Zwei Reiter auf geschecktem und braunem Pferd auf einem Schotterweg zwischen Weiden, am Horizont die Kuppen der Rhön

Das Scha(r)fe Genusserlebnis | Tag 3

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Tag 3: Rückritt über den „Lausbuben“

Der dritte Tag markierte den Beginn unserer Rückreise, doch das Abenteuer war noch lange nicht vorbei. Bevor wir den Wanderritt Rhön Wachtküppel fortsetzen konnten, hieß es: Ordnung schaffen. Wir bauten die provisorische Koppel in Seiferts fachgerecht ab und verluden unser Gepäck auf das Begleitfahrzeug. Die Pferde waren nach den zwei Nächten auf der Wiese sichtlich zufrieden und trugen uns motiviert den Berg hinauf.

Die Etappe auf einen Blick

Etappe
Tag 3 – Rückritt über den Wachtküppel
Vorher
die provisorische Koppel in Seiferts abbauen, Gepäck aufs Begleitfahrzeug
Unterwegs
noch einmal über das Plateau der Wasserkuppe – diesmal voller Paraglider in der Herbstthermik
Tagesziel
der Wachtküppel, markanter Basaltkegel und „Lausbub der Rhön“
Pause
ausgiebige Rast am Wachtküppel, die Pferde im Schatten am Waldrand
Nachmittag
durch die Wälder um den Großen Nallenberg

Bis zur Wasserkuppe: bekannte Wege, anderes Gefühl

Unser Weg führte uns erneut über das Plateau der Wasserkuppe. Heute bot sich uns ein völlig anderes Bild als am Vortag: Der Himmel war übersät mit bunten Paraglidern, die die hervorragende Herbstthermik für stundenlange Flüge nutzten. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, diese Flugkünstler fast lautlos über die Hänge gleiten zu sehen, während man selbst im Rhythmus der Pferdehufe die Landschaft durchquert.

Bunte Gleitschirme über der Kuppe der Wasserkuppe mit dem Radom, davor herbstliche Bergwiesen

Mittagsrast am Wachtküppel

Nachdem wir die Wasserkuppe hinter uns gelassen hatten, bogen wir in Richtung des Wachtküppels ab. Die Wege wurden schmaler und führten uns durch herrlich duftende Nadelwälder und über offene Wiesenflächen. Gegen Mittag erreichten wir den markanten Basaltkegel. Hier bot sich der perfekte Platz für eine ausgiebige Rast. Wir banden die Pferde an stabilen Bäumen am Waldrand an, wo sie im Schatten entspannen konnten, während wir unser mitgebrachtes Picknick genossen. Der Blick hinauf zum Gipfel des „Lausbuben“ erinnerte uns daran, wie vielfältig die geologischen Formationen in der Rhön sind. Die Stille an diesem Ort, nur gelegentlich unterbrochen vom Schnauben der Pferde, war die perfekte Erholung für den Endspurt des Tages.

Der felsige Gipfel des Wachtküppels mit dem Gipfelkreuz, daneben drei Menschen als Silhouetten

Nachmittags: durch die Wälder um den Großen Nallenberg

Nach der Rast führte uns der Weg durch die Wälder rund um den Großen Nallenberg zurück zum Hof. Die Hufe unserer Pferde versanken fast geräuschlos im dicken Teppich aus frisch gefallenem Laub. Es ist diese besondere Ruhe der herbstlichen Rhön, die einen Wanderritt so meditativ macht. Wir genossen die kühle Waldluft und das Spiel der Sonnenstrahlen zwischen den hohen Stämmen. Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich wieder den heimischen Hof. Die Pferde durften nach einer gründlichen Versorgung zurück auf ihre gewohnten Koppeln, während wir uns beim gemeinsamen Abendessen bereits auf den Abschlussritt des nächsten Tages freuten.

