Auf dem Weg zur Wasserkuppe beim Wanderritt Rhön Wasserkuppe

Das Scha(r)fe Genusserlebnis | Tag 1

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Tag 1: Goldener Oktober und der „Geldregen“ auf Hessens höchstem Berg

Wanderritt Rhön Wasserkuppe – Der Ritt trug nicht umsonst den Namen „Das Scha(r)fe Genusserlebnis“ – aber bevor wir überhaupt an Genuss denken konnten, stand erst einmal die Anreise an. Unser herbstliches Abenteuer begann mit einer klassischen Geduldsprobe. Da wir das lange Wochenende Anfang Oktober für unseren Ritt gewählt hatten, waren wir nicht die Einzigen mit Kurs auf den Süden. Von Hamburg aus starteten wir motiviert, doch die berüchtigte Baustelle am Hattenbacher Dreieck lehrte uns Demut. Der daraus resultierende Stau kostete uns wertvolle Zeit, doch die Vorfreude auf die bunt gefärbten Buchenwälder der Rhön ließ uns die Verzögerung verschmerzen. Als wir schließlich den Hof erreichten, brannte bereits Licht im Gastraum. Nach einem herzlichen Kennenlernen bei einer dampfenden Suppe folgte die spannende Pferdeeinteilung durch unseren Rittführer – ein Moment, der die Vorfreude auf den nächsten Morgen ins Unermessliche steigerte.

Beim ersten Kennenlernen wurde schnell klar: Hier treffen unterschiedliche Erfahrungslevel aufeinander. Genau das machte die Runde angenehm entspannt – und es half unserem Rittführer, die Pferde passend einzuteilen. Nach dem Essen wurde noch geschnackt, Reitbiografien ausgetauscht und die Vorfreude auf die nächsten Tage spürbar größer.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 1 – Anreise und erster Ritt auf die Wasserkuppe
Der Ritt
„Das Scha(r)fe Genusserlebnis“ – ein Herbstritt rund um die Rhönschafe
Zeitraum
langes Wochenende Anfang Oktober, goldener Herbst
Anreise
von Hamburg, mit Stau an der Baustelle am Hattenbacher Dreieck
Tagesziel
die Wasserkuppe, mit 950 m der höchste Berg Hessens
Unterwegs
Radom auf dem Gipfel und die Fuldaquelle
Abends
Schäferwagen als Quartier, die Pferde auf der Wiese

Morgens: Koppel, Sattel, los

Am nächsten Morgen startete der Tag mit einem ausgiebigen Frühstück. Dann ging’s raus: Pferde von der Koppel holen, putzen, satteln – dieses ruhige, vertraute „Vor-dem-Ritt“-Ritual, bei dem man innerlich schon unterwegs ist, obwohl man noch am Hof steht.

Unsere Route führte vorbei an Wiesen und Feldern in Richtung Wasserkuppe. Das Wetter spielte mit: klare Luft, freundliches Licht, diese typische Rhön-Weite, die den Blick automatisch in die Ferne zieht. Bevor es ernsthaft bergauf ging, legten wir am Waldrand eine Mittagsrast ein: Pferde anbinden, Picknick auspacken, kurz durchatmen.

Zwei Frauen packen an einem Picknicktisch unter einer alten Buche das Essen aus, auf dem Tisch eine rot-weiß karierte Decke

Nachmittags: Bergauf, Radom, Fuldaquelle

Ab da wurde es stetig anstrengender – kontinuierlich bergauf. Und dann waren wir oben: vorbei am Segelflugplatz, der nicht ohne Grund den Ruf als „Berg der Flieger“ hat, und natürlich am Radom, das man schon von weitem erkennt. Es ist eines dieser Landmarken-Dinge: Sobald du es siehst, weißt du genau, wo du dich in der Rhön gerade verortest.

An der Fuldaquelle machten wir kurz Halt für Fotos – ein kleiner Moment, der sich „größer“ anfühlt, wenn man weiß, dass aus diesem unscheinbaren Anfang später ein Fluss wird, der nach über 200 Kilometern schließlich mit der Werra zur Weser zusammenfließt.

Der Galopp – und die zwei „Runden“, die niemand vergessen wird

Nach dem Straßenüberqueren kam er: ein breiter Weg, der förmlich „Galopp!“ ruft. Und damit begann die Geschichte, über die wir später noch sehr lange gelacht haben.

Unter Wanderreitern gibt es diese inoffizielle Regel: Wer im Trab oder Galopp etwas verliert und deswegen angehalten werden muss, gibt abends eine Runde aus. Der Rittführer gab das Zeichen, wir galoppierten an – und plötzlich lagen vor uns 5- und 10-Euro-Scheine auf dem Weg. Mehrere riefen gleichzeitig „Stop!“, der Rittführer bremste sofort, in der Annahme, es sei etwas passiert: Sturz? Verletzung? Pferd erschrocken?

Stattdessen stellte sich heraus: Sein Reißverschluss war nicht richtig zu. Das Geld war im Galopp aus der Tasche „ausgestiegen“. Also: absteigen, einsammeln – in dem sehr klaren Bewusstsein, dass dieses Geld am Abend ziemlich sicher als Runde enden würde.

Eigentlich wäre die Geschichte hier schon rund. War sie aber nicht.

