Die Berghütte Mazalat im Abendrot, rosa Wolken über dem Dach, davor der Vorplatz mit Bänken

Balkantrail Bulgarien – Tag 3: Die große Bergetappe zur Hütte Mazalat

Der dritte Tag des Balkantrails war die erste richtige Bergetappe – und entsprechend anspruchsvoll. Um 09:00 Uhr starteten wir auf etwa 400 Metern Höhe, unser Tagesziel lag bei 1.503 Metern. Das bedeutete: über 1.000 Höhenmeter galt es zu überwinden, ausschließlich im Schritt und ausschließlich bergauf.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 3 des Balkantrails – die große Bergetappe
Datum
August 2017
Aufbruch
09:00 Uhr auf rund 400 Metern
Tagesziel
Berghütte auf 1.503 Metern, oberhalb der Baumgrenze
Höhenmeter
über 1.000 im Aufstieg
Reitzeit
3 Stunden vormittags, 4 Stunden nachmittags – zusammen rund 7 Stunden
Gangart
durchgehend Schritt
Pause
Picknick am Wegesrand
Übernachtung
Berghütte, gemeinsam mit Bergwanderern

Morgenstimmung vor dem Start

Der Morgen begann dort, wo der Vortag geendet hatte: in der kleinen Pension, mit Blick auf die Kette, in die es heute hineingehen sollte. Was von unten wie eine gleichmäßige blaue Wand aussieht, löst sich beim Näherkommen in einzelne Rücken, Täler und Sättel auf – und irgendwo dort oben, noch nicht zu sehen, lag das Tagesziel.

Morgenstimmung vor dem Start: Wiese und Schotterweg vor einem Haus, dahinter die Kette des Balkangebirges unter tief hängenden Wolken
Morgenstimmung vor dem Start – die Berge, in die es an diesem Tag hineingehen sollte.

Konstanter Aufstieg

Der gesamte Tag war geprägt von stetigem Anstieg. Wir ritten durch Wälder, entlang schmaler Bergpfade und genossen immer wieder spektakuläre Ausblicke. Es gab keinen einzelnen steilen Abschnitt, den man hinter sich bringt und dann hat man es geschafft – es ging schlicht sieben Stunden lang bergauf.

Blick zwischen den Ohren des Pferdes auf einen breiten Waldweg, der zwischen hohen Buchenstämmen bergauf führt, die Gruppe reitet vorweg
Stundenlang im Schritt bergauf – der Weg führt durch den Buchenwald, ohne dass es je richtig steil wird.

Warum es bergauf nur im Schritt geht

„Nur im Schritt“ klingt nach wenig, ist aber der Grund, warum diese Etappe sieben Stunden gedauert hat. Bergauf trägt das Pferd nicht nur sich und den Reiter, sondern hebt beides mit jedem Schritt ein Stück weiter nach oben. Über 1.000 Höhenmeter summiert sich das zu einer erheblichen Arbeit – und die lässt sich nicht beschleunigen, ohne dass das Pferd in einen Bereich kommt, aus dem es sich unterwegs nicht mehr erholt.

Dazu kommt der Untergrund: Schmale Bergpfade mit losem Geröll geben im Trab oder Galopp keinen zuverlässigen Halt. Und schließlich ist der Schritt die einzige Gangart, in der ein Pferd über Stunden gleichmäßig atmen und den Kopf frei bewegen kann – beides braucht es beim Steigen.

Für die Planung heißt das: Höhenmeter zählen mehr als Kilometer. Wie man das für eine eigene Tour realistisch ansetzt, steht in unserem Beitrag zu Höhenmetern, Tagesbelastung und Etappenlänge.

Picknick am Wegesrand

Unsere Mittagspause verbrachten wir mit einem gemütlichen Picknick am Wegesrand – einfach, aber wunderschön. Auf einer Bergetappe gibt es keinen Luxus bei der Platzwahl: Man nimmt die Stelle, die eben genug ist, Schatten hat und an der die Pferde stehen können.

Über die Baumgrenze

Am Nachmittag änderte sich das Bild. Der Wald wurde niedriger, dann lückenhaft, und irgendwann lagen die Bäume unter uns. Oberhalb der Baumgrenze ist das Balkangebirge offenes, grasiges Land mit weiten Rücken – und mit Wetter, das man kommen sieht, lange bevor es da ist.

Zwei Reiterinnen auf einem grasigen Bergrücken oberhalb der Baumgrenze, der Weg verliert sich vor ihnen in einer Nebelbank
Oberhalb der Baumgrenze: Der Weg zieht über den Rücken und verschwindet in der Wolke.

Ankunft an der Berghütte

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich die Berghütte auf 1.503 Metern. Übernachtet haben wir dort gemeinsam mit anderen Wanderern – eine bulgarische Berghütte ist kein Hotel, sondern ein Haus für alle, die oben ankommen: Reiter, Bergwanderer, Familien.

Die Pferde standen für die Nacht auf der Wiese vor dem Haus. Nach sieben Stunden bergauf ist das der Moment, in dem sich alles auflöst: Sattel runter, trinken lassen, gucken, ob alle Beine in Ordnung sind – und dann sich selbst hinsetzen.

