Mittagspause am Wachtküppel

Silvester in der Rhön – Tag 2

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Tag 2 – 30.12.: Zum Wachtküppel – Winterluft, Höhenmeter und ein Zug, der kurz zu laut war

Der Tag begann so, wie man es sich im Winter wünscht: Frühstück mit frischen Brötchen – und dazu Spiegeleier, die nach „Urlaub“ schmecken. Danach ging es hinaus zur Koppel: Pferde holen, erst einmal Hafer, dann putzen und satteln. Diese Routinen sind im besten Sinne beruhigend – und sie markieren den Übergang vom warmen Hofleben zur klaren Winterwelt da draußen.

Gesattelte Pferde stehen im Morgenlicht am offenen Unterstand des Hofes, dahinter das Fachwerkhaus

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 2, Dezember – zum Wachtküppel
Wetter
bestes Winterwetter, klare kalte Luft mit scharfen Konturen
Tagesziel
Wachtküppel, rund 705 m, markante Kuppe der hessischen Rhön bei Gersfeld
Unterwegs
Wälder, Forellenteiche bei Altenfeld, Brücke über die Fulda, Querung der B279, Oberrod und Rabennest
Pause
Mittagsrast im Gasthof am Wachtküppel – mit reserviertem Tisch
Rückweg
Wildtiergehege mit Rehen, dann entlang der Rhönbahn Fulda–Gersfeld
Zwischenfall
ein Zug hupte auf gleicher Höhe – kurzer Galoppansatz, eine Reiterin saß rasch wieder auf, nichts passiert
Besonderheit
der Berg stört den Kompass: hoher Magnetitanteil im Gestein eines alten Vulkanschlots

Aufbruch Richtung Wachtküppel

Unser Ziel war der Wachtküppel – eine markante Kuppe in der Rhön. Mit bestem Winterwetter ritten wir los, zunächst durch Wälder. Weil die Rhön ein Mittelgebirge ist, ging es am Anfang eine ganze Weile bergauf, bevor wir wieder ins Tal abwärts ritten.

Bei Altenfeld kamen wir an Forellenteichen vorbei und überquerten auf einer Brücke die Fulda. Später standen wir kurz an der B279 und warteten, bis wir sicher queren konnten – „zwischen den Jahren“ war zum Glück kaum Verkehr. Danach ging es wieder in den Wald, stetig bergauf Richtung Oberrod.

Raus aus dem Wald: Wiesen, Rabennest und der Weg nach oben

Als wir den Wald verließen, öffnete sich die Landschaft. Wiesen lagen still in der kalten Luft, und das Licht hatte diese winterliche Klarheit, bei der Konturen schärfer wirken als sonst. Am Rand des Ortes Rabennest ritten wir weiter – Schritt für Schritt, Höhenmeter für Höhenmeter – bis wir gegen Mittag am Wachtküppel ankamen.

Mittagsrast: warmes Essen, warme Hände

Für uns war im Gasthof ein Tisch reserviert. Wir banden die Pferde an und freuten uns auf warmes Essen – und auf das eine oder andere Getränk zum Aufwärmen. Der Unterschied zu einem anderen Jahr, in dem die Reservierung vergessen worden war und wir vor verschlossener Tür standen, hätte größer kaum sein können. Diesmal: offene Tür, warmes Licht, alles bereit. Manchmal sind es genau diese Kleinigkeiten, die einen Winterritt „rund“ machen.

Rückweg: Wildgehege, Wald – und ein kurzer Schreckmoment

Auf dem Rückweg kamen wir an einem Wildtiergehege vorbei und konnten Rehe vom Sattel aus beobachten. Danach ging es wieder durch die Wälder, zurück Richtung Hof. Wir überquerten erneut die Bundesstraße und später die Schienen der Bahnstrecke Fulda–Gersfeld (Rhönbahn).

Ein Stück ritten wir parallel zur Strecke – bis uns von hinten ein Zug überholte und genau in dem Moment hupen musste, als er auf unserer Höhe war. Die Pferde setzten kurz zum Galopp an, die Situation war angespannt – aber sie war schnell geklärt. Auch die Reiterin, die sich kurz von ihrem Pferd getrennt hatte, saß zügig wieder im Sattel. Dann: durchatmen, sammeln, weiterreiten. Nichts passiert.

Zuhause: Hafer, Absatteln, Abendessen und dieses zufriedene „Müde“

Am Hof gab es für die Pferde erst einmal Hafer, dann wurden sie abgesattelt und gingen zurück auf ihre Winterkoppel. Für uns wartete erneut ein vorzügliches Abendessen – und später saßen wir noch zusammen, mit dem angenehmen Gefühl, dass man „draußen“ gewesen ist.

