Der zweite Tag des Rondatrails lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Korkeichen. Fast 37 Kilometer und gut zehn Stunden lang haben wir kaum etwas anderes gesehen – und weil der Boden steinig und der Weg bergig war, wurde der ganze Tag ausschließlich im Schritt geritten.
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 2 des Rondatrails – durch die Korkeichenwälder
- Datum
- Oktober 2017, Aufbruch bei Sonnenaufgang
- Route
- Cortes de la Frontera hinein in den Parque Natural Los Alcornocales
- Strecke
- 36,8 Kilometer
- Dauer
- 10 Stunden 1 Minute
- Höhenmeter
- 850 im Aufstieg, 1.248 im Abstieg
- Höhe
- 156 bis 763 Meter, im Mittel 529
- Steigung
- im Schnitt 5,5 %, maximal 23,5 %
- Gangart
- durchgehend Schritt
- Frühstück
- 06:00 Uhr in Ronda
Start bei Sonnenaufgang
Der Tag begann früh. Um 06:00 Uhr stärkten wir uns mit einem energiereichen Frühstück in Ronda, bereiteten die Pferde vor und saßen noch rechtzeitig im Sattel, um den Sonnenaufgang mitzuerleben. Bei einer Etappe von zehn Stunden ist das keine Romantik, sondern Notwendigkeit: Was man morgens an Kühle mitnimmt, muss man mittags nicht aushalten.


Durch Cortes de la Frontera
Unser Weg führte uns zunächst durch Cortes de la Frontera, eines der typischen weißen Dörfer Andalusiens. Der Zusatz „de la Frontera“, den viele Orte dieser Gegend tragen, erinnert an die Zeit, als hier für rund zweieinhalb Jahrhunderte die Grenze zwischen dem christlichen Kastilien und dem maurischen Emirat von Granada verlief.
Durch ein solches Dorf zu reiten ist ein eigener Reiz: enge Gassen, Kopfsteinpflaster, weiße Wände und Menschen, die einem hinterherschauen. Für die Pferde ist es dagegen Arbeit – Hufe auf Stein klingen anders, und die Gassen sind eng.
Hinein in den Korkeichenwald
Hinter Cortes tauchten wir ein in den Parque Natural Los Alcornocales, benannt nach der allgegenwärtigen Korkeiche – „alcornoque“. Und dementsprechend haben wir in den verbleibenden siebeneinhalb Stunden auch fast nichts anderes gesehen.
Langweilig wurde es trotzdem nicht: Durch die hohen Berge ringsum und den Pass, den wir überquert haben, änderte sich die Aussicht immer wieder. Der steinige und teilweise recht steile Boden ließ allerdings keinen Galopp zu, sodass wir den ganzen Tag im Schritt unterwegs waren. Die Gangart Trab wird in Andalusien ohnehin kaum geritten.
Bildstrecke: der Vormittag im Korkeichenwald – zehn Aufnahmen zum Durchklicken.
Der Naturpark Los Alcornocales
Der Parque Natural Los Alcornocales erstreckt sich über rund 170.000 Hektar in den Provinzen Cádiz und Málaga – von den Bergen bei Ronda bis fast an die Küste. Seit dem 28. Juli 1989 trägt er den Status eines Naturparks. Sein Name bedeutet wörtlich „die Korkeichenwälder“, und er beherbergt den größten zusammenhängenden Korkeichenbestand der Iberischen Halbinsel.
Kork wird hier seit Jahrhunderten von Hand gewonnen, ohne den Baum zu fällen: Die Rinde wird alle neun bis zwölf Jahre abgeschält, darunter kommt der rohe Stamm zum Vorschein, der sich leuchtend rotbraun färbt. Wer durch den Park reitet, sieht deshalb ständig zweifarbige Bäume – unten nackt und rot, oben grau und rissig.
Zwischen den Eichen wachsen Heide, Lavendel und Erdbeerbäume; in den feuchten Schluchten stehen moosbewachsene Wälder. Durch seine Lage zwischen Atlantik und Mittelmeer, unmittelbar an der Meerenge von Gibraltar, ist der Park außerdem ein wichtiger Korridor für den Vogelzug zwischen Europa und Afrika.
Die Sierra de Grazalema
Nördlich schließt die Sierra de Grazalema an, zu der auch das Bergland von Ronda gehört, in dem unsere Tour begonnen hat. Sie wurde 1977 als erstes Biosphärenreservat Spaniens ausgewiesen und 1984 zum ersten Naturpark Andalusiens erklärt. Höchster Punkt ist der Torreón mit 1.654 Metern.
Bemerkenswert ist das Klima: Mit über 2.000 Millimetern Niederschlag im Jahr gilt der Ort Grazalema als der regenreichste Spaniens – ein Kuriosum im sonst so trockenen Andalusien. Das Wasser speist Quellen, Flüsse und eine dichte Vegetation, darunter einen der größten und besterhaltenen Bestände der Pinsapo-Tanne in Europa, eines Relikts aus dem Tertiär.
In der Sierra leben unter anderem eine der größten Gänsegeier-Kolonien Europas sowie Fischotter und der Spanische Steinbock. Mit 1.279 Pflanzenarten beherbergt sie mehr als ein Viertel der spanischen Flora. Unter der Erde liegt mit dem Höhlensystem Hundidero-Gato der größte Höhlenkomplex Andalusiens.
Blick in die Umgebung
Immer wieder öffnete sich der Wald und gab den Blick frei – auf Täler, auf die nächste Bergkette, an klaren Stellen sogar bis in die Ferne. Genau diese Wechsel machen die Etappe aus: Man reitet stundenlang im Halbschatten der Eichen und steht dann plötzlich an einer Kante mit Sicht über halb Andalusien.


