthin sollte es in den nächsten Tagen gehen.
Mittagspause mit Brot und frischem Obst
Mittags gab es Picknick: Brot, frisches Obst, dazu Schatten und eine Decke im Sand. Nach drei Stunden im Sattel ist das genau die Pause, die man braucht – lang genug, dass die Pferde durchschnaufen und fressen können, kurz genug, dass niemand steif wird.

Wie lang eine Pause auf einem Wanderritt sinnvollerweise ausfällt und worauf es dabei für das Pferd ankommt, haben wir an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben: Pausen beim Wanderreiten – wann, wo, wie lang?
Über 30 Grad, Bremsen und Mücken
Insgesamt war es ein durchaus anstrengender Tag – weniger wegen der Strecke als wegen der Bedingungen. Die Temperatur lag deutlich über 30 °C, und im offenen Vorland gibt es kaum Schatten. Dazu kamen sehr viele Bremsen und Mücken, die Pferde wie Reiter beschäftigt hielten.
Beides sollte sich in den nächsten Tagen deutlich bessern: Sobald es ins Gebirge ging, wurde es kühler, und die Insekten wurden spürbar weniger. Genau das ist einer der Gründe, warum der Balkantrail nach dem ersten Tag ins Gebirge zieht und nicht im Vorland bleibt.
Wer im Hochsommer nach Südosteuropa reitet, plant Hitze am besten von vornherein ein – früh starten, lange Mittagspause, ausreichend Wasser für Mensch und Pferd. Zu Hitze und Wetterlagen unterwegs: Wetter beim Wanderreiten. Und weil im hohen Gras nicht nur Bremsen unterwegs sind, lohnt vor so einer Reise auch ein Blick auf das Thema Zecken beim Wanderreiten.
Immer die Berge im Blick
Am Nachmittag ging es weiter in dieselbe Richtung. Der Reiz dieses ersten Tages liegt genau darin, dass das Ziel die ganze Zeit sichtbar ist: Vor einem liegt die Kette des Balkangebirges, hinter einem das Tal, in dem der Hof steht, an dem der Ritt begonnen hat. Man sieht den ganzen Tag, wie weit man schon gekommen ist.


Links liegt im Tal der Hof, an dem wir gestartet sind. Rechts geht es weiter in Richtung Balkangebirge.
Reitzeit am ersten Tag: drei Stunden bis zur Mittagspause, zweieinhalb Stunden am Nachmittag – zusammen rund 5,5 Stunden im Sattel. Wie sich solche Zeiten in Etappenlängen und Tagesbelastung übersetzen, steht in unserem Beitrag zu Höhenmetern, Tagesbelastung und Etappenlänge.
Durch die Dörfer
Ganz ohne Asphalt ging es nicht: Das eine oder andere Dorf mussten wir durchreiten. Auffällig war, wie ruhig es dort war. Wir haben nur wenige Menschen gesehen, und auch Autos waren kaum unterwegs. Für die Pferde ist ein Dorf trotzdem eine eigene Aufgabe – Hunde hinter Zäunen, Blechdächer, ungewohnte Geräusche.

Die einzige Nacht im Zelt
Übernachtet haben wir die erste Nacht im Zelt. Das blieb die Ausnahme: In den folgenden Nächten schliefen wir in Pensionen und Gasthäusern, einmal in einer Berghütte. Wer sich also von der Zeltnacht abschrecken lässt, sei beruhigt – der Balkantrail ist kein Campingritt.
Das Abendessen wurde, wie es sich am ersten Abend gehört, über dem Lagerfeuer gebraten. Es gab Fisch im Grillkorb, und der war tatsächlich sehr lecker.