Wachtküppel (705 m) – „Lausbub/Spitzbub der Rhön“

Der Wachtküppel (ca. 705 m) ist eine markante Kuppe der Hessischen Rhön bei Gersfeld – leicht erreichbar, aber mit „großer Bühne“: Durch seine exponierte Lage bietet er oft eine Rundumsicht über die Kuppenrhön bis in die Hochrhön.

Warum heißt er „Lausbub der Rhön“?

Für den Spitznamen gibt es zwei gängige Erklärungen, die sich gut ergänzen:

  1. Er spielt „Streiche“ mit dem Kompass.
    Das Gestein enthält besonders viel Magnetit/Magneteisenstein und erzeugt dadurch eine magnetische Anomalie – in Gipfelnähe kann eine Kompassnadel spürbar von der richtigen Nordrichtung abweichen. Genau dieses „Durcheinanderbringen“ wird oft als der „Lausbuben-Streich“ beschrieben.
  2. Er „lugt frech“ über die Landschaft.
    Der Wachtküppel ist im Vergleich zu den ganz großen Rhön-Höhen zwar niedriger, wirkt aber durch seine spitz-kegelige Form und seine Lage wie ein kleiner, auffälliger „Frechdachs“, der über die Umgebung hinausschaut – daher auch die Variante „Spitzbub der Rhön“.

Geologie

  • Kurz: Der Wachtküppel ist der Rest eines alten Vulkanschlots.
  • Bonus: Der Gipfel wird u. a. als Schlot aus (Trachyt-)Basalt beschrieben; der hohe Eisen-/Magnetitanteil erklärt die Kompass-Effekte.

Geschichte & Umgebung

Der Name „Wachtküppel“ ist nicht zufällig: Überlieferungen verweisen auf eine frühere Wacht-/Signalstelle in Verbindung mit der Burg Ebersburg (Signalfeuer, Warnfunktion). Außerdem liegen nahe bzw. am Fuß des Berges u. a. die Wendelinuskapelle sowie ein geologischer Lehrpfad.

Zwei Dinge nimmt man von diesem Tag mit: Auf dem offenen Gipfel fühlte sich die Kälte deutlich schärfer an als am Thermometer – warum das so ist, erklärt der Ratgeber Windchill-Effekt. Und wenn ausgerechnet der Berg den Kompass durcheinanderbringt, hilft es zu wissen, wie sich Himmelsrichtungen auch ohne Kompass bestimmen lassen.

Den Wachtküppel kennen wir auch von einer anderen Jahreszeit: Beim 3-Länderritt durch Hessen, Bayern und Thüringen war er das Ziel der letzten Etappe – damals ging es zu Fuß hinauf auf den Gipfel.

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FAQ zum Wachtküppel

Wie hoch ist der Wachtküppel?

Rund 705 Meter. Er ist eine markante Kuppe der hessischen Rhön bei Gersfeld – nicht besonders hoch, aber durch seine exponierte Lage mit weiter Rundumsicht über die Kuppenrhön bis in die Hochrhön.

Warum heißt der Wachtküppel „Lausbub der Rhön“?

Dafür gibt es zwei Erklärungen, die sich gut ergänzen: Er spielt dem Kompass Streiche, und er lugt mit seiner spitz-kegeligen Form frech über die Landschaft. Daher auch die Variante „Spitzbub der Rhön“.

Warum weicht die Kompassnadel am Wachtküppel ab?

Das Gestein enthält besonders viel Magnetit und erzeugt dadurch eine magnetische Anomalie. In Gipfelnähe kann die Nadel spürbar von der richtigen Nordrichtung abweichen. Der Berg ist der Rest eines alten Vulkanschlots, was den hohen Eisenanteil erklärt.

Warum fühlt sich Winterluft im Sattel kälter an, als das Thermometer zeigt?

Weil der Fahrtwind die Haut zusätzlich auskühlt – der sogenannte Windchill-Effekt. Auf offenen Kuppen und in Trab- und Galoppstrecken wirkt es deutlich kälter als die gemessene Lufttemperatur. Wer im Schritt sitzt, kühlt außerdem schneller aus als beim Gehen. Mehr dazu im Ratgeber Windchill-Effekt.

Was tut man, wenn ein Zug die Pferde erschreckt?

Ruhig bleiben und die Situation sortieren. Auf dem Rückweg überholte uns ein Zug und hupte genau auf unserer Höhe; die Pferde setzten kurz zum Galopp an. Die Reiterin, die sich dabei von ihrem Pferd getrennt hatte, saß zügig wieder im Sattel. Danach: durchatmen, sammeln, weiterreiten.

Was hat der Wachtküppel mit der Burg Ebersburg zu tun?

Der Name ist kein Zufall: Überlieferungen verweisen auf eine frühere Wacht- und Signalstelle in Verbindung mit der Burg Ebersburg – etwa für Signalfeuer mit Warnfunktion. Am Fuß des Berges liegen außerdem die Wendelinuskapelle und ein geologischer Lehrpfad.

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