Braunes Ortsschild in Holzrahmen mit der Aufschrift „Es grüßt der Ferienort Gichenbach“

Silvester in der Rhön – Tag 1

Tag 1 – 29.12.: Anreise in die Rhön und ein Abend, der nach „Ankommen“ schmeckt

Die Weihnachtsfeiertage waren gerade erst vorbei, als wir uns im Norden Deutschlands ins Auto setzten und Kurs auf die Rhön nahmen. Es sind diese Tage „zwischen den Jahren“, kurz vor Silvester, an denen das Land kurz den Atem anhält: weniger Verkehr, weniger Hektik, mehr Raum im Kopf. Die Autobahn war angenehm leer, der Himmel klar, und mit jedem Kilometer wirkte der Alltag ein kleines Stück weiter weg.

Der Tag auf einen Blick

Etappe
Tag 1, Dezember – Anreise in die Rhön
Anreise
aus Norddeutschland, rund fünf Stunden Fahrt mit Kaffeepause bei Kassel
Zeitpunkt
„zwischen den Jahren“ – leere Autobahnen, ruhiges Land
Treffpunkt
18:00 Uhr am Hof in der Rhön
Abends
ungarisches Abendessen beim Hofbesitzer, der aus Ungarn stammt
Vorbereitung
der Rittführer fragt nach Reiterfahrung, um die Pferde einzuteilen

Unterwegs: Kassel, Kaffee und dieses besondere Reisegefühl

Nach einigen Stunden rollten wir in der Gegend um Kassel an einen Rasthof. Normalerweise sind Autobahnpausen eher Pflichtprogramm – diesmal war es anders. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Stimmung, vielleicht daran, dass der Kaffee tatsächlich überraschend gut war. Ein kurzer Moment, um die Beine zu vertreten, die Schultern zu lockern – und dann wieder weiter, hinein in die Mittelgebirgslandschaft, die die Rhön so unverwechselbar macht.

Ankunft: Herzlich empfangen und zuerst da

Nach rund fünf Stunden Fahrt waren wir am Hof angekommen – das Treffen war für 18:00 Uhr geplant, und weil wir besser durchgekommen waren als gedacht, waren wir die Ersten. Genau das hatte etwas Schönes: erst einmal in Ruhe ankommen, Zimmer beziehen, die Atmosphäre aufsaugen. Nach und nach trafen dann die anderen Mitreiter ein – einige kannten wir bereits von früheren Ritten, andere lernten wir an diesem Abend zum ersten Mal kennen.

Die Gruppe steht auf dem Hofplatz um das hölzerne Badefass auf dem Anhänger, dahinter die schindelverkleideten Wirtschaftsgebäude

Abendprogramm: Ungarische Küche, warme Gespräche, ein Blick auf die nächsten Tage

Der Hofbesitzer – ursprünglich aus Ungarn – verwöhnte uns mit einem vorzüglichen ungarischen Abendessen. Später, bei dem einen oder anderen Getränk, wurde gelacht, erzählt und „die Gruppe“ nahm langsam Form an. Der Rittführer fragte (zumindest bei denen, die noch nicht hier gewesen waren) nach Reiterfahrungen, um die Pferdeverteilung für die kommenden Tage vorbereiten zu können. Es war einer dieser Abende, an denen man merkt: Das hier wird nicht nur ein Ritt – das wird eine kleine Wintergeschichte.

„Zwischen den Jahren“ – woher der Ausdruck kommt

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben einen eigenen Namen, und der ist älter als der Kalender, den wir heute benutzen. Im Norden sagt man auch „zwischen den Tagen“. Gemeint ist eine Zeit, die sich weder ganz dem alten noch dem neuen Jahr zuordnen lässt.

Eine verbreitete Erklärung führt zum germanischen Mondkalender: Zwölf Mondmonate ergeben rund 354 Tage – gut elf Tage weniger, als die Sonne für ihren Umlauf braucht. Diese Differenz, elf Tage oder zwölf Nächte, galt als Zeit außerhalb der Zählung. Dazu kommt, dass der Jahresbeginn über Jahrhunderte alles andere als einheitlich war; je nach Region und Epoche begann das Jahr an Weihnachten, an Neujahr oder erst am Januar.