Der Nationalpark Zentralbalkan
Der Nationalpark Zentralbalkan wurde 1991 gegründet und umfasst rund 71.670 Hektar, davon etwa 44.000 Hektar Wald. Er liegt im mittleren Abschnitt des Balkangebirges und erstreckt sich über elf Gemeinden in fünf Provinzen. Höchster Punkt ist der Botew mit 2.376 Metern – zugleich der höchste Berg des gesamten Balkangebirges.
Im Park liegen neun Naturreservate mit zusammen rund 20.000 Hektar, darunter Boatin, Zaritschina und Kozja stena. Etwa 21.000 Hektar der Kernzone sind als Wildnisgebiet zertifiziert, die gesamte Fläche gehört zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die alten Buchenwälder des Parks sind Teil des UNESCO-Welterbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“.
Zu den Tieren, die hier vorkommen, gehören Braunbär, Wolf, Wildkatze und Fischotter, dazu Hirsche, Gämsen, 19 Fledermausarten und der Feuersalamander. Gesehen haben wir auf dem Ritt vor allem Rehe – Bären und Wölfe bekommt man in aller Regel nicht zu Gesicht.
Stara Planina – das „alte Gebirge“
Was wir im Deutschen Balkangebirge nennen, heißt auf Bulgarisch Stara Planina, wörtlich „altes Gebirge“. Es zieht sich über rund 600 Kilometer in west-östlicher Richtung durch Bulgarien, reicht im Westen bis nach Serbien und bildet den Nordrand der Balkanhalbinsel zur unteren Donau hin.
Für einen Wanderritt ist vor allem eines wichtig: Das Gebirge trennt die Donautiefebene im Norden von den südlichen Beckenlandschaften. Man merkt diese Trennung beim Reiten am Wetter und an der Vegetation – nördlich und südlich des Kamms sieht es anders aus, und die Temperaturen unterscheiden sich spürbar von denen im Vorland.
Das Wort „Balkan“ selbst stammt übrigens aus dem Türkischen und bezeichnet eine steile, dicht bewaldete Gebirgskette. Vom Namen des Gebirges hat später die ganze Halbinsel ihren Namen bekommen.
Fazit des ersten Tages
Der erste Tag war ein Ankommenstag: lange Anreise, ein neues Pferd, fünfeinhalb Stunden im Sattel bei über 30 °C, und am Abend ein Lagerfeuer. Landschaftlich war er der unspektakulärste der Woche – Felder, Wiesen, ein paar Dörfer. Genau deshalb ist er als Auftakt gut gewählt: Pferd und Reiter finden zusammen, solange der Weg noch keine Aufmerksamkeit fordert.
Am nächsten Tag ändert sich das Bild. Die Hügel werden steiler, die Luft frischer, und aus offenen Feldern werden schmale Waldpfade: Balkantrail Bulgarien – Tag 2: Auf dem Weg in die Berge. Eine Einordnung der ganzen Woche mit allen Etappen steht in der Zusammenfassung der Reitwoche, und eine Übersicht über alle Berichte findest du auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien.
FAQ zum Wanderritt in Bulgarien – Anreise und Tag 1
Wie reist man zu einem Wanderritt im Nationalpark Zentralbalkan an?
Über den Flughafen Sofia. Wir sind mit LOT über Warschau geflogen und gegen 17:00 Uhr gelandet. Vom Flughafen bis zum Ausgangspunkt des Ritts sind es noch rund drei Stunden Fahrt, die der Veranstalter organisiert. Man sollte also einen kompletten Anreisetag einplanen.
Wie lange sitzt man am ersten Tag des Balkantrails im Sattel?
Rund fünfeinhalb Stunden: drei Stunden bis zur Mittagspause und zweieinhalb Stunden am Nachmittag. Über die ganze Woche liegt die tägliche Reitzeit bei 5 bis 7 Stunden, ein Tag ist nur ein halber Reittag.
Wie heiß wird es beim Wanderreiten in Bulgarien im Hochsommer?
An unserem ersten Tag lag die Temperatur deutlich über 30 °C, und im offenen Bergvorland gibt es kaum Schatten. Dazu kamen viele Bremsen und Mücken. Sobald es in den folgenden Tagen ins Gebirge ging, wurde es sowohl kühler als auch deutlich insektenärmer.
Übernachtet man auf dem Balkantrail im Zelt?
Nur in der ersten Nacht. Danach haben wir in Pensionen und Gasthäusern geschlafen, einmal in einer Berghütte. Das Abendessen am ersten Abend wurde über dem Lagerfeuer zubereitet – es gab Fisch aus dem Grillkorb.
Welche Pferde werden auf dem Balkantrail geritten?
Ein bulgarischer Mix in sehr unterschiedlichen Größen. Die Zuteilung übernehmen die Guides; auf unserem Ritt waren das Maria und Monika.
Wie hoch ist der höchste Berg im Nationalpark Zentralbalkan?
Der Botew mit 2.376 Metern. Er ist zugleich der höchste Gipfel des gesamten Balkangebirges, das auf Bulgarisch Stara Planina heißt – „altes Gebirge“.

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