Tag 5: Der Lausbub der Rhön und das große Finale
Die Etappe auf einen Blick
- Etappe
- Tag 5 – über den Wachtküppel zurück zum Hof
- Start
- im dichten Nebel, der sich mit steigender Sonne auflöste
- Tagesziel
- der Wachtküppel, 705 m, genannt „Lausbub der Rhön“
- Zu Fuß
- der Gipfel wird nicht geritten: Picknick am Fuß, Pferde im Wäldchen angebunden, Aufstieg zu Fuß
- Oben
- weite Fernsicht über das „Land der offenen Fernen“ – und einheimische Ziegen als einzige Gesellschaft
- Heikel
- der Abstieg über Steine, die vom Regen der Vortage noch nass und rutschig waren
- Abschluss
- Rückkehr zum Hof und großes Lagerfeuer am letzten Abend
Aufbruch in den letzten Reittag
Der finale Tag vom 3 Länderritt Rhön begann standesgemäß mit einem ausgiebigen Frühstück im Fuldaer Haus. Wir genossen noch einmal die Aussicht, naja zumindest immer mal wieder kurzzeitig, denn immer wieder zogen dichte Nebelschwaden vorm Haus vorbei, bevor wir unsere Ausrüstung für die letzte Etappe vorbereiteten. Das Fuldaer Haus liegt auf dem Gipfel eines kleinen Berges (Menschen aus den Alpen würden vermutlich Hügel dazu sagen) und eben dieser „Gipfel“ war halt teilweise in den Wolken, was sich bei uns als Nebel äußerte. Auch wenn sich nach den vergangenen Tagen eine leichte Müdigkeit in den Knochen bemerkbar machte, überwog die Vorfreude auf den letzten großen Meilenstein unserer Tour: den Wachtküppel.
Wir starteten unseren Ritt in dichtem Nebel, der die umliegenden Wälder in eine mystische Stimmung tauchte. Es hatte fast etwas Meditatives, wie das gleichmäßige Hufgeklapper die Stille durchbrach. Doch wie so oft in dieser Woche hatte der Wettergott ein Einsehen: Je höher die Sonne stieg, desto schneller löste sich der Nebel auf. Unser Weg führte uns abwechselnd durch schattige Waldpassagen, über weite Feldwege und durch kleine, verschlafene Rhöndörfer, in denen die Zeit stillzustehen schien.
Der Wachtküppel: Gipfelsturm beim „Lausbuben“
Gegen Mittag erreichten wir schließlich den Fuß des Wachtküppels, der auch liebevoll als der „Lausbub der Rhön“ bezeichnet wird. Warum dieser Berg diesen kecken Namen trägt, wird sofort klar, wenn man seine markante Silhouette sieht. Er ragt fast schon frech aus der Landschaft hervor.
Wir entschieden uns für eine ausgiebige Picknickpause direkt am Fuße des Berges. Die Pferde durften erst zufrieden grasen, bevor wir sie in einem kleinen Wäldchen anbanden. Nachdem wir vom Picknick gut gestärkt waren, machten wir uns zu Fuß an den Aufstieg zum Gipfel. Der kurze, aber knackige Aufstieg wurde mit einer der schönsten Aussichten der gesamten Woche belohnt. Trotz der vorüberziehenden Wolken hatten wir eine fantastische Fernsicht über das „Land der offenen Fernen“. Ein besonderes Highlight waren die einheimischen Ziegen, die dort oben lebten und uns neugierig beäugten. Außer uns und den Ziegen war an diesem Tag niemand dort oben – ein Moment purer Ruhe und Zufriedenheit. Den Abstieg ließen wir sehr vorsichtig angehen, denn die Steine waren vom Nebel und dem Regen der letzten Tage noch nass und teilweise rutschig, aber alle kamen wieder heil unten an.
