Wanderritt in Marokko – 220 km Reitabenteuer in der Wüste südlich von Agadir

Wanderritt in Marokko – Agadir & Tiznit (Laazib–Massa–Tiznit–Atlantik–Laazib)

Neun Tage Wanderritt in Marokko – und am Ende bleibt vor allem dieses Gefühl, wirklich „draußen“ gewesen zu sein: Weite, Wind, Salz in der Luft und diese besondere Mischung aus Steinwüste, Palmeninseln und Atlantikküste. Der Ritt war landschaftlich außergewöhnlich abwechslungsreich – von Reg-Flächen und wüstenhaften Ebenen über Flussgrün am Oued Massa bis zu Strandpassagen, die nur im richtigen Ebbe-Fenster möglich sind. Zwei Tage lang begleitete uns zudem die Bergkulisse des Anti-Atlas am Horizont – ein ständiger, ruhiger Rahmen, der die Etappen optisch fast „zusammenhielt“.

Unser Gesamteindruck

Positiv

  • Herzlichkeit und Gastfreundschaft: Wir haben uns an vielen Stellen ehrlich willkommen gefühlt – freundlich, hilfsbereit, unkompliziert.
  • Atemberaubende Landschaft: Besonders eindrücklich waren die offenen Reg-Landschaften, die Wechsel von Kargheit zu Grün entlang der Oueds sowie die Anti-Atlas-Kulisse, die über zwei Tage hinweg wie ein Fixpunkt am Horizont stand.
  • Erlebnisfaktor Küste: Die Strandtage waren echte Highlights – weite Galoppaden, felsige Ebbe-Passagen, Morgenlicht, Brandung.

Negativ

  • Müll und Verschmutzung: Marokko wirkte in vielen Bereichen leider deutlich dreckig, gerade rund um Agadir ist uns viel herumliegender Müll aufgefallen (u. a. Plastikflaschen). Das ist schade, weil es die Schönheit der Landschaft an einigen Stellen spürbar schmälert.

Für wen ist dieser Ritt geeignet?

Dieser Ritt richtet sich klar an erfahrene, gut trainierte Reiter – nicht an Anfänger. Länge und Tempo (mehrere lange Etappen, teils sehr viele Kilometer, regelmäßige Galoppaden, wechselnder Untergrund von Sand über Stein bis zu Ebbe-Felsen) setzen voraus, dass man:

  • in allen Gangarten sicher ist (auch über längere Strecken),
  • ein Pferd in offenem Gelände zuverlässig kontrollieren kann,
  • körperlich konditioniert ist (mehrere Tage hintereinander),
  • und in ungeplanten Situationen ruhig bleibt (z. B. wenn Logistik/Team kurzfristig anders läuft oder etwas Unvorhergesehenes passiert).

Etappenübersicht (Kilometer & Reitzeiten)

Nur Reittage (Tag 2–7). Tage ohne Reiten sind nicht in der Gesamtsumme enthalten.

Gesamt
TagEtappekmReitzeit
2Laazib → Massa32,35:22
3Massa → Talaainte Oufella37,86:12
4Talaainte Oufella → Tiznit (Vormittag)20,24:23
5Douar Sidi Ali → Zaouit Aglou33,75:22
6Zaouit Aglou → Sidi R’bat39,84:52
7Sidi R’bat → Laazib63,19:06
Gesamt226,935:17
Gesamtkilometer (Reittage) 226,9 km
Gesamtreitzeit 35 h 17 min

Tagesrückblick

Tag 1 – Agadir (ohne Pferd): Ankommen, Geld besorgen, Souks, Strand und erstes „Marokko-Gefühl“ – inklusive Kennenlernen der Rittführerin und Vorfreude auf den Start.
Tag 2 – Erster Reittag (Laazib → Massa): Start in eine neue Reitwelt: arabische Pferde, Tempowechsel, erste Reg-/Sandpassagen, Steilküste von oben – und dann das grüne Band am Oued Massa bis nach Massa.
Tag 3 – Massa → Talaainte Oufella: Steinwüste statt Dünenmeer, schnelle Galoppaden in offener Ebene und am Mittag Tajine im Schatten eines Arganbaums – während der Anti-Atlas am Horizont langsam näher rückt.
Tag 4 – Talaainte Oufella → Tiznit (halber Reittag): Vormittags “Reg” (das ist eine Wüstenart) mit kleinen Düneninseln und die ersten Dromedare; nachmittags dann Stadtwechsel: Tiznit, Souks, Kasbah und die „blaue Quelle“ als Kontrastprogramm.
Tag 5 – Douar Sidi Ali → Zaouit Aglou: Ein Tag voller Landschaftswechsel: „Wäldchen im Sand“, dann wieder Weite, Ruinen mit Geschichtshauch und abends Camp-Stimmung mit Vollmond-Aufgang hinter den Pferden.
Tag 6 – Zaouit Aglou → Sidi R’bat: Frühstart für das Ebbe-Fenster, Strandritt im Morgenlicht, felsige Passagen am Wasser und Ankunft an der Oued-Massa-Mündung – gekrönt von einem neugierigen Dromedar beim Sundowner.
Tag 7 – Sidi R’bat → Laazib (längste Etappe): Der große Abschlusstag: Strand, Steilküste und viele Kilometer – inklusive der einzigen echten Stressminute der Woche, als das frei mitlaufende Pferd verschwand und später wieder auftauchte; danach Zieleinlauf mit Tee und Abschied.
Tag 8 – Agadir: Freier Tag, Wanderung zur Kasbah Agadir Oufella mit Panorama, Hafenbummel und ein letzter langer Abend am Strand.
Tag 9 – Heimreise: Reibungsloser Rückflug über Casablanca und Frankfurt – und plötzlich endet diese Reise dort, wo sie begonnen hat: am Flughafen, nur mit deutlich mehr Bildern im Kopf.

Schlussfazit

Dieser Ritt war für uns ein intensives, landschaftlich starkes Erlebnis – mit echter Küstenmagie, wüstenhaftem Reitgefühl ohne Klischee-Dünen und der eindrucksvollen Anti-Atlas-Kulisse als ständiger Begleiter. Gleichzeitig bleibt die Enttäuschung über den vielerorts sichtbaren Müll, gerade im Raum Agadir. Wer jedoch erfahren ist, Tempo und Länge liebt und Marokko nicht nur „anschauen“, sondern im Sattel durchqueren möchte, findet hier eine Reise, die lange im Kopf bleibt.

Hier noch ein paar Videos

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