Aus derselben Zeitspanne stammen die Rauhnächte (auch Raunächte geschrieben). Der Name wird auf das Räuchern zurückgeführt, auf „rauh“ im Sinne von wild – oder auf das alte Wort rûch für haarig und pelzig, womit die Gestalten gemeint waren, die in diesen Nächten unterwegs sein sollten. Für uns war davon nichts zu spüren. Aber dass die Autobahn leer war und das Land wirkte, als hielte es kurz den Atem an, passt zu einer Zeit, die schon immer als Zwischenraum galt.

Die Rhön im Winter

Die Rhön erstreckt sich über rund 1.500 Quadratkilometer im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen. Ihr höchster Punkt ist die Wasserkuppe mit 950 Metern – zugleich der höchste Berg Hessens. Das klingt nach wenig, macht sich im Winter aber deutlich bemerkbar.

Die Jahresmitteltemperatur auf der Wasserkuppe liegt bei etwa 4,8 Grad, der Niederschlag bei rund 1.000 Millimetern im Jahr. In den höheren Lagen liegt typischerweise von Mitte November bis Mitte März Schnee, in der Hochrhön können durchaus ein halber Meter und mehr zusammenkommen. Mit den Alpen ist das nicht zu vergleichen, mit anderen Mittelgebirgen wie Harz oder Schwarzwald schon.

Für einen Winterritt heißt das vor allem: Man weiß vorher nicht, was man bekommt. Es kann sein, dass die Hochflächen unter einer geschlossenen Schneedecke liegen – es kann aber genauso sein, dass nur die Kuppen weiß sind und unten im Tal alles grün bleibt. Beides hat seinen Reiz, und beides verlangt dieselbe Vorbereitung.

Warum die Pferde auch im Winter draußen stehen

Auf dem Hof standen die Pferde im Winterauslauf an der Heuraufe – für viele Besucher ein ungewohnter Anblick, wenn es kalt ist. Tatsächlich kommen gesunde Pferde mit trockener Kälte deutlich besser zurecht als mit Nässe und Zugluft. Ihre sogenannte thermoneutrale Zone, also der Bereich, in dem sie keine zusätzliche Energie für die Wärmeregulierung aufwenden müssen, reicht bei Offenstallhaltung je nach Quelle etwa von minus 15 bis plus 25 Grad. Am wohlsten fühlen sie sich bei ungefähr 5 bis 15 Grad – also bei Werten, die uns bereits frösteln lassen.

Zwei Dinge helfen ihnen dabei. Zum einen das Winterfell: Kleine Muskeln an den Haarbalgen richten die Haare auf, sodass zwischen ihnen ein isolierendes Luftpolster entsteht. Zum anderen das Heu. Bei dessen Zersetzung im Dickdarm entsteht fortlaufend Wärme – eine Art innere Heizung, die nur läuft, solange Raufutter da ist. Deshalb ist eine gut gefüllte Raufe im Winter wichtiger als jede Decke.

Wer sein Pferd im Winter eindeckt, nimmt ihm einen Teil dieser Selbstregulierung ab. Das kann bei geschorenen, alten oder kranken Pferden richtig sein – bei einem gesunden Pferd mit vollem Winterfell ist es meist unnötig. An diesem Abend jedenfalls standen die Pferde ruhig an der Raufe, während wir drinnen froh um den warmen Raum waren.

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FAQ zur Anreise

Wann beginnt der Silvesterritt in der Rhön?

Der Ritt startet am Dezember mit der Anreise. Das gemeinsame Treffen am Hof war für 18:00 Uhr angesetzt, der Abend diente dem Kennenlernen der Gruppe.

Wie lange dauert die Anreise aus Norddeutschland?

Rund fünf Stunden Fahrt, mit einer Pause in der Gegend um Kassel. „Zwischen den Jahren“ sind die Autobahnen deutlich leerer als sonst – die Fahrt lief besser als geplant.

Wie werden die Pferde zugeteilt?

Am Ankunftsabend fragt der Rittführer nach der Reiterfahrung – vor allem bei denen, die zum ersten Mal dabei sind. Daraus ergibt sich die Verteilung für die kommenden Tage.

Was macht die Tage zwischen Weihnachten und Silvester für einen Ritt besonders?

Es ist ruhiger: weniger Verkehr auf der Anreise, kaum jemand unterwegs im Gelände, und die Wege gehören einem fast allein. Dazu kommt das Winterlicht, das die Landschaft anders zeigt als im Sommer.

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