Denn kaum war er wieder aufgestiegen, wurde neben uns hektisch gesucht: „Wo ist eigentlich mein Handy?“ Letzter sicherer Punkt: bei der Fuldaquelle, also nur ein paar Minuten zurück. Der Rittführer entschied pragmatisch: Die Gruppe bleibt stehen, Pferde grasen lassen – er reitet allein zurück, damit nicht alle noch einmal über die Straße müssen.

Und jetzt kommt der Teil, der für immer bleiben wird: Kaum war er außer Sicht und Hörweite, kam das leise, kleinlaute: „Oh… ich habe es in eine andere Tasche gesteckt. Ich hab’s doch.“ Tja. Blöd nur: Der Rittführer war schon weg. Wir warteten – und warteten – bis er zurückkam, ohne Handy. Und dann musste die Wahrheit raus.

Das Ergebnis war sofort klar und einstimmig: Heute Abend gibt’s zwei Runden.

Abend: Schäferwagen, Pferde auf der Wiese, Abschluss am Tisch

Am Ende des Tages erreichten wir Seiferts. Wir übernachteten in einem Hotel – und zwar in alten Schäferwagen, was perfekt zu Titel und Stimmung passte. Die Pferde kamen auf eine nahegelegene Wiese bei einem Bauern. Für uns gab es ein richtig gutes Abendessen – und danach, wie angekündigt, zwei Runden von den beiden Pechvögeln des Tages.

Ein gelber Schäferwagen mit Rundbogendach auf der Obstwiese, davor ein Kirschbaum

Rhön-Lexikon: Das Plateau der Superlative

Die Wasserkuppe (950 m ü. NN): Sie ist nicht nur der höchste Berg der Rhön, sondern ganz Hessens. Geologisch gesehen ist sie ein gewaltiger Basaltrücken, der als Teil des vulkanischen Erbes der Region weithin sichtbar ist. Aufgrund ihrer exponierten Lage ist sie ein wichtiger Wasserteiler: Hier entspringen über 30 Bäche, darunter die berühmte Fulda. Die Wasserkuppe ist das touristische Herz der Hohen Rhön und bietet bei klarem Wetter Sichten bis zum Brocken im Harz oder zum Großen Feldberg im Taunus.

Das Radom – Das weiße Auge der Rhön: Die markante weiße Kuppel auf dem Gipfel ist ein Relikt des Kalten Krieges. Es handelt sich um eine ehemalige Radarantenne der US-Luftwaffe, die zur Überwachung des Luftraums entlang des Eisernen Vorhangs diente. Heute ist das Radom ein geschütztes Kulturdenkmal und beherbergt die höchstgelegene Aussichtsplattform Hessens sowie wechselnde Ausstellungen. Es ist das unverkennbare Wahrzeichen, das Wanderreitern aus fast jeder Ecke der Rhön den Weg weist.

Berg der Flieger – Die Wiege des Segelflugs: Weltweite Berühmtheit erlangte die Wasserkuppe durch die Luftfahrt. 1911 begannen hier Darmstädter Studenten mit den ersten Gleitflugexperimenten. Die baumfreie Kuppe und die hervorragenden thermischen Aufwinde machten sie zum idealen Testgelände. Heute beheimatet sie die älteste Segelflugschule der Welt und das Deutsche Segelflugmuseum. Wer hier reitet, teilt sich den Himmel oft mit lautlosen Flugkünstlern und bunten Paraglidern.

Die Fuldaquelle: Direkt unterhalb des Gipfels entspringt die Fulda. Die Quelle ist hübsch in Basaltsteine gefasst und ein symbolträchtiger Ort. Von hier aus legt das Wasser über 220 Kilometer zurück, bevor es sich bei Hann. Münden mit der Werra zur Weser vereint. Für uns Reiter war es der perfekte Ort für ein Erinnerungsfoto, bevor das Handy-Chaos seinen Lauf nahm.

Von der Talsohle hinauf auf 950 Meter – die Wasserkuppe ist kein Alpengipfel, aber die Höhenmeter summieren sich. Wie sich Tagesbelastung und Etappenlänge realistisch einschätzen lassen, erklärt der Ratgeber Höhenmeter beim Wanderreiten.

Hinweis: Wenn du beim Klick auf „Nächster Etappenbericht“ auf der Startseite landest, ist der nächste Artikel vermutlich noch nicht veröffentlicht.

FAQ zum Herbstritt – Tag 1

Wie hoch ist die Wasserkuppe?

Mit rund 950 Metern ist sie der höchste Berg Hessens. Oben stehen das weithin sichtbare Radom und in der Nähe die Fuldaquelle.

Wann ist die beste Zeit für einen Herbstritt in der Rhön?

Anfang Oktober, wenn die Buchenwälder sich färben. Wir hatten das lange Wochenende gewählt – schön für die Farben, weniger schön für die Autobahn: Am Hattenbacher Dreieck kostete uns eine Baustelle einiges an Zeit.

Was bedeutet der Name „Das Scha(r)fe Genusserlebnis“?

Der Ritt dreht sich um das Rhönschaf und die regionale Küche. Der Titel spielt mit „Schaf“ und „scharf“ – am zweiten Tag wird beim Schäfer aufgetischt.

Wo übernachtet man auf diesem Ritt?

Unter anderem in einem Schäferwagen, während die Pferde auf der Wiese standen. Das gehört zum Charakter dieses Ritts – nah dran an dem, worum es geht.

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