Das Rhön-Lexikon: Landmarken am Wegesrand

Der Wachtküppel (705 m) – Der „Lausbub“ der Rhön: Der Wachtküppel ist einer der markantesten Berge in der hessischen Rhön, etwa 5 km südlich der Wasserkuppe gelegen. Geologisch gesehen ist er ein Lehrbuchbeispiel für den Vulkanismus der Region: Er ist ein sogenannter „Schlotpfropfen“. Das bedeutet, er besteht aus hartem Basalt, der einst im Schlot eines Vulkans erstarrte. Über Jahrmillionen wurde das weichere Umgebungsgestein (Buntsandstein) abgetragen, sodass heute nur noch dieser steile Kern übrig ist. Seinen Spitznamen „Lausbub“ verdankt er einerseits seiner kecken, spitzen Form, die ihn optisch deutlich von den massiven Bergrücken seiner Nachbarn abhebt – andererseits einem echten Streich, den er Wanderern spielt: Sein Gestein ist so magnetitreich, dass am Gipfel eine magnetische Anomalie entsteht und Kompassnadeln von der richtigen Nordrichtung abweichen können. Von seinem Gipfel hat man einen perfekten 360-Grad-Blick über das Fuldaer Land.

Großer Nallenberg (768 m): Der Große Nallenberg ist ein bewaldeter Berg bei Gersfeld. Er ist ein wichtiger Teil des Biosphärenreservats, da seine dichten Buchen-Mischwälder einen wertvollen Lebensraum für seltene Tierarten bieten. Besonders hervorzuheben ist der scheue Schwarzstorch, der in den ruhigen Seitentälern rund um den Nallenberg seine Horste baut. Für uns Reiter ist der Berg vor allem wegen seines weitläufigen Wegenetzes beliebt, das auch im Hochsommer angenehm kühlen Schatten spendet und durch seine griffigen Waldböden ideale Reitbedingungen bietet.

Paragliding an der Wasserkuppe: Die Wasserkuppe gilt als die Wiege des Segelflugs, ist heute aber auch ein Mekka für Paraglider. Die baumfreie Kuppe ermöglicht Starts in fast alle Himmelsrichtungen. Die besondere Thermik entsteht durch die Kombination aus der Höhe (950 m) und den weiten, unbewaldeten Flächen, an denen sich die Luftmassen erwärmen und aufsteigen können. Für Wanderreiter ist die Passage oft ein Highlight, da die Pferde hier lernen, mit bunten, sich bewegenden Objekten am Himmel gelassen umzugehen – ein echtes Gelassenheitstraining unter Realbedingungen.

Ausgerechnet der Berg dieser Etappe bringt den Kompass durcheinander. Wie sich Himmelsrichtungen auch ohne Kompass bestimmen lassen, zeigt der Ratgeber.

Den Wachtküppel kennen wir inzwischen zu drei Jahreszeiten: beim 3-Länderritt stiegen wir zu Fuß hinauf, bei einem Winterritt zwischen den Jahren stand er im Nebel – und heute lag er im goldenen Oktoberlicht.

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FAQ zum Herbstritt – Tag 3

Warum heißt der Wachtküppel „Lausbub der Rhön“?

Wegen seiner markanten, spitzen Form – und weil sein Basalt so viel Magnetit enthält, dass die Kompassnadel in Gipfelnähe abweicht. Er ist der Rest eines alten Vulkanschlots.

Warum sind über der Wasserkuppe so viele Gleitschirme unterwegs?

Die Wasserkuppe gilt als Wiege des Segelflugs, und im Herbst sorgt die Thermik für lange Flüge. Vom Sattel aus sieht man die Schirme fast lautlos über die Hänge gleiten.

Wie bindet man Pferde in der Mittagspause an?

An stabilen Bäumen am Waldrand, wo sie im Schatten stehen können. Wichtig sind tragfähige Stämme und genug Abstand zwischen den Pferden.

Was macht man mit einer provisorischen Koppel?

Sie wird beim Aufbruch vollständig zurückgebaut. Wir haben die Koppel in Seiferts abgebaut und das Gepäck auf das Begleitfahrzeug verladen, bevor es weiterging.

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