Die Hütte Mazalat

Die Hütte, an der diese Etappe endet, ist die Hütte Mazalat (bulgarisch хижа Мазалат). Sie liegt am östlichen Rand des Nationalparks Zentralbalkan im Gebiet Mandrischteto. Die Höhenangaben schwanken je nach Quelle zwischen rund 1.500 und 1.525 Metern; unsere eigene Messung am Ankunftstag lag bei 1.503 Metern.

Gebaut wurde sie 1935 von einer Gruppe von Bergsteigern aus Sevlievo, und sie ist bis heute eine klassische Bergsteigerhütte geblieben: rund 34 Betten, holzvertäfelte Räume, zwei Speiseräume, ein überdachter Außenbereich und warme Duschen. 2015 wurde sie in Bulgarien als „Hütte des Jahres“ ausgezeichnet.

Rundherum stehen die Gipfel des Zentralbalkans: Goljam Kademlia (2.275 m), Malak Kademlia (2.226 m), Mazalat beziehungsweise Zli Wrach (2.197 m) und Pyrgos (2.195 m). Die nächsten Orte im Tal sind Stokite und Gabrovo.

Abendrot und Vollmond

Der Lohn für sieben Stunden Aufstieg kam am Abend. Erst färbte sich der Himmel hinter der Hütte rosa, dann wurde es dunkel – und über dem Rücken hinter der Hütte stand der Vollmond so hell, dass die Pferde auf der Wiese als Silhouetten zu erkennen waren.

Vollmond über einer dunklen Bergkuppe, am unteren Bildrand sind zwei Pferde als Silhouetten zu erkennen
Vollmond über dem Rücken hinter der Hütte – hell genug, um die Pferde auf der Wiese zu sehen.

Fazit des dritten Tages

Tag 3 ist die Etappe, an der sich der Balkantrail entscheidet. Sie ist nicht technisch schwierig, aber sie ist lang und gleichförmig, und sie verlangt sowohl vom Pferd als auch vom Reiter Geduld. Wer sieben Stunden im Schritt bergauf für langweilig hält, hat es noch nicht gemacht: Der Weg verändert sich langsam, aber unaufhörlich, und am Ende steht man über den Wäldern, durch die man morgens noch geritten ist.

Der nächste Morgen beginnt oben – mit Sonnenaufgang, einer Gipfelwanderung zu Fuß und dann einem Höhenritt durch den Nationalpark: Balkantrail Bulgarien – Tag 4. Die vorherige Etappe steht in Tag 2, alle Berichte auf der Seite zum Wanderritt in Bulgarien.

Hinweis: Wenn du beim Klick auf „Nächster Etappenbericht“ auf der Startseite landest, ist der nächste Artikel vermutlich noch nicht veröffentlicht.

FAQ zum Balkantrail Bulgarien – Tag 3

Wie viele Höhenmeter hat die große Bergetappe des Balkantrails?

Über 1.000 Höhenmeter im Aufstieg. Gestartet sind wir um 09:00 Uhr auf etwa 400 Metern, das Tagesziel lag bei 1.503 Metern.

Wie lange dauert der Aufstieg zur Berghütte?

Rund sieben Stunden: drei Stunden vormittags und vier Stunden nachmittags. Die Berghütte erreichten wir am späten Nachmittag.

Warum reitet man 1.000 Höhenmeter ausschließlich im Schritt?

Weil das Pferd bergauf mit jedem Schritt sich selbst und den Reiter anhebt. Über 1.000 Höhenmeter ist das eine erhebliche Dauerbelastung, die sich nicht beschleunigen lässt. Dazu kommen loses Geröll auf schmalen Pfaden und die Tatsache, dass nur im Schritt über Stunden gleichmäßig geatmet werden kann.

Welche Berghütte liegt am Ende der dritten Etappe?

Die Hütte Mazalat am östlichen Rand des Nationalparks Zentralbalkan, gebaut 1935 von Bergsteigern aus Sevlievo. Sie hat rund 34 Betten, zwei Speiseräume und warme Duschen und wurde 2015 in Bulgarien als „Hütte des Jahres“ ausgezeichnet.

Übernachtet man auf dem Balkantrail allein in der Hütte?

Nein. Eine bulgarische Berghütte steht allen offen, die oben ankommen – wir haben dort gemeinsam mit Bergwanderern übernachtet. Die Pferde standen für die Nacht auf der Wiese vor dem Haus.

Wie hoch liegt die Baumgrenze im Balkangebirge?

Auf unserer Etappe lag das Tagesziel auf 1.503 Metern bereits oberhalb der Baumgrenze. Im Laufe des Nachmittags wurde der Wald erst niedriger, dann lückenhaft, und schließlich lagen die Bäume unter uns; darüber ist der Zentralbalkan offenes, grasiges Land.

Ein Kommentar zu „Balkantrail Bulgarien – Tag 3: Die große Bergetappe zur Hütte Mazalat“

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    Anna Broske

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