Einzelner Reiter auf einem abgeernteten Feld, dahinter die Kette des Balkangebirges unter blauem Himmel

Balkantrail Bulgarien – Tag 2: Vom offenen Land in die Wälder

Der zweite Tag auf dem Balkantrail ist der Tag, an dem sich die Landschaft entscheidet. Am Morgen stehen noch offene Felder und Wiesen um uns herum, am Abend sind wir im Wald – und die Berge, die gestern nur eine blaue Linie am Horizont waren, stehen plötzlich greifbar vor uns.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 2 des Balkantrails, Bulgarien
Datum
August 2017
Aufbruch
gegen 10:00 Uhr, nach dem Abbau des Camps
Reitzeit
3 Stunden vormittags, 2 Stunden nachmittags – zusammen rund 5 Stunden
Gelände
vom hügeligen Vorland in geschlossenen Wald, zunehmend schmale Pfade
Pause
Mittagsrast an einem Bach
Übernachtung
kleine Pension
Gesehen
Rehe; deutlich weniger Bremsen als am Vortag

Camp abbauen, Frühstück, packen

Der Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück – nach einer Nacht im Zelt und mit einer langen Etappe vor der Nase ist das keine Nebensache. Anschließend bauten wir das Camp ab und verstauten alles wieder sorgfältig im Begleitfahrzeug.

Vollgepackte Ladefläche des Begleitfahrzeugs mit Schlafsäcken, Taschen, Wasserkanister und Wasserflaschen
So sieht das Gepäck von acht Reitern aus, wenn es nicht am Pferd hängt, sondern im Begleitfahrzeug mitfährt.

Gegen 10:00 Uhr saßen wir im Sattel. Das ist auf einem geführten Wanderritt ein völlig normaler Aufbruch: Abbauen, packen und Pferde fertig machen brauchen ihre Zeit, und wer hetzt, vergisst etwas.

Wanderritt mit Begleitfahrzeug

Der Balkantrail wird mit einem Begleitfahrzeug geritten. Das verändert die Reise spürbar: Am Pferd hängen nur Satteltaschen mit dem, was tagsüber gebraucht wird – Wasser, Regenjacke, Kamera, Sonnencreme. Zelt, Schlafsack, Wechselkleidung und Verpflegung fahren voraus zum Etappenziel.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Pferde tragen weniger, und man kann bei den Übernachtungen mehr mitnehmen, als in zwei Packtaschen passt. Der Preis dafür ist Abhängigkeit von befahrbaren Wegen – das Fahrzeug muss das Etappenziel erreichen können, und das schränkt die Routenwahl ein.

Für alle, die ohne Begleitfahrzeug unterwegs sind, wird die Frage, was ans Pferd gehört und was nicht, zur Kernfrage der Planung: Gepäck am Pferd.

Landschaft im Wandel: vom Feld in den Wald

Schon nach kurzer Zeit merkten wir, wie sich das Gelände veränderte. Die Hügel wurden steiler, die Luft frischer – und die lästigen Bremsen, die uns am Vortag begleitet hatten, wurden im Laufe des Tages weniger. Das ist kein Zufall: Bremsen mögen es warm und offen, und mit jedem Höhenmeter und jedem Stück Schatten wird ihre Zahl kleiner.

Statt weiter über weite Felder zu reiten, führten uns die Wege nun immer häufiger durch dichte Wälder. Die Stimmung wurde ruhiger, fast schon mystisch, während unser Weg über schmale Waldpfade führte.

Reiterin lacht in die Kamera, dahinter zieht die Gruppe auf einem schmalen grünen Pfad zwischen Büschen und Bäumen bergauf
Der Weg wird schmaler: einspurige Pfade statt breiter Feldwege.

Schmale Pfade und die erste Trittsicherheit

Hier konnten unsere Pferde zum ersten Mal ihre Trittsicherheit beweisen. Auf einem breiten Feldweg merkt man davon nichts – erst wenn der Pfad einspurig wird, Wurzeln quer liegen und der Untergrund wechselt, zeigt sich, wie ein Pferd seine Füße setzt.

Für den Reiter heißt das vor allem: nicht stören. Wer auf schmalen Pfaden zu viel einwirkt, nimmt dem Pferd genau die Aufmerksamkeit weg, die es für den Boden braucht. Ruhiger Sitz, lange Zügel, den Blick nach vorn – der Rest passiert von allein.

Sehr schön waren auch die Rehe, die wir im Laufe des Tages gesehen haben. Im Wald sind Wildtiere aus dem Sattel heraus deutlich öfter zu sehen als zu Fuß: Die Pferde machen kaum Geräusche, und der Mensch auf dem Pferd wird von Wild anders wahrgenommen als der Mensch am Boden.

Mittagspause am Bach

Unsere Mittagspause verbrachten wir an einem idyllischen kleinen Bach. Einige nutzten die Gelegenheit, sich kurz abzukühlen – eine herrliche Erfrischung inmitten der Natur.