Das Pferd, das einfach mitlief
Eine Besonderheit dieses Trails: Ein Ersatzpferd lief die meiste Zeit frei mit. Kein Strick, kein Führen – es blieb einfach bei der Gruppe. Für Pferde ist das der natürlichere Zustand, und es ist erstaunlich, wie zuverlässig das funktioniert, solange die Herde beisammenbleibt. Gebraucht wird so ein Reservepferd, wenn eines lahmt oder ein Sattel nicht passt – auf einer Woche mit über 170 Kilometern kein abwegiger Gedanke.

Mittagspause im Schatten der Korkeichen
Die Mittagspause verbrachten wir dort, wo an einem solchen Tag jede Pause stattfindet: im Schatten. Decke auf den Boden, Proviant auspacken, die Pferde grasen lassen. Nach fünf Stunden im Schritt ist das genau die Unterbrechung, die man braucht.

Weiter durch die Korkeichen
Und danach: wieder Korkeichen. Der Nachmittag brachte den Pass, den größten Höhenunterschied der Woche und am Ende 1.248 Höhenmeter im Abstieg – mehr als an jedem anderen Tag. Die Wegpunkte lagen zwischen 156 und 763 Metern.
Bildstrecke: der Nachmittag im Korkeichenwald – sechzehn Aufnahmen zum Durchklicken.
Hier sind wir geritten
Die aufgezeichnete Route mit Höhenprofil: 36,8 Kilometer von Cortes de la Frontera in den Naturpark.

Fazit des zweiten Tages
Zehn Stunden, 36,8 Kilometer, durchgehend Schritt und fast durchgehend Korkeichen – das ist die härteste und zugleich monotonste Etappe der Woche. Wer Abwechslung im Minutentakt braucht, wird hier nicht glücklich. Wer sich auf einen Wald einlassen kann, der über Stunden derselbe bleibt und sich trotzdem ständig verändert, erlebt den eindrucksvollsten Tag des Trails.
Am nächsten Tag geht es weiter durch den Nationalpark – mit einer Maultierherde, einem Engpass zum Führen und zwei Bergen: Rondatrail – Tag 3. Wie die Reise begonnen hat, steht in Anreise und Tag 1; alle Berichte auf der Seite zum Ronda-Trail in Andalusien.
FAQ zum Rondatrail – Tag 2
Wie lang ist die zweite Etappe des Rondatrails?
36,8 Kilometer in 10 Stunden und 1 Minute, mit 850 Höhenmetern im Aufstieg und 1.248 im Abstieg. Die Wegpunkte lagen zwischen 156 und 763 Metern – es ist die längste Zeit im Sattel der ganzen Woche.
Warum wird auf dem Rondatrail so viel Schritt geritten?
Der Boden ist steinig und die Wege sind teilweise steil – Galopp ist dort schlicht nicht möglich. Die Gangart Trab wird in Andalusien ohnehin kaum geritten. Wer einen Trail mit vielen Galoppstrecken sucht, ist hier falsch.
Wie groß ist der Naturpark Los Alcornocales?
Rund 170.000 Hektar in den Provinzen Cádiz und Málaga, seit dem 28. Juli 1989 als Naturpark ausgewiesen. Er beherbergt den größten zusammenhängenden Korkeichenbestand der Iberischen Halbinsel.
Wie wird Kork geerntet?
Von Hand und ohne den Baum zu fällen: Die Rinde wird alle neun bis zwölf Jahre abgeschält. Darunter kommt der rohe Stamm zum Vorschein, der sich leuchtend rotbraun färbt – daher die zweifarbigen Bäume, die man im Park überall sieht.
Was ist an der Sierra de Grazalema besonders?
Sie war 1977 das erste Biosphärenreservat Spaniens und 1984 der erste Naturpark Andalusiens. Mit über 2.000 Millimetern Niederschlag im Jahr gilt der Ort Grazalema als regenreichster Ort Spaniens. Höchster Punkt ist der Torreón mit 1.654 Metern.
Läuft auf dem Rondatrail ein Ersatzpferd mit?
Ja, und zwar die meiste Zeit frei – ohne Strick, einfach bei der Gruppe. Gebraucht wird es, wenn ein Pferd lahmt oder ein Sattel nicht passt.

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