Der Weg zurück und ein würdiger Abschluss
Vom Wachtküppel aus war es nicht mehr weit bis zu unserem heimischen Hof. Die Pferde schienen zu spüren, dass die heimischen Ställe nah waren, und schritten flott voran. Gegen Abend erreichten wir schließlich unser Ziel. Nachdem die treuen Vierbeiner versorgt und auf ihre Koppeln entlassen worden waren, ließen wir den letzten Abend bei einem großen Lagerfeuer ausklingen.
Wir schauten zurück auf eine Woche voller Kontraste: Vom Hamburger Stadttrubel in die einsame Rhön, vom Dauerregen in den sonnigen Kuhstall und von bayerischen Mooren zu thüringischen Grenztürmen. Der 3 Länderritt Rhön war trotz der ursprünglichen Corona-Planänderung ein voller Erfolg. Am nächsten Morgen hieß es nach einem letzten gemeinsamen Frühstück Abschied nehmen, mit vielen neuen Erinnerungen im Gepäck und der Gewissheit: Das Abenteuer liegt oft direkt vor der Haustür.
Das Rhön-Lexikon: Der Wachtküppel
Der Wachtküppel – „Lausbub der Rhön“
Der Wachtküppel ist mit 705 Metern Höhe vielleicht kein Riese unter den Bergen, aber geologisch gesehen ein echtes Highlight. Er ist der Überrest eines Schlotes eines erloschenen Vulkans. Das weichere Gestein um ihn herum wurde im Laufe der Jahrmillionen durch Erosion abgetragen, sodass nur der harte Basaltkern stehen blieb. Den Namen „Lausbub“ verdankt er zum einen seiner markanten, spitzen Form, die ihn optisch deutlich von den massiveren Bergrücken der Umgebung abhebt. Zum anderen steckt der eigentliche Streich im Gestein: Der Basalt des Schlotes enthält so viel Magnetit, dass er in Gipfelnähe eine magnetische Anomalie erzeugt – eine Kompassnadel kann dort spürbar von der richtigen Nordrichtung abweichen. Wer also oben steht und sich über seinen Kompass wundert, hat den Lausbuben gerade bei der Arbeit erwischt. Er ist heute ein geschütztes Naturdenkmal und bietet aufgrund seiner exponierten Lage eine der besten Rundumsichten im gesamten Landkreis Fulda.
Dass ausgerechnet der Hausberg dieser Etappe den Kompass durcheinanderbringt, ist eine schöne Erinnerung daran, sich nicht auf ein einziges Hilfsmittel zu verlassen. Wie sich Himmelsrichtungen auch ohne Kompass bestimmen lassen, zeigt der Ratgeber.
Übrigens: Den Wachtküppel haben wir Jahre später noch einmal besucht – bei einem Winterritt zwischen den Jahren, bei klarer Kälte statt im Nebel.
FAQ zum 3-Länderritt – Tag 5
Wie hoch ist der Wachtküppel?
Rund 705 Meter. Er ist kein Riese, fällt aber durch seine spitze Form deutlich aus den massigeren Bergrücken der Umgebung heraus.
Warum heißt er „Lausbub der Rhön“?
Zum einen wegen der markanten, fast frechen Silhouette. Zum anderen steckt der eigentliche Streich im Gestein: Der Basalt enthält so viel Magnetit, dass er in Gipfelnähe eine magnetische Anomalie erzeugt – die Kompassnadel weicht dort spürbar ab.
Wie ist der Wachtküppel entstanden?
Er ist der Überrest des Schlots eines erloschenen Vulkans. Das weichere Gestein ringsum wurde über Jahrmillionen abgetragen, sodass nur der harte Basaltkern stehen blieb.
Kann man auf den Wachtküppel hinaufreiten?
Nein. Wir haben am Fuß des Berges Picknick gemacht, die Pferde grasen lassen und in einem Wäldchen angebunden – hinauf ging es zu Fuß. Der Aufstieg ist kurz, aber knackig.
Was ist beim Abstieg zu beachten?
Die Steine waren vom Nebel und vom Regen der Vortage noch nass und teilweise rutschig. Wir sind den Abstieg deshalb sehr vorsichtig angegangen – bei solchen Verhältnissen lohnt sich jede Minute mehr.

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