Ein Bach ist die beste Mittagspause, die ein Wanderritt bieten kann: Die Pferde können trinken, es ist schattig, und der Boden ist meist eben genug, um sich hinzusetzen. Wie lang so eine Pause ausfallen sollte und woran man einen guten Pausenplatz erkennt, steht in unserem Beitrag zu Pausen beim Wanderreiten.

Nachmittag mit Bergpanorama

Am Nachmittag setzten wir unseren Ritt fort, größtenteils wieder durch den Wald, mit dem Bergpanorama stets im Blick. Es war ein rundum schöner Tag mit entspanntem Tempo, der einfach Spaß machte.

Weiter Blick über bewaldete Bergrücken des Balkangebirges, die sich im Dunst hintereinander staffeln
Der Blick, der ab jetzt bleibt: bewaldete Rücken, die sich im Dunst staffeln.

Reitzeit am zweiten Tag: drei Stunden vormittags, zwei Stunden nachmittags. Nach den 5,5 Stunden des Vortags war das eine merklich ruhigere Etappe – und das aus gutem Grund, denn am nächsten Tag stand die große Bergetappe an.

Die Nacht in der Pension

Übernachtet haben wir in einer kleinen Pension. Damit war die Zeltnacht des ersten Tages tatsächlich die einzige geblieben – ab hier ging es in Pensionen und Gasthäuser, mit einer einzigen Nacht in einer Berghütte.

Die Buchenwälder des Zentralbalkans

Der Wald, durch den es an diesem Tag ging, ist kein beliebiger. Der Nationalpark Zentralbalkan hat auf rund 44.000 seiner knapp 71.700 Hektar Wald, und seine alten Buchenbestände gehören seit einigen Jahren zum UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ – einem länderübergreifenden Welterbe, das Buchenwälder in ganz Europa umfasst.

Neun Naturreservate mit zusammen rund 20.000 Hektar liegen innerhalb des Parks, darunter Boatin, Zaritschina und Kozja stena. Etwa 21.000 Hektar der Kernzone sind als Wildnisgebiet zertifiziert; die gesamte Fläche gehört zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Aus dem Sattel merkt man vom Schutzstatus wenig – man merkt nur, dass der Wald anders ist als daheim: hohe, glatte Buchenstämme, wenig Unterholz, viel Licht am Boden und Wege, die sich eng zwischen den Stämmen durchziehen.

Fazit des zweiten Tages

Tag 2 ist der Übergangstag: kürzer als Tag 1, landschaftlich abwechslungsreicher und angenehmer zu reiten, weil Schatten und Höhe die Hitze und die Insekten dämpfen. Er ist außerdem der Tag, an dem man merkt, dass das eigene Pferd mehr kann als geradeaus.

Am nächsten Morgen wird es dann ernst: über 1.000 Höhenmeter am Stück, ausschließlich im Schritt, hinauf zu einer Berghütte oberhalb der Baumgrenze. Balkantrail Bulgarien – Tag 3: Die große Bergetappe. Alle Etappen im Überblick stehen auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien; wie die Reise begonnen hat, steht in Anreise und Tag 1.

Hinweis: Wenn du beim Klick auf „Nächster Etappenbericht“ auf der Startseite landest, ist der nächste Artikel vermutlich noch nicht veröffentlicht.

FAQ zum Balkantrail Bulgarien – Tag 2

Wie lange dauert der zweite Reittag auf dem Balkantrail?

Rund fünf Stunden: drei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags. Aufgebrochen sind wir gegen 10:00 Uhr, nachdem das Camp abgebaut und im Begleitfahrzeug verstaut war.

Wird der Balkantrail mit Begleitfahrzeug geritten?

Ja. Zelt, Schlafsack, Wechselkleidung und Verpflegung fahren im Begleitfahrzeug zum Etappenziel voraus. Am Pferd hängen nur Satteltaschen mit dem, was tagsüber gebraucht wird.

Werden die Bremsen und Mücken im Balkangebirge weniger?

Ja, spürbar. Am ersten Tag im offenen Bergvorland waren sie noch sehr lästig. Mit zunehmender Höhe und im Schatten des Waldes nahm ihre Zahl im Laufe des zweiten Tages deutlich ab.

Wie schwierig sind die Wege am zweiten Tag?

Aus breiten Feldwegen werden im Lauf des Tages schmale, einspurige Waldpfade. Anspruchsvoll ist das noch nicht, aber es ist die erste Etappe, auf der die Pferde ihre Trittsicherheit zeigen müssen.

Wo übernachtet man am zweiten Tag des Balkantrails?

In einer kleinen Pension. Die Zeltnacht des ersten Tages blieb die einzige der Reise; danach ging es in Pensionen und Gasthäuser, mit einer einzigen Nacht in einer Berghütte.

Sieht man beim Wanderreiten in Bulgarien Wildtiere?

Am zweiten Tag haben wir mehrfach Rehe gesehen. Aus dem Sattel heraus gelingt das öfter als zu Fuß, weil Pferde kaum Geräusche machen und Wild den Reiter anders wahrnimmt als einen Menschen am Boden. Im Nationalpark leben außerdem Braunbär, Wolf und Wildkatze – die bekommt man allerdings praktisch nie zu Gesicht.

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