Tag 3 – Kälte, Glühwein in Baumgarten und die stille Rückkehr über Gransee
Wir nehmen uns 3 Tage Auszeit für einen Wintersternritt in Brandenburg
Noch eine Schicht mehr
Am dritten Morgen war es spürbar kälter: etwa -5 °C, dazu windiger. Also: schnell noch eine zusätzliche Schicht – denn wer morgens schon friert, spart den Tag über nur noch Energie.
Wir starteten Richtung Süden. Wald und Feldwege wechselten sich ab, der Boden war größtenteils gefroren – also ritten wir fast durchgehend im Schritt. Im Wald war es angenehm. Aber sobald wir die schützenden Bäume verließen, biss der Wind sofort wieder in die kleinsten Lücken der Kleidung.
Seen mit erster Eisschicht und Windschutz am Knick
Immer wieder kamen wir an Seen vorbei, auf denen sich langsam eine Eisschicht bildete. Auf den Feldern versuchten wir, möglichst dicht am Knick zu bleiben – jede Hecke zählt, wenn der Wind quersteht.
Mittag in Baumgarten: Glühwein und Königsberger Klopse
Gegen Mittag erreichten wir einen kleinen Imbiss in Baumgarten. Drinnen: Wärme. Draußen: Winter. Wir wärmten uns mit Glühwein auf und stärkten uns mit Königsberger Klopsen – genau das Richtige, wenn der Körper den ganzen Vormittag gegen Kälte gearbeitet hat.
Nach etwa 1,5 Stunden saßen wir wieder im Sattel.
Stillstand der Natur – und dann wieder Wind
Gerade in windgeschützten Ecken fiel auf, wie ruhig die Natur zu dieser Jahreszeit ist. Keine Insekten, kaum Vogelstimmen – nur Hufschlag, Atmen, Lederknarzen. Und dann: wieder raus aus dem Schutz, wieder Wind, wieder Winter.
Wir ritten nordwärts, vorbei an Keller und durch die Ortschaften Sonnenberg und Rauschendorf. Obwohl Sonntagnachmittag war, wirkten die Orte wie ausgestorben. Kaum Menschen, kaum Autos – dafür dieser typische Geruch nach Kaminfeuer, der sofort nach “Zuhause” klingt, auch wenn man gerade unterwegs ist.
Dämmerung bei Gransee und der lange Heimweg
In der Dämmerung erreichten wir den Ortsrand von Gransee. Ein Wanderweg, der wie ein alter Bahndamm wirkte, führte uns weiter – und es war längst dunkel, als wir wieder am Hof ankamen.
Pferde versorgen, kurz aufwärmen, verabschieden – und dann die drei Stunden Heimfahrt nach Hamburg. Gegen 21:00 Uhr waren wir zuhause: müde, aber sehr glücklich. Kalt war’s. Schön war’s auch. Und es hat sich definitiv gelohnt.
Etappe in Zahlen (Tag 3)
- Distanz: 31,9 km
- Zeit im Sattel: 7:48 h
- Mittagspause: 1:40 h
Knick – natürlicher Windschutz am Feldrand
Ein Knick ist im Kern eine Wallhecke: Gehölze auf einem (oft künstlich angelegten) Erdwall, genutzt als Einfriedung, Grenzmarkierung und Windschutz.
Im Winter praktisch: Selbst ein “kleiner” Knick kann den gefühlten Temperaturunterschied auf offenen Wegen deutlich reduzieren.
Königsberger Klopse
Königsberger Klopse (auch Kapernklopse) stammen historisch aus Ostpreußen; typisch ist die helle Soße mit Kapern.
Warum es auf Tour passt: Warm, sättigend, salzig genug – ideal, wenn man den halben Tag Gegenwind “gegessen” hat.
Gransee – Backstein, Stadtmauer und ein echtes Mark-Gefühl
Kurzprofil
- Region: Brandenburg, Landkreis Oberhavel – im Ruppiner Seenland nördlich von Berlin.
- Charakter: Historischer Stadtkern mit mittelalterlicher Befestigung, klare „Ackerbürgerstadt“-Atmosphäre, viel Backstein und Feldstein.
- Warum es auf deinem Ritt so wirkt: Gransee liegt spürbar im Übergang zwischen offener Ackerlandschaft und Wald-/Seenräumen – das merkt man besonders bei Wind und Dämmerung.
Name & frühe Entwicklung
Der Ortsname wird u. a. aus dem Niederdeutschen/Althochdeutschen gedeutet (sinngemäß „Grans/Grans-“ als Schnabel/Spitze/Horn bzw. alternative Deutungen; „-oie/-owie“ als Land am Wasser/Aue). Frühformen des Namens sind seit dem 13. Jahrhundert belegt.
Archäologische Funde zeigen zudem, dass das Gebiet deutlich älter besiedelt ist (u. a. Funde aus der Bronzezeit werden genannt).
Mittelalter: Stadtrecht, Grenzlage und Befestigung
Gransee entstand vermutlich um 1200 an der Kreuzung wichtiger Wege und erhielt 1262 Stadtrecht sowie Zollfreiheit – ein klassischer Impuls für Wachstum (Handel, Handwerk, Markt).
Spannend für das heutige Stadtbild: Gransee wurde als Grenzstadt stark befestigt. Die Stadtmauer (im Kern 14. Jahrhundert) ist fast vollständig erhalten; sie bildet mit Graben-/Wallzonen ein sehr „geschlossenes“ mittelalterliches Stadtbild.
Zahlen & Highlights der Befestigung
- Stadtmauer: ca. 1.750 m lang, nahezu geschlossen erhalten.
- Ruppiner Tor: Wahrzeichen der Stadt, Bau um 1450, spätgotische Backsteinarchitektur.
- Ergänzend werden u. a. Pulverturm (15. Jh.) und Warte/Wachturm als Teil der historischen Verteidigungslandschaft genannt.
St. Marienkirche: das sichtbare Zentrum
Das markanteste Bauwerk im Stadtkern ist die doppeltürmige Stadtkirche St. Marien. Von oben erschließt sich laut Stadt-/Tourismusdarstellung sehr gut die besondere Lage Gransees zwischen offener Ebene und nördlichen Wald-/Seenbereichen.
Zur Bauzeit wird meist der spätmittelalterliche Ausbau genannt: eine Backstein-Hallenkirche aus dem 14./15. Jahrhundert (mit weiteren Bauphasen).
Kloster, Hospital, Schinkel – Kultur- und Preußen-Spuren
Für eine Stadt dieser Größe ist die Dichte an historischer Substanz hoch. In den gängigen Übersichten werden u. a. genannt:
- Ehemaliges Franziskanerkloster (Gründung/Anlage um 1280, Teile erhalten)
- Heilig-Geist-Hospital (frühe Anlage wird mit 1315 datiert; heute u. a. Heimatmuseum)
- Luisendenkmal (Entwurf Karl Friedrich Schinkel, datiert 1811) – ein typischer „Preußen-Anker“ im Stadtraum
Eisenbahn & „alter Bahndamm“-Gefühl
Dass uns ein Weg wie ein ehemaliger Bahndamm vorkam, passt sehr gut zur Regionalgeschichte: Gransee erhielt 1877 Anschluss an die Berliner Nordbahn; zudem existierte die Stechlinseebahn (Kleinbahn Richtung Neuglobsow/Stechlin), die später stillgelegt und schließlich zurückgebaut wurde.
Ehemalige Bahntrassen in der Region wurden teilweise zu Rad-/Wegenetzen umgenutzt – was genau dieses typische „gerade, erhöhte Trasse“-Gefühl erklärt

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